Fußball Bundesliga
Hertha bastelt an der "Nach-Marcelinho-Ära"

Für Hertha BSC Berlin beginnt die Zeit danach: Nach dem Verkauf von Spielmacher und Paradiesvogel Marcelinho wollen sich die Hauptstädter neu aufstellen. Für Trainer Falko Götz ist dies auch eine "Chance."

Nach dem Verkauf von Marcelinho steht Bundesligist Hertha BSC Berlin vor der schwierigen Aufgabe, den exzentrischen Brasilianer gleich in dreifachem Sinne zu ersetzen: als Spielgestalter, Top-Torschützen und nicht zuletzt als "bunten Vogel", der dem angegrauten Image des Hauptstadt-Klubs in der Vergangenheit einige Farbkleckse verpasste.

"Marcelinho war für die großen Momente da", sagt Hertha-Manager Dieter Hoeneß, "aber er hat uns auch unglaublich viele Probleme bereitet." 65 Treffer und 49 Torvorlagen in 165 Bundesligaspielen ließen die Verantwortlichen lange über die unzähligen Eskapaden des 31 Jahre alten Brasilianers hinwegsehen. Doch mit der eigenmächtigen Urlaubsverlängerung um neun Tage zu Saisonbeginn brachte Marcelinho das Fass zum Überlaufen. Für 2,5 Mill. Euro wechselte er zum türkischen Erstligisten Trabzonspor.

"Sein Weggang ist ein sportlicher Verlust, zugleich aber auch eine große Chance", sagte Trainer Falko Götz. Die vielen jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs können sich nicht mehr mit einem Querpass zu Marcelinho hinter selbigen verstecken, sondern müssen selbst Verantwortung übernehmen. "Unsere Leistungsträger müssen ihnen dabei helfen", erklärte Götz.

Bastürk soll neuer Chef

Damit angesprochen ist vor allem Yildiray Bastürk, der bereits in der Vorsaison und in der aktuellen Vorbereitung bewies, dass er der neue Chef im Berliner Mittelfeld ist. "Ohne Marcelo werden wir anders Fußball spielen," erklärte der türkische Nationalspieler. Das Spiel wird wohl weniger glanzvoll, dafür aber weniger ausrechenbar. Dies gilt sowohl für die Gegner als auch den eigenen Verein, der sich nicht auf einen konkretes Saisonziel festlegen wollte.

Weitaus problematischer als einen Nachfolger für die Spielgestaltung zu finden, ist der Verlust der personifizierten Torgefahr bei Hertha. In Marcelinho verlässt der beste Torschütze und Vorlagengeber der vergangenen fünf Jahre den Klub. Die Ablösesumme sowie das eingesparte 1,8-Millionen-Gehalt von Marcelinho soll noch vor Transferschluss reinvestiert werden. "Wir werden einen Stürmer verpflichten, der uns richtig weiterhilft", sagte Götz.

Gimenez als neuer Wunschstürmer

Ganz oben auf der Liste steht der Argentinier Christian Gimenez. Der 31-Jährige will den französischen Erstligisten Olympique Marseille unbedingt verlassen. Seine Torqualität hatte Gimenez zuvor beim FC Basel bewiesen, als er in 123 Spielen 93-mal getroffen hatte. Gimenez wäre für Hertha trotz eines Schuldenbergs von etwa 49 Mill. Euro Verbindlichkeiten finanzierbar. So soll die Ablösesumme unter einer Million liegen.

Bleibt die Frage, wer den bunten Vogel Marcelinho, dessen Besuche beim Friseur in den Berliner Boulevardmedien genauso viel Raum eingenommen hatten wie seine Ausflüge ins Nachtleben, als Attraktion neben dem Platz ersetzen soll. Hertha ist mit dem Abgang seines schillernsten Spielers mehr denn je gezwungen, schönen und erfolgreichen Fußball zu spielen, um im zähen Ringen um die Gunst der Fans nicht wieder an Boden zu verlieren und ins graue Mittelmaß der Bundesliga zu versinken. Sportlich wie emotional.

© SID

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