Fußball EM
Italien zittert, England hofft auf Schützenhilfe

In der EM-Qualifikation ist heute für Spannung gesorgt. Bis zu neun Teams können die Endrunde erreichen. Für Italien geht es in Schottland um "Alles oder Nichts", England hofft auf Schützenhilfe Israels gegen Russland.

Weltmeister Italien und Fußball-Mutterland England wackeln in der EM-Qualifikation. Die "Squadra Azzurra" zittert vor der "Festung Hampden Park", die "Three Lions" setzen ihre letzten Hoffnungen auf Außenseiter Israel. Wenn heute bis zu neun weitere Tickets für die EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz vergeben werden, könnten die beiden Schwergewichte als große Verlierer auf der Strecke bleiben. Dabei haben die Italiener ihr Schicksal wenigstens noch selbst in der Hand, der Weltmeister von 1966 ist dagegen auf Schützenhilfe angewiesen. Auch die Türkei, immerhin WM-Dritter von 2002, kämpft in Norwegen um "Alles oder Nichts".

Ganz Schottland vom Duell mit Italien elektrisiert

Im Mittelpunkt der 21 EM-Qualifikationsspiele steht aber der "Showdown in Glasgow". Rund 600 000 Tickets hätte der schottische Verband für die Partie gegen die "Squadra Azzurra" verkaufen können und die Wettbüros verzeichnen nie dagewesene Einsätze auf das Duell. Ganz Schottland fiebert dem Spiel gegen Italien entgegen, das das Land des viermaligen Weltmeisters nach den jüngsten Gewaltausbrüchen der Hooligans auch sportlich in ein Dilemma stürzen könnte.

Ein Sieg zum Abschluss gegen die Färöer mal vorausgesetzt, würde den Defensivkünstlern aus Italien schon ein Unentschieden zum Weiterkommen genügen. Doch der Respekt vor den wackeren Schotten und ihren enthusiastischen Fans ist riesengroß. "Wir wissen, dass uns eine Schlacht erwartet, aber wir haben keine Angst", meinte der frühere Welttorhüter Gianluigi Buffon. Auf den Schultern des Schlussmannes von Juventus Turin ruhen in Italien die Hoffnungen. "Italien in Buffons Händen", titelte bereits die römische Zeitung La Republicca. Sollten die Gäste gewinnen, wäre im Übrigen auch Vize-Weltmeister Frankreich durch.

Die Italiener sind auf jeden Fall gewarnt. Fünf Heimspiele, fünf Siege lautet die stolze Bilanz der Schotten in der laufenden EM-Qualifikation. Und der große Außenseiter von der Insel hat nichts zu verlieren, kann aber alles gewinnen. "Sieg, Unentschieden oder Niederlage - wir sind auf jeden Fall Helden. Italien droht dagegen ein Desaster. Ganz Italien erwartet doch, dass sie die EM gewinnen, nicht nur, dass sie sich dafür qualifizieren", erklärte der schottische Teammanager Alex Mcleish.

Bei einem Sieg hätten die Schotten erstmals wieder seit 1998 ein großes Turnier erreicht. Kein Wunder, dass die Partie die Massen elektrisiert - und erst recht die Wettkunden. Buchmacher William Hill erwartet Einsätze in Höhe von zehn Mill. Pfund allein auf diese Partie, der Rekord des Hauses steht bislang bei fünf Mill. Pfund aus dem Jahre 1999, als England und Schottland in der EM-Qualifikation aufeinander trafen.

Italien würde bei einer Niederlage und dem damit wohl verbundenen EM-Aus in eine kollektive Depression fallen, nachdem erst am Wochenende die Krawalle im Zuge des Todes von Fußball-Fan Gabriele Sandri das Land in Atem gehalten hatte. Ausschreitungen drohen auch in Glasgow, rund 300 Hooligans wollen möglicherweise die Reise nach Schottland antreten.

England drückt Israel die Daumen

Die englischen Fußball-Fans bleiben dagegen zu Hause und drücken Außenseiter Israel im Spiel gegen Russland vor dem Fernseher die Daumen. Nur wenn die Russen noch patzen, käme England wieder ins Spiel. Der zweite "Rettungsanker", dass der Gruppenerste Kroatien in Mazedonien verliert, erscheint noch unwahrscheinlicher. Die Engländer bestreiten unterdessen ein Testspiel in Österreich.

Dass die "Three Lions" die Alpenrepublik auch im Sommer besuchen werden, daran glaubt Englands Teammanager Steve Mcclaren nach wie vor: "Wir haben es leider nicht mehr in den eigenen Händen. Ich glaube aber weiterhin daran, dass das abschließende Spiel gegen Kroatien entscheidend sein wird." Im Falle eines Scheiterns dürften die Tage von Mcclaren wohl gezählt sein.

Unterdessen machen Verschwörungstheorien in England die Runde, daran war der in Russland geborene Torwarttrainer der Israelis, Alexander Ubarow, nicht ganz unschuldig. "Ich würde mich darüber freuen, wenn sich Russland qualifizieren würde", hatte der frühere Keeper unlängst gesagt.

Auf fremde Hilfe müssen die Türken indes nicht hoffen, doch die Aufgabe des WM-Dritten von 2002 ist auch so schwer genug. Im direkten Duell um den zweiten Platz in der Gruppe C in Norwegen muss schon ein Sieg her. Um in der Kälte von Oslo zu bestehen, bezogen die Türken extra ein Trainingslager im estnischen Tallinn.

Lediglich Formsache dürfte die Qualifikation der Niederländer sein, die mit einem Sieg beim Fußball-Zwerg Luxemburg ihr Ticket neben Gruppe-G-Spitzenreiter Rumänien sicher hätten. Auch Polen könnte in Gruppe A mit einem Erfolg über Belgien alles klarmachen. Die ebenfalls gut im Rennen liegenden Portugiesen hätten bei Patzern der Konkurrenz mit einem Sieg gegen Armenien auch das Weiterkommen vor Augen. In Gruppe F können derweil sowohl Spanien als auch Schweden, die im direkten Duell aufeinandertreffen, alles klarmachen.

© SID

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