Fußball DFB
Löw und Zwanziger vor Vertragsverlängerungen

Die Vertragsverlängerungen von Dr. Theo Zwanziger und Bundestrainer Joachim Löw scheinen beschlossene Sache zu sein. Der DFB-Boss ist alleiniger Kandidat, während der Kontrakt mit Löw bereits mündlich vereinbart ist.

Während die Vertragsverlängerung mit DFB-Boss Dr. Theo Zwanziger beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Donnerstag und Freitag in Mainz als beschlossene Sache gilt, wird über den neuen Kontrakt für Bundestrainer Joachim Löw weiter gerätselt. Zwanziger tritt als einziger Kandidat einer weiteren Amtsperiode als mächtigster Mann des größten Sportfachverbandes der Welt an. Der genaue Zeitpunkt der Bekanntgabe der feststehenden Vertragsverlängerung mit Löw bis zum Ende der WM 2010 in Südafrika ist indes weiter offen.

"Es geht nicht um eine aufgeblasene Darstellung, sondern schlicht und einfach um Inhalte. Im Grundsatz sind wir uns mit Joachim Löw einig, aber es gibt keinen Handschlagvertrag. Bevor die Vertragsverlängerung bekanntgegeben werden kann, müssen erst alle inhaltlichen Fragen mit dem Bundestrainer geklärt sein", sagte Zwanziger im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Hinter den Kulissen wird seit Wochenbeginn um die vorzeitige Verlängerung mit Löw gefeilscht. Der 47 Jahre alte Bundestrainer beauftragte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der wie DFB-Sportdirektor Matthias Sammer auf dem Bundestag ins Präsidium gewählt werden soll, seine Vorstellungen zu transportieren. Doch nach der vorzeitigen Qualifikation des WM-Dritten für die Euro 2008 ist der neue Kontrakt, der Löw ein Gehalt von 2,5 Mill. Euro jährlich bescheren soll, nur noch Formsache.

Löw genießt großes Vertrauen

Das Vertrauen seitens des DFB-Präsidiums in den Bundestrainer ist offenbar derart groß, dass selbst ein vorzeitiges EM-Aus keine Diskussionen um Löw hervorrufen würde. "Selbst wenn ich den worst case betrachte und wir in der Vorrunde ausscheiden sollten, war ja nicht auf einmal alles falsch, was vorher richtig war und teilweise überschwänglich gelobt wurde. Außerdem müssten wir uns ja dann ernsthaft fragen, wer das Amt des Bundestrainers übernehmen soll", meinte Zwanziger, der die DFB-Elf trotz der 0:3-Pleite gegen Tschechien weiter als Favoriten auf den EM-Titel betrachtet.

Während der EM-Gewinn der deutschen Mannschaft allerdings von vielen Unwägbarkeiten abhängt, gilt die Wiederwahl Zwanzigers zum DFB-Boss als sicher. Dennoch stellte der 62-Jährige klar: "Ich bin kein Machtmensch, kein Ehrgeizling. Meine Aufgabe besteht darin, den Trainern die Rahmenbedingungen zu geben, damit sie erfolgreich arbeiten können. Zudem war wichtig, den Verband gesellschaftlich zu positionieren, um sichtbar zu machen, dass wir den Spitzenfußball brauchen, um wichtige Dinge wie beispielsweise Integration und Frauenfußball voranzutreiben."

Kritik für Zwanziger

Nachdem sich Zwanziger als Geschäftsführender DFB-Präsident an der Seite von Gerhard Mayer-Vorfelder insbesondere beim Wettskandal Anfang 2005 profilieren konnte, hagelte es seit seiner alleinigen Amtsübernahme im vergangenen Oktober allerdings auch Kritik. Sowohl im Fall Ashkan Dejagah, als auch beim Streit um den zukünftigen DFB-Ausrüster sah Zwanziger in der Öffentlichkeit nicht gut aus.

"Als das Nike-Angebot bei mir auf dem Tisch lag, war klar, dass es in dieser Angelegenheit keinen Konsenz geben kann. Am Ende stand die Vertragsverlängerung mit adidas bis 2018, für jährlich 26 Mill. Euro - eine deutliche Steigerung. Zum Schluss hätte ich mir sicher etwas mehr Rückendeckung von der Liga gewünscht, schließlich ist die Position und Entscheidung des DFB nur deshalb so stark hinterfragt worden, weil sich die Liga bei der Abstimmung im DFB-Präsidium enthalten und dies sogleich öffentlich gemacht hat", erklärte Zwanziger.

Verhältnis zur Ligaführung unbelastet

Mittlerweile sieht Zwanziger das Verhältnis zur neuen Ligaführung um Reinhard Rauball nicht mehr als belastet an, auch wenn der Poker um den Grundlagenvertrag weiter Brisanz verspricht. Selbst die Tatsache, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) die TV-Rechte an der Bundesliga bereits verkauft hat, während der DFB erst in den kommenden Monaten über die Übertragungsrechte an den Spielen der Nationalmannschaft ab 2009 verhandeln will, ist für Zwanziger kein Problem.

"Warum sollten wir uns gegenseitig kannibalisieren? Welches Interesse sollten wir daran haben, den Klubfußball kleinzuhalten? Vielmehr wollen wir, dass beide Seiten zu guten Abschlüssen kommen, da gibt es kein Wettrennen um vorhandene Budgets. Wir wissen, was die Nationalmannschaft wirtschaftlich bedeutet, da war es kein Problem, dass die Liga erstmal ihre Marktchancen absteckt."

Ein Hauptaugenmerk legt der ehemalige DFB-Schatzmeister in seiner zweiten Amtsperiode als alleiniger Präsident auf das Thema Integration, nachdem der Fall Dejagah zuletzt für mächtig Wirbel gesorgt hatte: "Wir sind bei diesem Thema wirklich noch nicht so weit. Das ist in unserer Gesellschaft ein konfliktträchtiger Dauerbrenner. Wir müssen da hinkommen, dass, wenn diese Jungs das erste Mal bei uns zum Training kommen, wir nicht nur schauen, ob sie den Ball spielen können. Vielmehr müssen wir uns dann auch eine Stunde Zeit nehmen, um zu fragen, was sie bewegt und welche Konflikte durch die doppelte Staatsbürgerschaft entstehen können."

© SID

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