Fußball Bundesliga
Rummenigge erklärt Fall Lahm für erledigt

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat nach dem Gespräch mit Phillip Lahm die Angelegenheit für erledigt erklärt und Kritik an der Führung zurückgewiesen.

Rebell Philipp Lahm plauderte nett über das neue WM-Trikot, doch zum Zoff mit seinem Klub Bayern München wollte sich der 26-Jährige nach drei turbulenten Tagen partout nicht mehr äußern. "Das spielt jetzt keine Rolle. Das Thema ist abgehakt. Jetzt stehen andere Dinge im Vordergrund", sagte Lahm bei der Präsentation der neuen Spielkleidung der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag in Herzogenaurach gelassen.

Auch durch ständige Nachfragen ließ sich Lahm nicht aus der Reserve locken. Der Nationalspieler lobte brav das neue Outfit ("Das Trikot sieht sehr gut aus"), ansonsten wollte er sich nicht weiter den Mund verbrennen. Der Angriff des Verteidigers auf den FC Bayern war dennoch das Gesprächsthema Nummer eins beim ersten Termin der DFB-Auswahl vor den beiden Länderspielen am Samstag gegen Chile in Köln und am 18. November in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste.

"Er wird auf diese Weise reifen"

Unruhe befürchten Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff durch den Wirbel um Lahm jedoch nicht. "Das ist eine Vereinsangelegenheit, das lassen die Spieler hinter sich, wenn sie zur Nationalmannschaft kommen", betonte Bierhoff. Für ihn, sagte er außerdem, sei Lahm "auf dem Weg, eine Persönlichkeit zu werden", einer, der "etwas bewegen will". Das sei ihm mit diesem Interview "nicht ganz gelungen", aber, behauptete Bierhof: "Er wird auf diese Weise reifen."

Für Löw ist der Münchner "nicht nur auf dem Weg zum Führungsspieler, er ist ein Führungsspieler". Der Bundestrainer hielt sich mit einer Bewertung der Auseinandersetzung zwischen Lahm und dem FC Bayern aber zurück: "Das ist eine vereinsinterne Angelegenheit, die nicht an die Öffentlichkeit gehört. Beide Seiten haben die Geschichte genau aufgearbeitet. Ich will mich da nicht einmischen. Ich kenne auch die Beweggründe von Philipp nicht." Löw will aber in den kommenden Tagen "mit Philipp darüber sprechen".

"Das muss jeder selbst entscheiden"

Auch Kapitän Michael Ballack ersparte sich Kritik an seinem Kollegen Lahm oder am FC Bayern. "Das muss jeder selbst entscheiden. Aber wenn es fruchtet und Sinn dahinter erkennbar ist...", meinte der frühere Münchner, der Lahm aber prophezeite, "dass er nun viel Gegenwind spüren wird".

Am Montag hatte der FC Bayern in einer Presseerklärung mitgeteilt, dass Lahm sich "in einem sehr offenen, ausführlichen und konstruktiven Gespräch für die Art und Weise seiner Aussagen und den eingeschlagenen Weg entschuldigt hat". Für seinen "Regelverstoß" hat Lahm angeblich 30 000 Euro Geldstrafe gezahlt, "für beide Seiten ist die Angelegenheit vom Wochenende damit erledigt", hieß es.

Der aufmüpfige Lahm schwieg deshalb, dafür wies Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag Kritik an den Bayern und den Verantwortlichen zurück. "Der FC Bayern ist kein Verein, der in seinen Grundfesten infrage gestellt ist. Wir stehen stabil da, so leicht wirft den FC Bayern nichts um. Wir sind in allen Organen bestens aufgestellt für die Zukunft", sagte er in einem Interview mit dem Münchner Merkur.

"Wir sind kritikfähig"

Der inhaltlichen Kritik von Lahm wollte sich Rummenigge in der Öffentlichkeit erneut nicht stellen, er versicherte aber: "Wir sind kritikfähig. Und ich bin ein loyaler Mitstreiter in der Sache des FC Bayern, der alles zum Wohle des Vereins unternimmt." In der heutigen Zeit einen Fußball-Verein zu führen, ergänzte er, sei "eine große Aufgabe, und auch manchmal keine leichte. Wir, der Uli (Hoeneß), der Karl Hopfner, ich, wir alle - wir geben dabei wirklich alles."

Hoeneß konnte vor allem die Systemkritik Lahms nicht nachvollziehen. "Wenn ich einen Trainer wie Felix Magath verpflichte und sage, aber ich nehme dich nur, wenn du 4-3-3 spielst, wenn du 4-4-2 spielst, dann kannst du nicht zu uns kommen - das ist ja geradezu lächerlich", sagte Hoeneß im Interview mit der Tageszeitung Die Welt: "Franz Beckenbauer hat was Gutes gesagt. Unsere Fußballer müssen zwei, drei Systeme spielen können. In Barcelona spielst du anders als zu Hause gegen Bochum."

Die breite öffentlich Unterstützung für die Kritik von Lahm erklärt sich Rummenigge mit der derzeitigen sportlichen Krise des deutschen Rekordmeisters. "Ich habe volles Verständnis für die Fans. Ich bin auch nicht zufrieden, das ist keiner hier bei uns", sagte der Klub-Chef. Er könne aber aus "tiefstem Herzen" versichern: "Wir werden hier bis zur letzten Patrone dafür kämpfen, dass wir am Ende dieser Saison wieder mit der Schale auf dem Rathausbalkon stehen."

"Irgendwann mal Kapitän des FC Bayern"

Lahm, versicherte Rummenigge, stehen beim FC Bayern nach wie vor alle Türen offen, nicht nur die der Verantwortlichen. "Er ist für uns ein wichtiger Spieler, nicht nur auf dem Platz. Und ich bin auch überzeugt davon, dass er irgendwann mal Kapitän des FC Bayern wird."

© SID

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