Heimspiel – der Montagskommentar im Handelsblatt
Kommentar: Signal ohne Schubkraft

Ralf Rangnick ist der Mann des Wochenendes. Mit der Ankündigung, seinen Vertrag beim FC Schalke 04 Ende der Saison nicht zu verlängern, hat er nicht nur Verein und Fans überrascht. Rangnick hat damit ein Zeichen gegen die Willkür gesetzt, mit der die Vereinsverantwortlichen inzwischen mit den Jobs ihrer Trainer jonglieren. Der Schritt war überfällig – und doch wird er die falschen Gesetze der Branche nicht umstoßen.

Fünf Erstliga-Trainer haben in der Hinrunde bereits ihren Job verloren. Mindestens vier weitere plagt Woche für Woche die Ungewissheit, ob sie auch nach dem Spieltag noch auf der Bank sitzen. Uwe Rapolder in Köln und der Wolfsburger Holger Fach gelten nach den jüngsten Pleiteserien als hoch gefährdet, zumal die skandallüsternen Boulevard-Blätter und Fußball-Shows im Fernsehen keine Gelegenheit auslassen, um Trainerdiskussionen heraufzubeschwören – leider immer häufiger mit der Folge, dass sich die Vereine dem öffentlichen Entlassunghunger beugen.

Auch in Schalke wird es bald einen neuen Trainer geben. Doch hier geht Ralf Rangnick als Gewinner aus dem Gerangel mit Manager Rudi Assauer und Team-Manager Andreas Müller hervor. Die Fans haben das verstanden und ihn am Samstag minutenlang gefeiert. Für den Mut, mit dem sich Rangnick gegen die Branchengesetze stellt, gebührt ihm Respekt. Aber der Schalker Trainer hat aus einer Position der Stärke gehandelt. Er wird schon bald einen neuen attraktiven Arbeitsplatz finden. Anders sieht es bei seinen Kollegen aus, die den Makel mit sich herumtragen, dass ihre Teams im Abstiegskampf stecken. Sie werden auch künftig mit der Willkür von Vorgesetzten und Medien leben müssen.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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