Fußball-Aktien unter Druck
Neuer Skandal kommt Italiens Fußball teuer

Kaum ist der Rauch um verschobene Spiele verzogen, erschüttert der nächste Skandal Italiens Fußball. Nach dem Tod eines Polizisten in Catania im Anschluss an ein Ligaspiel ist der Spielbetrieb in Italien bis auf weiteres vollständig ausgesetzt. Das trifft nicht nur die Vereine – in Italien ist Fußball insgesamt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

kk/HB MAILAND. Es war ein gespenstischer Sonntag für Italien. Keine Fußballspiele und die Gäste der vielen Talkshows, die den Nachmittag Fußball oder Fußball-verwandte Themen abdecken, sprachen nur über den dramatischen Vorfall: Den Tod des 38-jährigen Polizisten Filippo Raciti, den Catania-Hooligans umgebracht haben. Der erfahrene Showmaster Pippo Baudo kritisierte sogar, dass der Papst in seiner Sonntagspredigt nicht darauf eingegangen ist.

Doch der Tod des Polizisten trifft nicht nur die Gemüter, sondern auch die Kassen der Vereine. Der nach dem Freitag verhängte Fußballstopp kostet den Nationalsport Millionen. Am Montagnachmittag um 16:30 Uhr, wenige Stunden nach der Beerdigung von Raciti, wird sich entscheiden, wie lange die Auszeit dauern wird. Um die Uhrzeit treten Innenminister Giuliano Amato, Justizminister Clemente Mastella und die Sportministerin Giovanna Melandri die Spitzen des italienischen Fußballs und des Nationalen Olympischen Komitees zusammen, um das weitere Vorgehen zu beschließen. Amato will mindestens noch eine Woche lang die Spiele aussetzen.

Mit jedem spielfreien Tag verlieren die Vereine Millionen. „Der Fußballstopp kostet allein an Eintrittseinbußen 6,3 Millionen Euro pro Tag. Hinzu kommen die Fernsehrechte und die Einnahmen durch Fußballwetten“, rechnet Giuseppe Marotta, der Vorstandsvorsitzende von Sampdoria vor. Insgesamt wurden die Einbußen am Sonntag auf mindestens 30 Millionen Euro geschätzt. Allein die ambulanten Händler rund um die Stadien setzen an einem Fußballtag mit ihren Fahnen, Schals oder auch Wasser schätzungsweise 14 Millionen Euro um.

Noch viel schwerer wiegt aber möglicherweise der Imageschaden, den der italienische Fußball durch die Negativschlagzeilen erlitten hat. Experten des Forschungsinstituts für Marketing, „Meta Comunicazione“, haben diesen Schaden in einer Studie auf rund eine halbe Milliarde Euro taxiert. 24 Prozent der darin befragten Marketingexperten vermuten, dass Italien nach den jüngsten Krawallen unter anderem die Chancen auf die Ausrichtung der EM 2012 verspielt hat. „Die Gewaltszenen aus Catania hat die ganze Welt gesehen. Die Imageschäden betreffen nicht nur den Fußball, sondern auch den Tourismus“, hieß es in der Studie.

Darüber hinaus wird befürchtet, prominente ausländische Sponsoren könnten ihre Verträge mit den italienischen Klubs kündigen. Allein die Schäden für den Klub Catania Calcio werden auf etwa 80 Mill. Euro beziffert.

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