Fußball Nationalmannschaft
Trotz Remis auf Zypern eitel Sonnenschein beim DFB

Der kleine Rückschlag in der EM-Qualifikation mit dem 1:1 auf Zypern tut der guten Stimmung rund um die deutsche Nationalmannschaft keinen Abbruch. Das erfolgreiche WM-Jahr mit 14 Siegen hat Eindruck hinterlassen.

Der Auftakt des WM-Jahres ging gründlich in die Hose, der Abschluss wirkte ernüchternd. Trotzdem blickten Verantwortliche und Spieler der Nationalmannschaft voller Stolz auf eines der erfolgreichsten Jahre der deutschen Länderspiel-Geschichte zurück. Daran änderte auch das wenig berauschende 1:1 (1:1) in der EM-Qualifikation gegen den 80. der Fifa-Weltrangliste zum Ausklang des Jahres 2006 nichts.

DFB-Präsident Theo Zwanziger zollte Mannschaft und Trainer bei einem gemeinsamen Essen nach dem Spiel in Nikosia noch einmal ausdrücklich ein "großes Lob" für ein "erfolgreiches und begeisterndes WM-Jahr". Sie hätten "großen Verdienst am positiven Image Deutschlands in der Welt".

Teammanager Oliver Bierhoff würdigte ein "insgesamt ganz hervorragendes Jahr, auch wenn wir zum Jahresende sicherlich das schlechteste Spiel nach der WM gemacht haben. Es ist positiv, wie nahtlos der Übergang von Jürgen Klinsmann zu Joachim Löw gelaufen ist." Und auch Bundestrainer Joachim Löw sprach trotz des Dämpfers von einem "sehr, sehr positiven Jahr. Wir haben spielerisch ein gutes Niveau und sind sehr konstant, konstanter als jede andere Mannschaft."

"Konstanter als jede andere Mannschaft"

Gegen Zypern schaffte es die DFB-Auswahl allerdings nicht, das Niveau der vergangenen Wochen und Monate zu halten und verpasste dadurch den 15. Sieg im 18. Länderspiel. Die Gründe für den durchwachsenen Auftritt, der mit dem Führungstor durch Kapitän Michael Ballack bereits nach 15 Minuten eigentlich vielversprechend begonnen hatte, waren schnell gefunden. Fehlende "geistige und körperliche Frische" führten Löw, Bierhoff und Ballack nach einem kräftezehrenden WM-Jahr unisono an.

In der Tat war ein körperlicher Verschleiß gegen einen "nickligen und sehr aufsässigen Gegner" (Löw) bei vielen Spielern nicht zu übersehen. Insbesondere nach dem 1:1 durch Ioannis Okkas (43.), bei dem Timo Hildebrand wie in einigen anderen Szenen auch nicht allzu gut aussah, konnten Ballack und Co. nicht mehr nachlegen. Dafür habe er aber durchaus Verständnis, so Löw, "wenn auch einem Frings, Lahm oder Klose die Dynamik fehlt. Viele Spieler sind angeschlagen, sind am Limit". Dennoch habe er das Gefühl, "dass wir alles gegeben haben".

Deshalb wollte auch Bierhoff "nicht von einer Ernüchterung" sprechen. Ballack verdeutlichte ebenfalls, dass das 1:1 "kein Rückschlag" sei, "aber vielleicht ein Dämpfer zur richtigen Zeit. Vielleicht sind wir doch noch nicht so gefestigt, wie wir das gedacht haben".

Ausfälle nicht zu kompensieren

Vor allem aber wurde deutlich, dass der WM-Dritte Ausfälle wichtiger Leistungsträger wie Jens Lehmann, Bernd Schneider oder Lukas Podolski doch nicht so leicht verkraften kann, wie Löw vorher gedacht hatte. "Aber wir sollten nicht nach Ausreden suchen. Wir müssen immer damit leben und haben die Substanz, solche Spieler zu ersetzen", erklärte der Bundestrainer und fügte an: "Wir waren einfach nicht in der Form der letzten Wochen. Es war eben nicht unser Tag."

Dafür war es ein erfolgreiches Jahr für die Nationalelf. Sie wurde WM-Dritter, war Weltmeister der Herzen und schrieb ein Sommermärchen. Vor allem aber entfachte die DFB-Auswahl mit ihrem Auftreten bei der WM eine unvergleichliche Fußball-Euphorie in Deutschland. Auch die Zahlen sprechen für sich. Noch nie erreichte ein deutsches Team in einem Jahr 14 Siege. Der beste Wert lag bisher bei 13 Erfolgen in 17 Spielen aus dem Jahr 1935. Löw schaffte mit fünf Siegen und einem Remis den besten Start eines Bundestrainers/Teamchefs in der DFB-Historie. Und was das Wichtigste ist: Die DFB-Auswahl führt nach vier Spielen in der EM-Qualifikation die Tabelle der Gruppe D mit zehn Punkten und 19:2 Toren vor Tschechien (10/13:2) an und befindet sich auf dem besten Weg zur Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz.

Klose fehlt gegen Tschechien

Mit dem Test-Länderspiel am 7. Februar 2007 in Düsseldorf gegen die Schweiz geht es für Deutschland im neuen Jahr weiter, ehe am 24. März in Tschechien wohl eines der wichtigsten Spiele in der EM-Qualifikation folgt. In dieser Partie muss Löw allerdings auf die Gelb-gesperrten Miroslav Klose und Clemens Fritz verzichten, wobei insbesondere der Ausfall von Torjäger Klose schmerzen dürfte.

"Es ist nicht einfach, ihn zu ersetzen. Er ist sehr wichtig für uns", verdeutlichte der DFB-Coach, der bis dahin wieder auf die Rückkehr von Podolski hofft. Zumal Oliver Neuville und Mike Hanke als "Poldi"-Ersatz in Zypern nicht überzeugen konnten. Sie befanden sich jedoch in prominenter Gesellschaft. Bis auf Kapitän Ballack und mit Abstrichen noch Torsten Frings und Arne Friedrich erreichte kein Spieler Normalform, wobei von den Feldspielern David Odonkor besonders abfiel.

So war Löw "mit dem Spiel und mit dem Ergebnis natürlich nicht ganz zufrieden. Wir müssen letztendlich mit dem einen Punkt leben." Zur Tagesordnung will der Bundestrainer aber vor den anstehenden Aufgaben nicht einfach übergehen: "Wir ziehen aus jedem Spiel Lehren. Man kann sich immer verbessern. Man kann sich fragen, warum wir so viele Ballverluste hatten oder warum wir in der Abwehr einige Male solche Probleme hatten. Ansätze lassen sich immer finden." Damit das neue Länderspiel-Jahr ähnlich erfolgreich verläuft wie 2006.

© SID

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