Gegen Hoeneß als Chefaufseher
Der falsche Mann für den Aufsichtsrat

Uli Hoeneß ist Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG. Soll er doch, mag man da sagen, er hat ja gebüßt. Doch es ist ein schwarzer Tag für den deutschen Fußball – und die deutsche Wirtschaft. Ein Kommentar.
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DüsseldorfÜber die Frage, ob Uli Hoeneß ein geeigneter Aufsichtsrat für die FC Bayern München AG ist, lässt sich nicht streiten. Natürlich ist er es nicht. Wer darüber nachdenken muss, ob Hoeneß an die Spitze von Deutschlands größten Fußballunternehmen gehört, kann von sauberer Unternehmensführung nicht viel verstehen. Das ist verheerend, gehören die Männer, die Hoeneß am Montag trotzdem an die Spitze des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG gewählt haben, doch zu den mächtigsten Wirtschaftsbossen unseres Landes. Das Problem ist schlimmer als gedacht.

Uli Hoeneß ist ein verurteilter Straftäter. Dass er erwischt wurde, hat Hoeneß nicht seinem eigenen Gewissen zu verdanken, wie er gern behauptet. „Ich hatte eine Selbstanzeige aufgegeben, habe mich also selbst belastet“, sagte Hoeneß am 2. Mai 2013 der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, als sie ihn nach dem Ende seiner Steuerhinterziehung fragte. Was Hoeneß unterschlug: Er machte die Selbstanzeige erst, als ihn das Magazin „Stern“ anrief und nach Auskunft über seine Spekulationsgeschäften bat.

Was hat das mit dem FC Bayern München zu tun? Viel mehr, als einem recht sein kann. Glaubt man Hoeneß, dann kam das Startkapital für seine Geldspiele Anfang des Jahrtausends von Robert Louis-Dreyfus. Ganz privat und ohne jeden Hintergedanken soll der damalige Adidas-Chef dem damaligen Bayern-Manager erst fünf Millionen und dann nochmal 15 Millionen D-Mark spendiert haben. Dass Bayern damals heftig vom Adidas-Konkurrenten Nike umworben wurde, aber trotz hochattraktiver Angebote nie zum Zug kam? Reiner Zufall.

Reiner Zufall war natürlich auch, dass Louis-Dreyfus bei Bekanntwerden von Hoeneß‘ Steuerhinterziehung längst verstorben war und keine Behauptung von Hoeneß dementieren konnte, und sei sie auch noch so absurd. Und so konnte die Öffentlichkeit lange fragen, ob die vielen Millionen Euro auf einem geheimen Nummernkonto in der Schweiz nicht doch eine schwarze Kasse für den Verein sein mochten, für den Uli Hoeneß nach eigener Aussage einfach alles tat. Die Fragen wurden weggewischt.

Die Öffentlichkeit soll einem Mann glauben, dessen Lügen sie nachlesen kann. In seinem Zeit-Interview 2013 sagte Hoeneß nicht nur, er habe seine Steuerhinterziehung selbst aufgeklärt. Er sagte auch, er habe mit der „Selbstanzeige reinen Tisch gemacht.“

Doch wie war das genau mit der Selbstanzeige? War nicht anfangs von 3,5 Millionen Euro Steuerschuld die Rede? Und sprach Hoeneß' Anwalt vor Gericht 2014 nicht plötzlich von 18 Millionen Euro? Als die Staatsanwältin jedenfalls alles genau nachgerechnet hatte, war das Volumen der hinterzogenen Beträge plötzlich auf mehr als 27 Millionen Euro gewachsen. Hoeneß hatte keinen reinen Tisch gemacht. Er hatte betrogen, und dann den Betrug kleingeredet. Sehr klein.

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Kernproblem: „Mangelnde Zuverlässigkeit“

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  • Ja, Herr Kreuzer, er hatte sich selbst angezeigt als er feststellte, dass die Steuerfahndung Witterung aufgenommen hatte. Dann gab es aber - wenn ich mich richtig erinnere - einen Formfehler.

    Wenn jemand der die Steuerfahndung am Hals hat und nicht kooperiert, verliert fast alles. Also Selbstschutz.
    Selbstverständlich haben Sie Recht mit den Themen wie Steuerverschwendung, Erschleichen von Sitzungsgeldern, oder Abfindungszahlungen in Höhe von 12 Mio. für knapp ein Jahr Arbeit.

  • Jaja, der böse Uli! Wenn man diesen Artikel liest, könnte man fast glauben, er ist auch noch für den Tod von Louis-Dreyfus verantwortlich. Ein Zeuge weniger!
    Fakt ist: Herr Hoeness hat sich selbst angezeigt und laut Justiz voll kooperiert, seine Steuerschuld nebst Zinsen und Geldstrafe bezahlt sowie eine Haftstrafe verbüßt.
    Ob dies alles so gekommen wäre, wenn er sich nicht angezeigt und vollumfänglich kooperiert hätte, wage ich mal zu bezweifeln. Aber Hoeness-Bashing ist ja mittlerweile auch sogenannten seriösen Medien nicht mehr fremd.
    Ich vermisse in diesem Zusammenhang eine ähnlich intensive Kommentierung zu Themen, wie Steuerverschwendung, Erschleichen von Sitzungsgeldern, oder Abfindungszahlungen in Höhe von 12 Mio. für knapp ein Jahr Arbeit. Glückauf!!

  • Darf ein vorbestrafter Aufsichtsratsvorsitzender eigentlich auch bei der Bundesversammlung mitstimmen?
    Seine Leistungen aus der Vergangenheit, die Nähe zu Kanzlerin Merkel und Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber befähigen ihn doch gerade dazu.

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