Fifa-Finanzen
Herr Blatters Gefühl fürs große Geld

Noch nie hat die Fifa mit einer Fußball-WM so viel Geld verdient wir in Südafrika. Doch Joseph Blatter ist das nicht genug: Er trimmt seine Organisation auf Expansionskurs. Doch die Strategie ist riskant.
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ZürichFifa-Chef Joseph Blatter kann es kaum erwarten. Zehn Minuten bevor er die neue Rekordbilanz seines Verbandes der Weltpresse vorstellen will, erscheint er bereits am Podium. Sein Generalsekretär und sein Finanzchef fehlen noch. Der Präsident des Weltfußballs muss sich gedulden, bis er seine Botschaft los werden darf: "Was wurde nicht alles Schlechtes über Südafrika gesagt?", fragt Blatter in die Runde. "Dass die Fifa in Afrika gegen eine Wand rennen würde, hieß es." Dass man dort nur Geld verbrennen würde, hätten sogar viele Fifa-Funktionäre geglaubt, sagt Blatter. "Doch in Wahrheit wurde Südafrika zu einem gigantischen finanziellen Erfolg."

Mit dem Finanzbericht über die abgelaufene WM-Periode 2007 bis 2010, den die Fifa am Donnerstagnachmittag im Zürcher Hauptquartier vorstellte, will Blatter sein Meisterwerk präsentieren. Über vier Milliarden Dollar nahm der Weltfußballverband ein, 90 Prozent davon stammen direkt aus dem Turnier in Südafrika. Im Vergleich zu der bereits äußerst lukrativen WM 2006 in Deutschland konnte die Fifa ihre Erlöse noch einmal um satte 59 Prozent steigern. Noch nie ließ sich mit Fußball so viel Geld verdienen - und Blatter lässt sich gerne dafür feiern: "Wenn ich diese Zahlen sehe, dann sage ich: ja, ich bin ein glücklicher Präsident."

In seiner zwölfjährigen Amtszeit hat der gelernte Volkswirt Blatter aus dem Sportverband einen milliardenschweren Konzern geformt. Mit seinem Kassenschlager, der Fußball-WM ist er unangefochtener Weltmarktführer. Wo immer der Ball rollt, rollt auch der Rubel - und ein immer größerer Teil der Umsätze fließt direkt in die Kassen der Fifa. "Der Verband ist ein klassischer Monopolist, der seine enorme Marktmacht einsetzt, um die Gewinne zu maximieren", sagt Henning Vöpel, der am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) über den Wirtschaftsfaktor des Fußball forscht.

Die Attraktivität der Ware WM sei so groß, dass sich jeder, der davon profitieren möchte, den Bedingungen der Fifa unterwerfen müsse. "Wenn es darum geht, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, führt für Fernsehsender und Sponsoren kein Weg an der Fifa vorbei", sagt auch Stefan Ludwig, Sportbusiness-Experte der Unternehmensberatung Deloitte. "Dafür sind sie bereit, einen hohen Preis zu bezahlen."

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