Fußball Nationalmannschaft
Kein Freifahrtschein für Ballack und Frings

Bundestrainer Joachim Löw hat vor dem heutigen Testspiel gegen Belgien den Konkurrenzkampf angeheizt. Auf allen Positionen sitzen junge Spieler den etablierten Kräften im Nacken.

Vor dem ersten Länderspiel der Saison hat Bundestrainer Joachim Löw den Druck auf seine Spieler erhöht und will selbst Kapitän Michael Ballack und Torsten Frings mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika keinen Freifahrtschein mehr ausstellen. "Nach der EM ist klar, dass eine neue Periode beginnt. Jeder weiß von Ballack und Frings, was sie können. Aber jeder kann sich einen Vorteil erarbeiten. Bis 2010 ist ein langer Weg. Da zählt das Leistungsprinzip - das betrifft einfach alle", stellte Löw vor dem Auftakt heute (21.00 Uhr/live im ZDF) in Nürnberg gegen Belgien klar.

51 Tage nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien (0:1) werden die Karten in der deutschen Nationalmannschaft neu gemischt. Es sei seine Pflicht, "neue Reize" zu setzen und "neue Spieler heranzuführen und zu integrieren. Es drängen viele junge Spieler nach", betonte der Bundestrainer und schürte damit vor der anstehenden WM-Qualifikation bewusst den Konkurrenzkampf.

Rolfes und Hitzlsperger sitzen Ballack und Frings im Nacken

Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger, die gegen Belgien für die verletzten Ballack und Frings in zentraler Position im Mittelfeld spielen werden, haben die Botschaft von Löw bereits verstanden. "Ich weiß, dass Michael Ballack und Torsten Frings hervorragende Spieler sind, die es gilt zu verdrängen. Ich kämpfe um meinen Platz und hoffe, dass der Zeitpunkt kommt, dass ich sie ablösen kann", sagte der Stuttgarter Kapitän Hitzlsperger. Auch Rolfes sprach von "einem neuen Abschnitt mit neuen Zielen" in der DFB-Auswahl.

Für ihn, aber auch für Löw ist die Euro abgehakt. "Unser Fokus gilt der WM-Qualifikation", verdeutlichte der DFB-Coach, dessen Team am 6. September in Liechtenstein den Kampf um das WM-Ticket aufnimmt: "Wir wollen in der Qualifikation möglichst schon am Anfang viele Punkte holen. Russland ist ein starker Gegner in der Gruppe. Wir wollen den Stress der Relegation möglichst vermeiden."

Serdar Tasci wird gegen Belgien debütieren

Um die Qualifikation mit dem nötigen Selbstvertrauen anzugehen, misst Löw auch dem Test gegen Belgien eine gewisse Bedeutung zu. "Wir wollen aufs Tempo drücken, solange es von der Kraft her geht. Wir wollen dominant auftreten, mit Schwung in die neue Saison starten und das Spiel gewinnen", umriss er seine Erwartungen an die Mannschaft. Löw ist sich aber auch bewusst, "dass es in dieser frühen Phase der Saison schwierig ist, viele Aufschlüsse zu gewinnen. Es wird aber dennoch zu sehen sein, wo der ein oder andere steht."

Sicher ist bereits, dass gegen Belgien der Stuttgarter Serdar Tasci sein Debüt feiern und damit künftig den etablierten Christoph Metzelder und Per Mertesacker (derzeit verletzt) im Nacken sitzen wird. "Er wird auf jeden Fall spielen. Ob von Anfang an oder in der zweiten Halbzeit weiß ich noch nicht", sagte Löw am Dienstag und lobte den auch von der Türkei umworbenen 21 Jahre alten Innenverteidiger: "Seine Nominierung war folgerichtig und erfolgte nicht, weil auch die Türkei Interesse hat. Er ist ein hervorragender Innenverteidiger mit einer sehr guten Spielauflösung. "

Enke steht im Tor - Klose muss um seinen Platz bangen

Bereits festgelegt hat sich der DFB-Coach, dass Heiko Westermann in der Innenverteidigung spielen und nach dem Rücktritt von Jens Lehmann Robert Enke gegen Belgien die Nummer eins sein wird. Aber auch auf der Torhüter-Position setzt Löw erst einmal auf einen offenen Konkurrenzkampf, in den neben Enke auch Rene Adler, Tim Wiese, Manuel Neuer, Timo Hildebrand und mittelfristig auch Michael Rensing eingreifen können.

Auch im Sturm hat der Bundestrainer die Qual der Wahl. Selbst WM-Torschützenkönig Miroslav Klose, mit 41 Treffern nach wie vor erfolgreichster Torjäger im aktuellen Kader, hat längst seinen Platz nicht mehr sicher. Vor dem Belgien-Spiel besitzt der Schalker Kevin Kuranyi, der bei der EM nur zweite Wahl war, die besten Karten. Aber auch Mario Gomez, Patrick Helmes und Lukas Podolski drängen in die Startelf, wobei Podolski für Löw weiterhin auch eine Option fürs linke offensive Mittelfeld darstellt.

Gegen Belgien und auch in der WM-Qualifikation will Löw wieder auf die klassische 4-4-2-Taktik zurückgreifen, nachdem er bei der Europameisterschaft nach dem 1:2 gegen Kroatien auf ein 4-2-3-1 umgestellt hatte: "Dies wird auch künftig eine gewisse Rolle spielen, um neue Akzente zu setzen und den Gegner zu überraschen. Grundlegend wird unser Schwerpunkt aber wieder auf dem 4-4-2 liegen - auch gegen Belgien."

© SID

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