Fußball Bundesliga
Köln will mit "Waschstraßen-Taktik" aus der Krise

Trotz Wirbel um Lukas Podolski will sich der 1. FC Köln gegen Dortmund aus der Krise schießen. Wie beim Gang durch die Waschstraße sollen die Spieler die Negativerlebnisse ablegen.

Lukas Podolski ist geradeaus, er redet nicht lange drumherum. Mit seiner beißenden Kritik und der Drohung, sich zu verabschieden, hat der Nationalstürmer beim sportlich angeschlagenen Bundesligisten 1. FC Köln vor dem richtungsweisenden Duell gegen den Tabellenzweiten Borussia Dortmund am heutigen Freitag (20.30/Sky und Liga total!) für mächtig Wirbel gesorgt. Doch obwohl der Zehn-Millionen-Mann mit dem Interview gegen den neuen Verhaltenskodex, bedeutungsschwanger als Leitkultur im Sommer vorgestellt, verstoßen hat, fiel die Reaktion vergleichsweise milde aus.

"In der Frustreaktion teilen wir das, was uns ins Buch geschrieben wurde. Aber die Kritik hilft uns wenig. Wir müssen Selbstbewusstsein aufbauen. Und da kann ich nur appellieren, dass durch solche Aussagen das Selbstbewusstsein nicht geschädigt wird", sagte Manager Michael Meier, der die generelle Unzufriedenheit im Umfeld als "Jammern auf hohem Niveau" bezeichnete: "Wir waren schon in der 2. Liga." Ob es eine Geldstrafe für den Publikumsliebling gibt, wollte Meier nicht öffentlich machen. Mit Prinz Poldi, der Konzeptions- und Strategielosigkeit sowie verfehlte Transferpolitik öffentlich angeprangert hatte, wollte er zudem auch erst nach dem Spiel über diesen Ausbruch zur Unzeit reden.

Fünf Punkte aus sieben Spielen sind zuwenig

Das Sportliche sollte im Vordergrund stehen. Mit einem schon fast als putzig zu bezeichnenden Kniff versuchte man den zum Teil hochbezahlten Profis den Druck zu nehmen. "Wir haben der Mannschaft bildlich empfohlen: Vergesst die ersten Spiele, geht gedanklich durch die Waschstraße, stellt die Resettaste auf Null und vergesst alles Negative. Das Interview würde ich in die Waschstraße mit einbeziehen." Ob das hilft? Fünf Punkte aus sieben Spielen und der Relegationsplatz stehen bisher unter dem Strich zu Buche.

Trainer Zvonimir Soldo steht mächtig unter Druck. Doch durch Podolskis Kritik fällt die Buhmann-Rolle auch immer mehr auf den dafür Mitverantwortlichen - Michael Meier. Der soll einst Dortmunds Schnäppchen Shinji Kagawa (350 000 Euro Ausbildungsentschädigung) für nicht geeignet befunden haben.

"Diese Sache klären wir intern", sagte Trainer Soldo zur Kritik seines Stars. Der Kroate musste sich aber nicht nur mit Podolski auseinandersetzen, sondern vor allem mit seiner eigenwilligen Nummer eins Faryd Mondragon. Der 39 Jahre alte Torwart-Methusalem reiste gegen den Willen des FC zu zwei Länderspielen Kolumbiens. Gegen Ecuador (1:0) spielte er gar nicht, gegen die USA (0:0) in der Nacht zum Mittwoch 90 Minuten.

Euphorie in Dortmund

Am Donnerstag trudelte "Mondy" dann wieder ein, obwohl der Trainer schon vor Tagen klargestellt hatte: "Kommt Mondy erst am Donnerstag zurück, wird es schwer für ihn." Möglicherweise geht Soldo das Risiko ein, den 21-Jährigen Miro Varvodic gegen Dortmund ins Tor zu stellen.

Derartige Baustellen hat Borussia Dortmund derzeit nicht. Sechs Siege in der Bundesliga in Folge, mit einem weiteren stellt man den Vereinsrekord ein. Die Verantwortlichen stört lediglich die Euphorie. "Das, was wir bisher gemacht haben, ist ausschließlich als Basis anzusehen. Mehr nicht", sagte Trainer Jürgen Klopp. Sportdirektor Michael Zorc zeigte sich gar genervt. "Jeder erwartet einen Sieg. Aber wenn die Höhe oder die Art und Weise nicht entsprechend war, würde eine Enttäuschung mitschwingen. Das passt mir nicht, wir müssen unsere Erwartungen bremsen."

Deshalb macht man den Gegner einfach stark. "Köln hat richtig Druck. Das, was dort an Spielermaterial ist, ist richtige Qualität", meinte Klopp und ergänzte selbstbewusst: "Wir haben aber nicht die Hosen voll." Wieder ins Training beim BVB eingestiegen und für Köln einsatzbereit ist zudem Kevin Großkreutz, der wegen eines grippalen Infekts der Einladung zur Nationalmannschaft nicht hatte folgen können.

© SID

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