Fußball WM
Trinidads Exot Birchall trifft auf seine "Heimat"

Beim WM-Spiel von Trinidad und Tobago am Donnerstag gegen England schlagen zwei Herzen in der Brust von Chris Birchall. Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler ist der einzige gebürtige Engländer im Team der Karibik-Kicker.

Aus kaum einem anderen WM-Kader würde Chris Birchall besonders hervorstechen, doch im Team von Trinidad und Tobago ist der Blondschopf der große Exot: Einziger gebürtiger Engländer unter den 23 Auswahlspielern, der erste Weiße seit 60 Jahren, der für die Nationalmannschaft der Karibik-Inseln aufläuft, und vermutlich der einzige "Three Lions"-Fan, der jemals das "Tundt"-Trikot getragen hat. "Ich frage mich selbst manchmal, ob die Geschichte wirklich wahr sein kann", sagt der 22-Jährige augenzwinkernd.

Alles begann vergangenes Jahr mit einer zufälligen Begegnung. Der fußballerisch talentierte Birchall vom englischen Drittligisten FC Port Vale traf in einem Meisterschaftsspiel auf Dennis Lawrence vom AFC Wrexham. In einem kurzen Gespräch erzählte der Brite dem "Trini" von seiner familiären Verbindung zu dem kleinen Antillen-Staat. Kurz darauf debütierte Birchall im Team von Trainer Leo Beenhakker.

Englands Auswahl-Scouts lassen Birchall links liegen

"Anfangs haben mich meine Mannschaftskollegen bei Port Vale aufgezogen, aber jetzt sind sie doch ein bisschen neidisch und fragen mich dauernd nach Eintrittskarten für unsere Spiele", erklärt Birchall, der vom großen Auftritt bei einer WM vor ein paar Jahren nicht mal zu träumen gewagt hätte: "In der Jugend haben mich Scouts des englischen Fußball-Verbandes mal beobachtet - wurde mir gesagt. Aber näher bin ich den Auswahlteams nie gekommen."

Doch zum Glück für den sympathischen Blondschopf gab es da ja noch die karibischen Wurzeln. Weil seine Großeltern einst nach Trinidad und Tobago auswanderten, wurde Birchalls Mutter in der damaligen britischen Kolonie geboren. Als 18-Jährige kehrte sie nach England zurück, wo Chris später in Stoke-on-Trent in der Grafschaft Stafford das Licht der Welt erblickte.

"Me Mum" trotz englischer Herkunft fantastisch aufgenommen

In seiner neuen fußballerischen Heimat brachte ihm die Geschichte den Spitznamen "Me Mum" - meine Mutter - ein. Die befürchteten Animositäten einem Engländer gegenüber erlebte Birchall nie: "Meine Mitspieler und die Fans haben mich von Anfang an fantastisch aufgenommen und mir den Start leicht gemacht."

Und das, obwohl er aus seiner Bewunderung für die englische Nationalmannschaft kein Hehl macht. "Ich wünsche ihnen Erfolg und hoffe, dass sie weit kommen - solange sie uns nicht rauskicken", sagt Birchall. Dass er im zweiten Gruppenspiel am Donnerstag ausgerechnet auf Beckham, Lampard und Co. trifft, ist für ihn das Größte: "Bei der WM 2002 hab ich in meiner Stammkneipe mit ihnen mitgefiebert, und nun spiele ich selbst gegen sie. Das ist doch wie in einem Traum."

Trotz allem weiß Birchall, auf welcher Seite er steht - auch wenn er sich eines vorgenommen hat: "Wenn möglich, werde ich versuchen, gegen England zu treffen. Aber sollte mir ein Tor gelingen, werde ich auf keinen Fall jubeln."

© SID

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