Fußball DFB
Krisenmanager Zwanziger nimmt alle Hürden

Der Geschäftsführende DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hat nach seinem ersten kompletten Amtsjahr ein positives Fazit gezogen: "Die Zeit ist rasend schnell vergangen", erklärte der erfolgreiche Krisenmanager.

Trotz schwierigen Starts hat der Geschäftsführende DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sein erstes komplettes Amtsjahr erfolgreich beendet und die Weichen für eine gelungene Weltmeisterschaft im eigenen Land gestellt. Zwanziger hat sich 2005 vor allem als Krisenmanager behauptet und vorerst alle Hürden aus dem Weg geräumt. "Theo Zwanziger geht den Aufgaben nicht aus dem Weg, er packt sie an", lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Arbeit des ehemaligen CDU-Abgeordneten.

"Die Zeit ist rasend schnell vergangen"

Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) bilanzierte der 60-Jährige das Jahr 2005, bevor er mit seiner Ehefrau Inge die alljährlichen Urlaubsreise nach Österreich antrat. "Die Zeit ist so rasend schnell vergangen, dass ich nicht einmal im Kopf habe, wie viel Tage es noch bis zum Beginn der WM sind. Ich fahre seit 30 Jahren nach Weihnachten regelmäßig in das Salzburger Land. Es kommt mir momentan so vor, als sei ich gestern erst von dort abgereist. Dabei ist das schon wieder ein Jahr her", meinte Zwanziger.

Bevor der frühere Mittelfedregisseur des VfL Altendiez seinen wohlverdienten Urlaub antreten konnte, musste er sich gemeinsam mit DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt zuletzt noch einmal richtig ärgern. Die Klage der Verbraucherschützer, die OK-Präsident Franz Beckenbauer als "Tagediebe" bezeichnet hatte, ging dem früheren DFB-Schatzmeister an die Nieren. "Grundsätzlich sind wir schlicht und einfach enttäuscht, dass die Verbraucherschützer als einzige Organisation eine Klage angestrengt haben. Wenn es freie Plätze geben sollte, obwohl die Stadien ausverkauft sind, können sich die Fans bei den Verbraucherschützern bedanken", zürnte Zwanziger.

Bestätigt sieht sich der promovierte Rechtswissenschaftler bei der Aufarbeitung des Wett- und Manipulationsskandals. Am 19. Januar erschütterte den DFB ein Hinweis, dass der aufstrebende Referee Robert Hoyzer Spiele manipuliert habe, um daraus Geldvorteile zu ziehen. Elf Monate später wurde Hoyzer von der Staatsanwaltschaft Berlin wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Den DFB kostete allein das von Hoyzer "verpfiffene" Pokalspiel zwischen Paderborn und Hamburg zwei Mill. Euro. Zwanziger kündigte bereits Schadenersatzforderungen an, sobald Hoyzer rechtskräftig verurteilt ist. Gegen das erstinstanzliche Urteil hatten Hoyzers Anwälte Revision eingelegt.

"Gewünscht" hatte sich Zwanziger den Skandal nicht, dennoch gewann der Jurist innerhalb des Verbandes durch die Affäre weiter an Profil. "Mir kam meine berufliche Ausbildung entgegen. Ich war Anwalt, lange Jahre Richter und auch Verwaltungsbeamter. Man muss die Akten kennen, auch mal nachts lesen. Man muss den Sachverhalt im Griff haben und einen Tag weiter als die Journalisten denken. Darauf habe ich mich eingestellt", meinte Zwanziger, der seit Oktober 2004 gemeinsam mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder die so genannte Doppelspitze im Verband bildet.

Unglücklicher Start der Doppelspitze

Im Zuge des Schiedsrichterskandals erkannte Zwanziger jedoch schnell einen "Geburtsfehler" der zunächst mit hämischer Kritik bedachten Doppelspitze. Mayer-Vorfelder und der OK-Vizepräsident standen sich im Frühjahr 2005 oft selbst im Weg und zeigten zudem bei einigen Fernsehauftritten Schwächen. "Die Gefahr lag darin, dass sich jeder für alles verantwortlich gefühlt hat. Deshalb habe ich damals zu Herrn Mayer-Vorfelder gesagt, dass das jetzt klar werden muss. Es kann nur jeder für seinen Bereich arbeiten. Das ist uns gelungen", erklärte Zwanziger.

Gelungen ist dem ehemaligen Anwalt, der als Fan von Turbine Potsdam in den kommenden Jahren den Frauenfußball noch intensiver fördern will, auch die Vertragsverlängerung mit Oliver Bierhoff bis 2010. Zwanziger bezeichnete den Nationalmannschafts-Manager als "Botschafter des Präsidiums", der seine Aufgabe bislang gelebt habe. "Er wollte zunächst nur zwei Jahre verlängern. Aber in dieser Position ist Kontinuität gefragt. Er ist auf meinen Wunsch, bis 2010 zu verlängern, eingegangen", meinte Zwanziger, der sich bei der Suche nach einem von Bundestrainer Jürgen Klinsmann geforderten Sportdirektor aber weiter schwer tut: "Es stockt, weil wir die richtige Person für den Posten noch nicht gefunden haben."

Eine mögliche Vertragsverlängerung mit Klinsmann vor Beginn der WM 2006 kann sich der Rheinland-Pfälzer dagegen derzeit nur schwer vorstellen: "Wir werden sehen, wie das Turnier läuft. Jürgen Klinsmann hat sich selbst die Messlatte sehr hoch gelegt. Wenn die Mannschaft die Fans wie beim ´Confed-Cup´ im Sommer begeistert und zudem sehr gut abschneidet, wird es keine Frage sein, dass wir uns schnell verständigen können. Wenn es nicht so läuft, dann wird man sehen."

Zwanziger setzt auf "gesellschaftliche Kraft" des Fußballs

Seine persönliche Zukunft sieht der Gladbach-Fan auch nach der WM als DFB-Boss. Im September stehen Wahlen an, die eigentlich nur ein Votum pro Zwanziger zum alleinigen DFB-Boss zur Folge haben können. Visionen hat er für diese Zeit längst. Dabei soll in erster Linie die "gesellschaftliche Kraft" des Fußballs weiter in den Fokus rücken. Vor allem bei der Integration ausländischer Mitbürger könne der Fußball laut Zwanziger in Deutschland Basisarbeit leisten: "Man muss dem Fußball die Chance geben, Integration leisten zu können. Denn der Fußball kann das".

© SID

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