Fußball EM
Löw: "Nicht unbedingt ein Glückslos"

Nach der Auslosung der Gruppen für der EM 2008 sind die Reaktionen der internationalen Verbands-Vertreter unterschiedlich. Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat die Stimmen zusammengestellt.

Die Auslosung der Gruppen für der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz weckten unterschiedliche Reaktionen bei den Verantwortlichen der Fußballverbände. Deutschlands Vertreter wurden nicht müde zu betonen, dass das Weiterkommen, trotz des vermeintlichen Losglücks, eine hartes Stück Arbeit wird. Die Teams der "Todesgruppe" C geben sich trotz der schwierigen Gruppenkonstellation gelassen.

Joachim Löw (Bundestrainer): "Ich würde nicht unbedingt von einem Glückslos reden. Österreich spielt mit der ganzen Nation im Rücken, das ist nicht zu unterschätzen. Kroatien hat in der Qualifikation England eliminiert, und wie schwer es gegen Polen ist, haben wir bei der WM gesehen. Aber wir haben gute Chancen, die nächste Runde zu erreichen. Die Reihenfolge der Spiele spielt keine Rolle. Wir müssen uns da durchsetzen. Das Vorbereitungsspiel gegen Österreich werden wir trotzdem machen. Es sind dann ja noch vier Monate Zeit bis zum Turnier. In der Gruppe C treffen die Top-Mannschaften Europas aufeinander. Da wird es schwer, sich durchzusetzen. Ich bin froh, dass wir da nicht zugelost wurden."

Oliver Bierhoff (DFB-Teammanager): "Bei einer EM-Endrunde hat man immer starke Gegner, aber wir haben natürlich die Daumen gedrückt. Frankreich und Holland wären natürlich Hammergegner gewesen. Polen war bei der WM das wohl wichtigste Spiel. Es war ein Befreiungsschlag und hat der Mannschaft einen Schub gegeben. Außerdem hat es die Bindung zu den Zuschauern geschaffen. Und Polen hat damals auch gezeigt, was es für eine gute Mannschaft hat. Wir sind gewarnt. Kroatien ist ein unangenehmer Gegner, meiner Meinung nach auf dem Papier der stärkste. Die Kroaten haben gute Fußballer, die Leidenschaft, Herzblut und Vaterlandstreue mitbringen. Wir rechnen mit einem kampfbetontem und aggressiven Spiel. Die Kroaten werden ein starkes Selbstbewusstsein haben, nicht zuletzt durch den Sieg im eigentlich bedeutungslosen letzten Spiel in England. Österreich ist von der spielerischen Qualität her die schwächste Mannschaft in der Gruppe. Österreich hat Probleme im Fußball, aber den Heimvorteil. Mit Blick auf die Euphorie ist das erste Spiel besonders wichtig für Österreich."

Andreas Ivanschitz (Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft): "Deutschland ist in der Gruppe natürlich haushoher Favorit. Viele in Österreich haben sich Deutschland als Gegner gewünscht, da freuen sich alle, aber es ist natürlich ein sehr schweres Los. Für uns wird viel von unserem Eröffnungsspiel abhängen. Aber ich rechne mir im Kampf um den zweiten Platz in unserer Gruppe schon Chancen aus."

Josef Hickersberger (Teamchef Österreich): "Ich freue mich, dass wir Deutschland zugelost wurden. Ich habe mich als Spieler und Trainer in Deutschland immer sehr wohl gefühlt. Das ist ein großes Los für uns. Wir haben genau verfolgt, wie Jürgen Klinsmann bei der deutschen Heim-WM unter Druck geraten ist, aber auch, wie dann eine Euphorie im Team entstand."

Herzog: "Wollen endlich wieder Deutschland schlagen"

Andreas Herzog (Assistenztrainer Österreich): "Deutschland ist Favorit in der Gruppe, aber wir rechnen uns gegen Polen und Kroatien gute Chancen aus. Aber auch gegen Deutschland spielen wir in Wien und rechnen uns insgeheim Chancen aus. Nach 30, 40 Jahren wollen wir endlich wieder Deutschland schlagen. Wir müssen auch in Zukunft Erfolge feiern, damit wir nicht nur von 1978 reden müssen."

Alfred Gusenbauer (österreichischer Bundeskanzler): "So haben wir uns die Gruppe nicht gewünscht, aber das Spiel gegen Deutschland findet fast auf den Tag genau 30 Jahre nach dem Wunder von Cordoba statt. Ich hoffe, die Leidenschaft und die Erinnerung werden uns helfen. Die Chance lebt. Angesichts der Gruppe C sind wir noch gut davongekommen."

Slaven Bilic (Trainer Kroatien): "Wir haben viel Respekt vor der Gruppe, aber wir haben auch eine gute Mannschaft und viel Selbstvertrauen. Wir können gegen jede Mannschaft in Europa gut spielen."

Leo Beenhakker (Trainer Polen): "Es ist eine große Ehre für uns gegen den Gastgeber zu spielen. Da herrscht immer eine besondere Atmosphäre. Deutschland eines der besten Teams der Welt und Kroatien hat eine fantastische Qualifikation gespielt. Das wird eine große Herausforderung für uns, aber wir lieben Herausforderungen."

Marco van Basten (Trainer Niederlande): "Das ist eine sehr schwere Gruppe. Es geht immerhin gegen die beiden Finalisten der letzten Weltmeisterschaft, Italien und Frankreich. Das sind große Fußball-Nationen, die über eine sehr große Erfahrung verfügen."

Donadoni: "Wir müssen es so nehmen"

Roberto Donadoni (Trainer Italien): "Eine Europameisterschaft ist nie leicht. Man kann sich die Gegner halt nicht aussuchen, wir müssen es so nehmen."

Jean-Pierre Escalettes (Präsident französischer Fußballverband): "Natürlich wird jetzt hier wieder von einer Todesgruppe geredet, aber die anderen zwölf Mannschaften werden auch sehr motiviert zu dieser EM kommen. Von daher ist es egal, gegen wen wir spielen müssen. Das ist eben eine Auslosung, es kommt, wie es kommt. Wir bleiben in der Kontinuität. Wir haben gegen Italien das WM-Finale bestritten und treffen in der Qualifikation für Südafrika auf Rumänien."

Otto Rehhagel (Trainer Griechenland): "Es ist eine schwere Gruppe für uns. Schweden ist ein Klasseteam und verfügt mit Ibrahimovic über einen der besten Stürmer der Welt. Die anderen zwei Gegner kennen wir von der vergangenen EM, da waren wir auch in der gleichen Gruppe. Vor einem Turnier wird viel geredet, doch entscheidend ist das, was auf dem Platz passiert. Wichtiger ist für mich, dass alle Spieler dann in einer guten Verfassung sind. Wir sind schließlich der Titelverteidiger und wollen uns im Turnier gut präsentieren."

© SID

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