Gewaltiger Ansturm
Public Viewing sprengt alle Erwartungen

Auf weitere schwarz-rot-goldene Fußballfeste bereiten sich die bundesdeutschen Großstädte vor. Der gewaltige Andrang auf die Public-Viewing-Bereiche entpuppt sich allerdings als organisatorisches Problem.

Mit einem derart großen Zuschauerandrang hatten die deutschen Städte und Gemeinden hinsichtlich des so genannten Public Viewing nicht gerechnet. Der gewaltige Ansturm auf die bundesweit verbreiteten Großbildleinwände birgt allerdings bislang ungeahnte Risiken. Besonders betroffen davon sind die Metropolen des Landes wie Berlin, München, Hamburg, Köln oder Frankfurt, die Menschen aus dem gesamten Umland anziehen und damit die Kapazität der Public-Viewing-Bereiche sprengen.

In Berlin sahen rund 500 000 Menschen das zweite Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Polen auf der Straße des 17. Juni. Bereits anderthalb Stunden vor dem Spiel wurden die Zugänge am Brandenburger Tor aus Sicherheitsgründen geschlossen. Nur über den 2,5 Kilometer entfernten Großen Stern mit der Siegessäule wurde den Fußballguckern noch Eintritt gewährt.

"Wir sind am Limit angekommen. Wir müssen den Bereich irgendwann schließen, weil Sicherheit allerhöchste Priorität genießt", sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer. Sollte die Euphorie um die deutsche Mannschaft anhalten und das Team ins Halbfinale oder gar ins Finale einziehen, ist kaum abzuschätzen, wie viele Menschen auf die Fanmeile kommen wollen.

Bleibt das Wetter sommerlich, scheint jedoch gewiss, dass Hunderttausende draußen bleiben müssen. Die vermutlich enttäuschten Massen im Stadtkern würden sich dann möglicherweise zu einem echten Sicherheitsrisiko entwickeln, sollten sie keine Chance erhalten, das Spiel zu verfolgen. "Wir stellen uns dem Problem und arbeiten an Lösungen", sagte Donnermeyer.

Woanders ist man einen Schritt weiter, weil die Dimensionen des Public Viewing längst nicht so gigantisch sind wie in Berlin. In München war der Olympiapark nur beim Eröffnungsspiel mit 35 000 Menschen ausgelastet. Dennoch rechnet auch die bayerische Landeshauptstadt mit mehr Leuten, wenn Deutschland weiter gewinnt.

CSU-Stadtrat Richard Quaas hat deshalb angeregt, die Münchner WM-Arena mit ihren beiden Riesenleinwänden für 30 000 Menschen am Finaltag zu öffnen: "Es kann nur im Interesse der Stadiongesellschaft und der Fifa sein, wenn das Stadion zum Endspiel belegt ist und sie selbst Geld verdienen können."

Kölner Erfahrungsschatz groß

In Frankfurt/Main plant die Polizei, mit Hilfe der Radiosender wie beim Staufunk frühzeitig die Menschen vom Besuch des Public-Viewing-Areals direkt an den Ufern des Main abzuhalten, sollte der Bereich überfüllt sein. "Wir können ein bisschen Platz auf den Brücken schaffen oder die Leute zu den Großbildleinwänden ins nahegelegene Hanau oder Neu-Isenburg umleiten", sagt Polizeisprecher Georg Grebner.

In Köln greift bereits das Entzerrungskonzept. Wegen der erwarteten Fan-Invasion aus England zum WM-Spiel gegen Schweden am 20. Juni wird ein weiterer Public-Viewing-Bereich auf der rechten Rheinseite auf dem Deutzer Kirmesgelände eingerichtet, der 35 000 Menschen Platz bietet. Der Bereich kann bei Bedarf von vorerst 18.000qm auf eine Größe von 35.000qm noch fast verdoppelt werden. "Unser Erfahrungsschatz ist durch den Straßenkarneval, den G8-Gipfel oder den Papstbesuch recht groß", sagte Fanfest-Sprecherin Inge Schürmann.

In Hamburg hofft man, mit einer Vergrößerung der Kapazität auf dem Heiligengeistfeld dem Anstrum der Menschen gerecht zu werden, nachdem sich beim Polen-Spiel bereits 60 000 statt der vorgesehenen 50 000 auf dem Platz getummelt hatten. Ziel ist eine Kapazität von 70 000. Deshalb überlegt man, die Tribünen weiter nach hinten zu verlegen, um den Stehplatzbereich zu vergrößern.

© SID

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