FIFA-Millionenzahlung
Platini in Not

Im FIFA-Skandal steckt UEFA-Präsident Michel Platini weiter in Erklärungsnot. Seine Begründung für die verspätete Millionenzahlung von Weltverbandschef Blatter erscheint mehr als fragwürdig.

BerlinMit einer brüchigen Verteidigungsstrategie im FIFA-Skandal hat UEFA-Präsident Michel Platini Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit genährt. Die Erklärung des Franzosen, der höchst umstrittene Fußball-Weltverbandschef Joseph Blatter habe ihm ein Berater-Honorar in Millionenhöhe wegen angeblich knapper FIFA-Kassen erst mit neun Jahren Verspätung auszahlen lassen, sorgte am Mittwoch für Verwunderung. Der französische Sportminister Patrick Kanner forderte Platini auf, „alle Verdächtigungen aus dem Weg“ zu räumen. Sogar Frankreichs einflussreiche Sportzeitung „L'Equipe“ titelte: „Platini in Gefahr“.

Ähnlich wie Kanner äußerte sich auch Reinhard Rauball. „Michel Platini wird der Öffentlichkeit und den Fußballfans glaubwürdig - darauf liegt die Betonung: glaubwürdig - erklären müssen, wie die Dinge gelaufen sind“, sagte der Präsident des Liga-Verbandes der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag).

Internationalen Medien hatten Platinis Argumentation mit dem Verweis auf die FIFA-Bilanzen gekontert. Im Jahr 2002 hatte Blatter demnach einen Gewinn von 115 Millionen Schweizer Franken verkündet. Dass der Schweizer im gleichen Zeitraum seinen damaligen Intimus Platini für dessen Dienste angeblich nur anteilig entlohnen konnte, weil das Geld fehlte, erscheint zumindest seltsam. Erst im Jahr 2011 seien dann auf Nachfrage weitere zwei Millionen Schweizer Franken für seine Arbeit zwischen Januar 1999 und Juni 2002 geflossen, erklärte Platini.

Der 60-Jährige wischte in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP alle Zweifel an seiner Integrität beiseite und bekräftigte seine Absicht, für die Nachfolge Blatters zu kandidieren. Doch Platinis wacklige Beteuerungen allein dürften kaum reichen. Platini müsse belegen, dass die FIFA-Zahlung „sowohl juristisch haltbar als auch moralisch vertretbar“ sei, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, der „Sport Bild“ (Mittwoch).

Genau das erwartet wohl auch die Schweizer Bundesanwaltschaft, die Platini bereits als Auskunftsperson im Strafverfahren gegen Blatter vernommen hat. Der UEFA-Chef sei eben nicht bloß als Zeuge im Visier der Justiz, sondern als „etwas zwischen Zeuge und Beschuldigter“, stellte Bundesanwalt Michael Lauber noch einmal klar. Zudem schloss Lauber nicht aus, dass nach der FIFA-Zentrale auch das Hauptquartier der UEFA nach Beweisen durchsucht werden könnte. Auch die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Platini erscheint keineswegs unmöglich.

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