Greenpeace-Protest in Basel
„Solche Aktionen erschüttern das Sicherheitsempfinden“

Greenpeace-Aktivisten düpieren bei Großveranstaltungen immer wieder Sicherheitskräfte. Die aufgezeigten Lücken könnten im schlimmsten Fall auch Terroristen nutzen. Sicherheitsexperte Hans-Jürgen Lange analysiert.
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Herr Professor Lange, in Basel haben sich Aktivisten von Greenpeace während des Champions-League-Spiels gegen Schalke vom Stadiondach abgeseilt und ein Transparent entrollt. Wie ist das aus Sicht einen Sicherheitsexperten zu bewerten?

Es liegt auf der Linie von Greenpeace, dass sie für heikle Themen durch spektakuläre Aktionen entsprechend Öffentlichkeit herstellen. Insofern ist die Maßnahme nicht verwunderlich.

Ist es nicht verwunderlich, da viel über die Sicherheitslage in Stadien diskutiert wird, dass so etwas passieren kann?

Gerade vor dem Hintergrund, dass solche Großveranstaltungen immer gefährdet sind, bis hin zu möglichen Anschlägen, erstaunt es schon, dass eine so gut ausgerüstete Mannschaft das alles unentdeckt aufs Stadiondach gebracht hat. Da fragt man sich, ob das nicht bei den Sicherheitsmaßnahmen hätte auffallen müssen. Entsprechend hat der FC Basel jetzt auch einige kritische Antworten zu geben, weil man sich fragt, wie ist denn das mit dem Sicherheitskonzept in diesem Stadion? Die UEFA hat ja auch ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Kann es wirklich so einfach sein, dass Materialen völlig unter dem Radar ins Stadion geschafft werden?

Für so eine Aktion kommt ja schon einiges an Material zusammen. Bei einer Veranstaltung werden oft Stichproben gemacht, aber Tatsache ist, es ist nicht aufgefallen. Wenn es jetzt nur um ein Transparent oder ein Plakat ginge, ließe es sich nicht verhindern. Da müsste jeder Zuschauer einer Leibesvisitation unterzogen werden. Aber hier muss man ja schon eine sehr große Tasche gehabt haben, wo alles drin war.

Wäre das auch in deutschen Stadien möglich?

Das kann ich ihnen nicht empirisch beantworten. Dafür gibt es auch zu viele Unklarheiten: Man weiß nicht, wie gut Greenpeace die Aktion getarnt hatte. Sind sie am Abend durch den Zuschauerbereich gegangen, hat man sich tagsüber Zugang verschafft? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Greenpeace eine solche Aktion vom Zufall abhängig macht, ob ein Rucksack es durch die Kontrolle schafft. Aber das ist Spekulation.

Stößt das die Sicherheitsdebatte um Stadien und die vieldiskutierten Körperscanner wieder an?

Das ist der eigentliche Punkt. Man muss letztlich immer eine Abwägung treffen, was wollen wir jetzt? Eine Gefährdung wird bei so einer Veranstaltung niemals zu 100 Prozent auszuschließen sein, was das Einschleusen vereinzelter Gegenstände und Waffen geht. Das könnte man dann, wenn man im großen Stile Sicherheitsscanner und Ähnliches einführt. Bereitet aber jemand die Aktion professionell vor und bringt die Sachen am Tag zuvor ins Stadion – abgeriegelt wie eine Festung ist eine Arena tagsüber auch nicht. Es gibt zahlreiche Zulieferer und Handwerker, die Zugang haben. Mit einer entsprechenden Tarnung kommt man sicherlich in den Innenraum. Dann hilft auch die Einlasskontrolle nichts. Man muss die Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit treffen: Wenn wir durch Kontrollen möglichst viel Sicherheit gewährleisten, was für eine Gesellschaft kommt dabei heraus?

Wären strenge Sicherheitskontrollen überhaupt praktikabel?

Nein, wenn Sie 40.000 Menschen wie am Flughafen durch eine Sicherheitskontrolle schleusen, können Sie sich denken, wie lange das dauert.

Kommentare zu " Greenpeace-Protest in Basel: „Solche Aktionen erschüttern das Sicherheitsempfinden“"

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  • Sehe ich auch so. Und es ist auch eine tolle sportliche und logistische Leistung, da sollte man Respekt zeigen und sich nicht in diesem öden beschränkten Nachhalten üben. Erinnert mich an die Anfangstage der Wende in Leipzig, da wurde auch viel gehupt, weil die Idioten die Straße verstopft haben.

  • ESnow, kann mich ihrer Meinung nur anschließen, wer das Recht in die eigenen Hände nimmt, ist nicht besser als der Verbrecher.

  • Eine Organisation, die meint das geltende Recht zu jeder sich bietenden Gelegenheit selbst definieren und in die Hand nehmen zu können entlarvt sich selbst als illegal oder auch kriminell (Hausfriedensbruch, gefährlicher Eingriff in den Strassenverkehr etc etc). Sie ist somit grds. abzulehnen und mit aller Konsequenz strafrechtlich zu verfolgen.

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