Fußball International
Lippi hat vor Jahrhundertduell Weltrekord im Blick

Italiens Coach Marcello Lippi hat beim Jahrhundertduell heute in London gegen Brasilien den Weltrekord im Blick. Bereits mit einem Remis würde der 60-Jährige Geschichte schreiben.

Mit einem Erfolg im Jahrhundertduell gegen Brasilien will Italiens Trainer Marcello Lippi als alleiniger Weltrekordhalter Fußball-Geschichte schreiben. "Natürlich macht mich der Weltrekord stolz. Und er verfolgt mich auch vor dem Spiel gegen Brasilien. Aber am glücklichsten bei dieser langen Strecke macht mich der Gewinn der Weltmeisterschaft. Ohne diesen wichtigen Sieg wäre diese Serie bedeutungslos", sagte der Weltmeister-Coach vor dem Länderspiel gegen die "Selecao" heute im Emirates-Stadion in London.

Beim 1:1 im Test gegen Griechenland in Athen im vergangenen November war Lippi zum 31. Mal nacheinander mit der Squadra Azzurra ungeschlagen geblieben. Damit hatte der 60-Jährige die Bestmarke von Alfio Basile mit Argentinien (Februar 1991 bis August 1993) und Javier Clemente mit Spanien (September 1994 bis Januar 1998) bereits eingestellt. Mit einem weiteren Punktgewinn gegen Brasilien würde Lippi zum alleinigen Rekordhalter aufsteigen.

Lippi setzt auf Toni

Dabei setzt Lippi gegen den fünfmaligen Weltmeister im Angriff auf Stürmer Luca Toni vom deutschen Rekordmeister Bayern München. Bereits im Spiel gegen die Griechen hatte Toni mit seinem Treffer zum Ausgleich Lippi vor seiner ersten Niederlage als Italien-Coach seit dem 9. Oktober 2004 (0:1 in Slowenien) bewahrt. Toni, der sich am Sonntag beim 3:1-Erfolg der Bayern gegen Borussia Dortmund wegen seiner Auswechslung in der 72. Minute wenig erfreut gezeigt hatte, wird wie bei der WM 2006 in Deutschland gegen die Brasilianer gemeinsam mit Alberto Gilardino vom AC Florenz den Angriff bilden.

Einen wichtigen Sieg feierte Lippi allerdings schon vor der Partie. Brasiliens Trainer Carlos Dunga wollte nach den Absagen von Superstar Kaka (Fußgelenks-Verletzung) und von Stürmer Luis Fabiano (Knieprobleme) ursprünglich Angreifer Amauri von Juventus Turin nachnominieren, doch die alte Dame legte wegen Überschreiten der Freistellungsfrist ihr Veto ein.

Amauri, dessen Antrag auf einen italienischen Pass von der Regierung in Kürze bewilligt werden soll, hatte zuvor Interesse gezeigt, für die Squadra Azzurra zu spielen. Auch Amauris Mutter bestätigte, dass ihr Sohn in Zukunft für Italien auflaufen wolle, da die Brasilianer zu lange kein Interesse gezeigt hätten. Dunga wollte mit der Nachnominierung des 28-Jährigen ein Signal zugunsten der "Selecao" setzen, scheiterte aber an der Unterstützung von Juventus für die italienische Nationalmannschaft.

"Problemfall" Robinho

Ohnehin plagen die Brasilianer, die in der Südamerika-Quali für die WM 2010 in Südafrika im Moment aussichtsreich auf dem zweiten Platz liegen, einige Personalien abseits des Rasens. So musste Angreifer Robinho von Manchester City bei Dunga zum Rapport. Robinho wird weiterhin verdächtigt, in einer Disco in Leeds eine 18-Jährige vergewaltigt zu haben, bestreitet die Vorwürfe aber vehement.

"Ich habe keine Gründe, an den Worten Robinhos zu zweifeln. Er ist ein Spieler, der immer da war, als ich ihn brauchte, und der in der 'Selecao' ein vorbildliches Verhalten zeigt", meinte Dunga bei der Ankunft der Südamerikaner am Sonntag in London.

Doch nicht nur die Personalie Robinho bereitet Dunga aktuell Kopfzerbrechen. Auch in Sachen Ronaldinho muss der frühere Profi vom VfB Stuttgart Aufbauarbeit betreiben. Der Mittelfeldspieler ist nach der Verpflichtung von David Beckham beim AC Mailand derzeit nur zweite Wahl, wurde von Dunga aber dennoch erstmals seit fünf Monaten wieder nominiert.

Probleme bereiteten im Vorfeld zudem die diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Staaten wegen der nicht erfolgten Auslieferung eines ehemaligen RAF-Terroristen durch Brasilien an Italien. Ein italienischer Politiker hatte deshalb sogar die Absage des Länderspiels gefordert.

© SID

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