Heimspiel – der Handelsblatt Bundesliga-Kommentar
Owomoyelas tragende Rolle

Die deutsche Hip-hop-Band „Fettes Brot“ sang vor zwei Jahren noch den Verantwortlichen von Werder Bremen zu, sie sollten doch die Finger von Owomoyela lassen. Manager Klaus Allofs dachte trotzdem an seine rechte Abwehrseite und kaufte den Neunationalspieler von Arminia Bielefeld. Damals ahnte Allofs sicher nicht, dass Patrick Owomoyela nach dem Spiel gegen Schalke am Freitag seine Finger in den Hosentaschen vergraben und partout nicht mit anfassen würde. Lässig wollte sich der Reservespieler da aus dem Staub machen, stöpselte sich seinen MP3-Player in die Ohren und schlenderte zum Mannschaftsbus. Und vielleicht wäre es nicht zum Eklat gekommen, hätte ihn Allofs nicht rechtzeitig gestellt, vor dem Bus und zur Rede.

Es wäre doch das Mindeste, dass er dem Zeugwart zur Hand gehe und Koffer, Kisten und Trainingsbälle helfe zu tragen. Frei hörbar vergriff sich Owomoyela sodann im Ton: „Da sind noch 20 andere in der Kabine. Aber kein Pisser fasst mit an.“ Auch wenn Allofs später nur noch von „verpissen“ sprach: So etwas sagt man nicht, Herr Owomoyela. Auch nicht, wenn man seinen Stammplatz an Clemens Fritz verloren hat und auch die WM bereits nur vor dem Fernseher verfolgen durfte.

Abgesehen von persönlichem Frust ist es auch eine Frage der Höflichkeit, nicht nur auf dem Platz eine tragende Rolle spielen zu wollen. Werder habe keine extra Träger angestellt, sagte Allofs, also seien auch die Profis gefordert, insbesondere die ausgeruhten Spieler, die im Spiel nicht zum Einsatz gekommen sind. Es könne nicht sein, dass Spieler schlechte Laune verbreiten.

Owomoyela sollte sich ein Beispiel an seinem ehemaligen Kollegen in der Nationalelf nehmen. Das Lebenswerk des Oliver Kahn galt schon als zerstört, als er im April erfuhr, nicht mehr die Nummer eins im deutschen Tor zu sein. Bei der WM war er dennoch dabei und verbreitete allseits gute Laune.

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