Fußball Bundesliga
Schalke blickt in graue Zukunft

Josef Schnusenberg nimmt Abschied von den hohen Zielen des FC Schalke 04. Der Präsident sagte, man dürfe vorerst nicht mehr über Meisterschaft oder Champions League reden.

Der Trainer wartet täglich auf seinen Rauswurf, der Aufsichtsrat sucht immer noch einen Manager, und der Präsident nimmt Abschied von hohen Zielen: Beim Krisenklub Schalke 04 ist die Gegenwart chaotisch und die Zukunft grau.

"Wir dürfen erst einmal nicht von der deutschen Meisterschaft oder der Champions League reden", sagte Präsident Josef Schnusenberg und deutete damit an, welche Konsequenzen die Chaostage auf Schalke haben werden.

Nach dem Absturz aus dem Champions-League-Viertelfinale ins graue Bundesliga-Mittelmaß innerhalb eines knappen Jahres kündigte der Vereinsvorsitzende einen radikalen Sparkurs an. "Wir sind in allen Wettbewerben gescheitert", sagte Schnusenberg am Dienstagabend bei der Veranstaltung "Tore und Gewinne" in der Schalker Arena: "Daher werden wir mit einer jungen, hungrigen Mannschaft in die Zukunft gehen."

Bis die Königsblauen, 2007 beinahe deutscher Meister und ein Jahr später erfolgreichster deutscher Klub in der Champions League, derartige Ziele wieder anstreben könnten, "wird das ein langer Prozess". Damit gab Schnusenberg erstmals konkret zu, wie schwer die aktuelle Krise den Klub auch auf längere Sicht trifft.

Die mit 55 Mill. Euro Gehaltsvolumen zweitteuerste Mannschaft der Liga, vor der Saison für 16 Mill. Euro verstärkt, muss radikal verschlankt werden. Ein Budget von ungefähr 35 Mill. Euro ist für die neue Spielzeit geplant. Rund um die beiden deutschen U21-Nationalspieler Manuel Neuer (22 Jahre/Vertrag bis 2012) und Benedikt Höwedes (21/2014) sowie die A-Nationalspieler Heiko Westermann (25/2014) und Jermaine Jones (27/2011) soll ein neues Team geformt werden.

Altgediente wie Neu-Kapitän Mladen Krstajic (35/Vertrag läuft aus), sein Vorgänger Marcelo Bordon (33/2011) und Lewan Kobiaschwili (31/2010) stehen vor dem Ende ihrer Dienstzeit. Stars wie den bei Bayern München gehandelten Rafinha (23/2011) und den ungebliebten Torjäger Kevin Kuranyi (27/2010) wird Schalke wohl ziehen lassen müssen. Völlig offen ist die Zukunft der maßlos enttäuschenden Neuzugänge Jefferson Farfan und Orlando Engelaar.

Rutten vor dem Aus

Fest steht indes, dass Trainer Fred Rutten gehen muss. Der Niederländer leitete zwar am Mittwoch noch das Training. Doch hinter den Kulissen wird über die Modalitäten der Trennung verhandelt. Der 46-Jährige soll nach niederländischen Presseberichten schon in Kürze als Coach bei der PSV Eindhoven vorgestellt werden. Schalke würde somit eine millionenschwere Abfindung sparen. Rutten verschwand nach dem Training kommentarlos in der Kabine.

Am Donnerstag muss sich der Niederländer unbequemen Fragen über seine Zukunft erst gar nicht stellen. Das vorgesehene Testspiel gegen den Zweitligisten Rot-Weiss Ahlen sagte Schalke am Mittwochnachmittag ab - offiziell wegen Personalmangels.

In der Manager-Frage ist nach sid-Informationen in dieser Woche nicht mehr mit einer Entscheidung zu rechnen. Nach den Absagen der Kandidaten Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt) und Felix Magath (Trainer-Manager beim VfL Wolfsburg) kommt auch Ex-Trainer Huub Stevens nicht in Frage. "Von Schalke hat noch niemand angerufen. Und ich gehe davon aus, dass auch kein Anruf mehr kommen wird", sagte der Niederländer am Mittwoch dem sid: "Wenn sie an mich denken würden, wäre das schon längst geschehen."

Der 55-Jährige hatte mit den Königsblauen 1997 den Uefa-Cup sowie 2001 und 2002 den DFB-Pokal gewonnen und keinen Hehl daraus gemacht, dass er gerne nach Gelsenkirchen zurückkehren würde. Deshalb verbarg er auch seine Enttäuschung nicht. "Was auf Schalke momentan passiert, gefällt mir auch nicht besonders. Da scheinen einige Dinge nicht in Ordnung zu sein", sagte er: "Ich will auch nicht länger warten, sondern prüfe einige andere Angebote."

So scheint alles auf den früheren Nationaltorwart Oliver Kahn hinauszulaufen, mit dem Vorstandschef Clemens Tönnies in der vergangenen Woche verhandelt hatte. Der 39-Jährige hatte aber noch um Bedenkzeit gebeten.

© SID

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