Fußball National
Wettskandal: Deutschland wohl stärker betroffen

Laut eines ARD-Berichts soll Deutschland stärker vom Wettskandal betroffen sein, als zunächst angenommen. Der Drittligist SV Sandhausen suspendierte indes Spieler Marcel Schuon.

Der größte Wettskandal in der europäischen Fußball-Geschichte soll Deutschland offenbar stärker betreffen als bislang angenommen. Nach einem Bericht des ARD-Magazins Fakt sollen seit dem Hoyzer-Skandal im Jahr 2005 von der 2. Bundesliga abwärts mehr als 60 Fußballspiele manipuliert worden sein.

"Das waren fünf Zweitligaspiele und dann ging es abwärts bis zur Oberliga. Zu circa 80 Prozent waren die Manipulationen erfolgreich, es ist so eingetroffen wie wir es auch haben wollten", sagte ein Insider aus dem illegalen Wettgeschäft. Der Hamburger serbischer Herkunft war nach eigener Aussage jahrelang ein Gehilfe des vor einer Woche verhafteten Drahtziehers Ante S.. Auch er selbst habe Spieler zu Manipulationen überredet.

Schuon bei Sandhausen entlassen

Besonders geschadet haben die Machenschaften der Wettmafia angeblich einem namentlich nicht genannten Absteiger aus der 2. Bundesliga im Jahre 2007. "Ein Verein ist dadurch abgestiegen, weil zwei Spiele hintereinander manipuliert worden sind, das sind minus sechs Punkte und das war kurz vor Schluss, also kurz vor Ende der Saison und dadurch ist der Verein abgestiegen", sagte der Serbe gegenüber Fakt.

Derweil hat sein Geständnis im Wettskandal den Drittliga-Fußballer Marcel Schuon vom SV Sandhausen den Job gekostet. "Nachdem er ausgesagt hat, dass er an dem Skandal beteiligt ist, haben wir Marcel Schuon gekündigt", sagte Manager Tobias Gebert dem SID und bestätigte damit eine Information von Spiegel online.

Der Abwehrspieler hatte in seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft Bochum eingeräumt, gegen den Erlass früherer Wettschulden in seiner Zeit beim VfL Osnabrück eine Manipulationsabsprache getroffen zu haben. Jedoch sei es nicht zu einer Manipulation gekommen. Zudem soll die Europäische Fußball-Union (Uefa) einen ukrainischen Schiedsrichter suspendiert haben.

"Die sind kriminell"

Unterdessen wollen die Spieler des vom Wettskandal direkt betroffenen Regionalligisten SSV Ulm wegen entgangener Prämien offenbar eine Zivilklage gegen die gekündigten Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic anstrengen. "Die sind kriminell. Wenn ich ihnen jetzt begegnen würde, wüsste ich nicht, was ich machen würde", sagte Ulm-Keeper Holger Betz, der am Wochenende persönlich die Spinde der drei Ex-Mitspieler ausgeräumt und die Sachen an den Zeugwart übergeben hatte.

Die drei offenbar in den Wettskandal verwickelten Ex-Ulmer Kraljevic, Marinovic und Radojevic sollen einen direkten Draht zu dem inhaftierten Berliner Ante S., einem der Hauptdrahtzieher des Skandals, gehabt haben. Auf fünf bislang bekannten Konten von S. sollen Ermittler laut Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel 3,5 Mill. Euro gefunden haben.

"S. hat bei Live-Wetten auf Auswärtsspiele des SSV Ulm 1 846 sehr hohe Summen gesetzt - und getroffen", sagte Ulms Präsident Rene Mick der Südwest Presse. Betroffen sollen auch drei Spiele der aktuellen Saison sein. Demnach soll es beim 1:3 am 14. August beim SSV Reutlingen, beim 1:3 am 2. Oktober beim SV Darmstadt 98 und beim 1:3 am 18. Oktober beim SC Freiburg II zu wettbewerbswidrigem Verhalten gekommen sein.

"Es ist wie ein Stich ins Herz"

Verdächtig sind zudem die letzten vier Spiele der vergangenen Saison, insbesondere das 0:3 vom 13. Mai bei Hessen Kassel. "Ich möchte nicht wissen, was sonst noch alles passiert ist und wann das Ganze angefangen hat. Es ist wie ein Stich ins Herz. Aber wir haben das Problem an der Wurzel gepackt und alles mögliche getan, um die Sache aufzuklären", sagte Ulms Vorstand Mick.

Gravierende Konsequenzen müssen die Ulmer offenbar aber nicht befürchten. Eine Aberkennung von Punkten oder eine Versetzung in eine tiefere Spielklasse käme laut DFB-Statuten wohl nur infrage, wenn der Verein aktiv durch das Präsidium oder andere führende Vereinsmitglieder in die Manipulationen verstrickt wäre. Dies ist aber nicht der Fall, ermittelt wird nur gegen die gefeuerten Spieler. Sollten die Spieler der Manipulation überführt werden, drohen für aktive oder passive Bestechung Sperren von drei Monaten bis zu zwei Jahren.

© SID

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