Fußball-Fanstudie
Bei den Fans geht der Trend zum Zweitklub

Es gibt sie noch, aber sie werden immer seltener: Klassische Fans, die für ihren Heimatclub einfach alles tun würden. Doch Glanz und Glamour der internationalen Top-Vereine rauben den deutschen Clubs ihre Anhänger – und damit auch die Sponsoren.

KÖLN. Unter den 20 beliebtesten Fußballvereinen in Europa hält nur ein einziger Bundesligist die Fahne hoch: Bayern München. 19,8 Millionen Fans drücken dem deutschen Rekordmeister in 16 europäischen Ländern die Daumen. Das reicht im aktuellen Top-20-Ranking der Kölner Sponsoringberatung Sport + Markt für einen neunten Platz – nach Rang sechs im Vorjahr. „München ist die deutsche Lokomotive, was die Wahrnehmung der Bundesliga im Ausland angeht“, sagt Hartmut Zastrow, Vorstand von Sport + Markt. Weitere deutsche Klubs scharen weit weniger Fans um sich. So rutschte Werder Bremen (4,9 Mio.) als 22. aus dem Ranking, und Traditionsklubs wie der HSV (3,3), Dortmund (3,1) und Schalke (2,6) haben gegenüber europäischen Spitzenklubs sogar nur eine etwa zehnfach kleinere Fanbasis.

Für die Rangliste der internationalen Fangunst haben die Berater 9600 erklärte Fußballfans nach ihren Lieblingsvereinen im In- und Ausland befragt. Bei Auslandsklubs waren Doppelnennungen erlaubt. „Es gibt im Inland natürlich noch den typischen Fan, der sich für seinen Klub vor den Zug schmeißen würde“, sagt Zastrow. „Doch der Trend geht klar zum Zweitklub im Ausland.“ Seine Beobachtung: „Die internationalen Heroen wie Messi und Beckham haben Strahlkraft. Hierzulande können 15-Jährige locker die Aufstellung von Barça oder ManU runterrattern.“

Dass darin eine potenzielle Gefahr für weniger glamouröse Bundesligavereine steckt, bemerkt Stephanus Tekle, Senior Consultant bei Sport + Markt: „Wenn ein Hannover-96-Anhänger zugleich Barcelona favorisiert, ist es nicht unwahrscheinlich, dass er im Laden zum spanischen Trikot greift.“ Immerhin ein Zehntel der Klubeinnahmen hängen am Merchandising, so der Experte. „Der Fan ist die größte Einnahmequelle und Stimmungsquelle – er entscheidet am Ende über Gewinne und Verluste“, sagt Zastrow.

Mit Blick auf Gesamteuropa haben die Experten einen „Wachwechsel“ registriert. Zwar führen nach wie vor die beiden spanischen Spitzenvereine FC Barcelona und Real Madrid. Doch die Verfolger schließen auf: Mit ihren Erfolgen in der Champions League haben insbesondere die englischen Fußballklubs in den Augen der Fans an Ansehen gewonnen. Der FC Chelsea beispielsweise verbesserte sich um sechs Millionen Fans binnen einer Saison. Getoppt wird dies nur von Zenit St. Petersburg, das 8,6 Millionen Fans gewann.

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