Fußball Champions-League
HSV ohne Selbstvertrauen zu den "Gunners"

Der Hamburger SV reist am fünften Champions-League-Spieltag ohne große Ambitionen zu Arsenal London. "Ich kann nicht behaupten, nach London zu fahren mit dem Gefühl, dass wir dort gewinnen", sagte Rafael van der Vaart.

Ein Bild sagt mehr als 1 000 Worte: Betretenes Schweigen, ernste Mienen und leere Blicke - der Spieler-Tross des Hamburger SV glich am Montagmorgen beim Antritt der Dienstreise zum Champions-League-Spiel beim FC Arsenal einem Trauerzug. Von Optimismus, Entschlossenheit oder gar Vorfreude auf die "Königsklasse" des europäischen Fußballs war nichts zu spüren. "Ich kann nicht behaupten, nach London zu fahren mit dem Gefühl, dass wir dort gewinnen", gab Kapitän Rafael van der Vaart stellvertretend für die Mannschaft die triste Stimmung vor dem Duell am Dienstag (20.45 Uhr/live bei Premiere) wieder.

Trainer Thomas Doll bemühte sich zumindest um ein positives Auftreten und hätte diese Einstellung vor dem Spiel um die Ehre wohl am liebsten auch seinen Jungs eingeimpft. "Es ist zu spüren, dass sich bisher keiner so richtig auf dieses Match gefreut hat. Das muss man sich mal vorstellen, wo wir doch so lange auf die Champions League hingearbeitet haben", erklärte der Coach, der trotz der Misserfolgsserie bei der Vereinsführung weiter Rückendeckung genießt. Nach seinem Verständnis müsse der Vergleich mit einer der besten Vereinsmannschaften der Welt doch genug Ansporn sein: "Eine Überraschung ist schließlich immer möglich - auch auswärts gegen ein Spitzenteam wie Arsenal."

Wicky: "Viel schlimmer kann es nicht kommen"

Zu verlieren hat der HSV in London jedenfalls nicht mehr viel. Mit null Punkten sind die Hanseaten nach vier Vorrundenspieltagen abgeschlagen Letzter der Gruppe G. Die Teilnahme am europäischen Wettbewerb über die Gruppenphase hinaus ist bereits verspielt. "Wir haben alle vier Champions-League-Spiele verloren und sind Vorletzter der Bundesliga - viel schlimmer kann es ja jetzt nicht mehr kommen", sagte Mittelfeldspieler Raphael Wicky ernüchtert.

Im Grunde kommen die beiden schweren Begegnungen dieser Woche bei den "Gunners" und am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen Meister Bayern München zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. "Oder gerade recht", wie Doll meint: "Wir sind in beiden Spielen Außenseiter. Vielleicht ist es in der Phase, in der wir uns geraden befinden, gut, dass der Druck etwas weg ist. Das ist eine Chance, sich freizuspielen."

Euphorie ist schnell verpufft

Das ist der Mannschaft in den 20 Pflichtspielen der Saison bisher nicht gelungen. Die kurze Euphorie des einzigen Saisonsiegs bei Bayer Leverkusen verpuffte schnell. Der lange Zeit beschworene Charakter des Teams wurde zuletzt immer häufiger in Frage gestellt. Nach dem jüngsten 0:0 bei Tabellenschlusslicht Mainz 05 kritisierte Routinier Bastian Reinhardt die Mannschaft so hart wie sonst keiner bisher, sprach von einer Offensiv-Leistung, die "nicht bundesligatauglich", und einem Team, das "nicht konkurrenzfähig" sei. "Seine Kritik ist völlig in Ordnung. Fußball ist ein Männersport, da muss man sich auch mal die Meinung sagen können", befand Doll.

Die wenigsten Sorgen machte zuletzt die Abwehr. Auch dank des nach längerer Verletzungspause zurückgekehrten Reinhardt. Doch kaum lichtete sich das Lazarett ein wenig, verletzte sich in Rene Klingbeil der nächste Stammspieler der vergangenen Wochen (Bänderriss im Sprunggelenk) und fällt bis zur Winterpause aus. Doch Ausreden sollen nicht mehr gelten. "Die, die spielen, müssen zeigen, dass sie gut genug sind, um diese schwierige Situation zu meistern", forderte Wicky.

Arsenal unter Zugzwang

Deutlich mehr unter Druck steht dagegen Arsenal, das nach zuletzt nur einem Punkt aus den beiden Spielen gegen Zska Moskau auf Rang drei (7 Punkte) hinter den Russen (8) und dem drittplatzierten FC Porto (7) abgerutscht ist. "Unser größter Fehler wäre, Hamburg angesichts seiner Schwächephase zu unterschätzen", meinte Trainer Arsene Wenger. Die Generalprobe ging allerdings gründlich daneben. Gegen den in der englischen Premier League ebenfalls kriselnden Abstiegskandidaten Newcastle United kam der Favorit am Wochenende nicht über ein 1:1 hinaus.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%