Fußball International
Fifa-Ehrenpräsident Havelange wird 90 Jahre alt

Der Ehrenpräsident des Weltfußballverbandes Fifa, Joao Havelange, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Der Brasilianer ebnete während seiner Amtszeit den Weg zur erfolgreichen Vermarktung der Marke Fußball.

Joao Havelange hat seinen Besuch bei der Weltmeisterschaft in Deutschland fest eingeplant. Und nichts kann ihn davon abbringen - auch eine Operation nicht. Noch am 10. April musste sich der Brasilianer im Samariter-Krankenhaus von Rio de Janeiro einem Eingriff am Herzen unterziehen. Heute vollendet der Ehrenpräsident des Weltfußballverbandes Fifa sein 90. Lebensjahr - in Paris und mit neuem Herzschrittmacher.

Quereinsteiger begründet Erfolgsgeschichte der Fifa

Den Geburtstag will Brasiliens größter Sportführer aber an der Seine ohne großen Trubel mit seiner Frau Anna Maria, Tochter Lucia sowie den drei Enkeln und zwei Urenkeln feiern. Die Ehrungen für einen, der als Quereinsteiger (Olympiateilnehmer im Schwimmen 1936 und im Wasserball 1952) die Fifa zu einem der größten Einzelsportverbände der Welt mit 207 Mitgliedern modernisiert hat - in der globalen Organisation Uno sind 191 Staaten vereint - müssen warten.

Seine erste Fußball-WM erlebte Jean-Marie Faustin Godefroid de Havelange, wie der Sohn eines belgischen Einwanderers getauft wurde, noch als Fan. Nach der 1:2-Schmach im entscheidenden Finalrundenspiel 1950 gegen Uruguay versprach er aber: "Wenn ich Verbandspräsident werde, hole ich den WM-Pokal in mein Land."

Gesagt, getan. Mit 42 Jahren rückte der erfolgreiche Unternehmer 1958 an die Spitze der "Confederacao Brasileira de Desportos", dem Vorläufer des heutigen Fußballverbandes. Noch im gleichen Jahr eroberten Pele und Co. die WM-Krone in Schweden. Es folgten die Titel 1962 in Chile und 1970 in Mexiko. Mit dem Erfolg der "Selecao" wuchs auch Havelanges Popularität im Ausland.

Fifa: Wandel von Verwaltungsbüro in Wirtschafts-Unternehmen

Nach 86 Reisen innerhalb von nur zwei Jahren hatte er vor allem bei den Nicht-Europäern Stimmen gesammelt, um sich am 11. Juni 1974 im Vorfeld der WM in Deutschland in Frankfurt zum Fifa-Präsidenten krönen zu lassen. Bis zur Zepterübergabe an seinen Ziehsohn Joseph S. Blatter am 8. Juni 1998 krempelte der promovierte Anwalt das verstaubte Verwaltungsbüro auf dem Zürcher Sonnenberg in ein florierendes Wirtschafts-Unternehmen um.

"Als ich das Amt übernahm, fand ich ein altes Haus vor und 20 Dollar in einer Schublade. Als ich 24 Jahre später meinen Platz räumte, besaß die Fifa Verträge und Besitztümer im Wert von vier Mrd. Dollar", beschrieb der Macher mit autokratischem Führungsstil selbst seinen Verdienst. Unter seiner Hand begann die globale Vermarktung der Ware Fußball.

Havelange: "Der Ball darf nicht stoppen"

Während seiner sechs Amtszeiten traten 50 neue Verbände der Fifa bei, das Feld bei WM-Turnieren wurde von 16 bis auf 32 Starter aufgestockt, Junioren, Frauen und Hallenfußballer bekamen ihre eigenen Weltmeisterschaften. Für seine größte Tat hält das Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (gewählt 1963 in Baden-Baden) aber die Rückkehr Chinas 1980 in die Fußballfamilie nach 25-jähriger Abstinenz. Getreu seinem Motto: "Der Ball darf nicht stoppen."

Einen Traum konnte er sich aber nicht verwirklichen: ein Länderspiel zwischen Israel und Palästina am Sitz der Uno in New York. "Die größte Enttäuschung für mich war es, keine sportlich-friedliche Lösung für diesen Konflikt zu finden", gibt Havelange zu, der heute noch regelmäßig in seinem Büro in der Avenida Rio Branco im Zentrum von Rio de Janeiro arbeitet und sich mit Schwimmen fit hält.

Brasilien hofft auf WM-Revanche im eigenen Land

Im Juni will er zum 14. Mal bei einem WM-Turnier vor Ort sein. Doch insgeheim schielt er schon auf 2014, wenn Brasilien nach dem von ihm in Gang gebrachten Rotationsprinzip den Zuschlag erhalten könnte. Mit dann 98 Jahren würde er sich über eine WM-Revanche für die 1950 erlittene Heimpleite sicher freuen. Am besten im "Estadio Olimpico Joao Havelange", das in Rio derzeit für die Panamerikanischen Spiele 2007 errichtet wird.

© SID

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