HSV gegen Schalke – oder: Trainer unter Druck
Sieglos gegen Unbeliebt

Mirko Slomka und Thomas Doll könnten in diesen Tagen als Schicksalsgenossen Hand in Hand voranschreiten. Doch die Trainerkollegen von Schalke 04 und des Hamburger SV sind morgen unerbittliche Rivalen, wenn es in der Bundesliga-Partie zwischen ihren Vereinen um wichtige Punkte geht. Beide stehen mit dem Rücken zur Wand.

HAMBURG. Dass Schalke punktgleich mit Tabellenführer Hertha BSC ist und der HSV mit nur fünf Punkten weniger derzeit auf einem Abstiegsplatz rangiert, ist lediglich ein Abbild der ungewöhnlich ausgeglichenen Tabelle. „Ich bin vom ersten Saisonsieg überzeugt“, gibt sich der Hamburger Coach Doll denn auch kämpferisch.

Die Hanseaten haben als einziges Team noch keinen „Dreier“, keinen Sieg erzielt. Fans, Medien und natürlich die Mannschaft selber schmachten somit nach einem Sieg. Einzig das einst so zerrüttete Umfeld bewahrt derzeit die Contenance, auch wenn der HSV mit 13 Pflichtspielen ohne Sieg absolut in der Bringschuld ist. „Es ist eine angenehme Situation, weiter in Ruhe arbeiten zu können“, sagt Trainer Doll. „Das haben wir uns durch die Erfolge der vergangenen zwei Jahre hart erarbeitet und dürfen es nun nicht leichtfertig verspielen“, warnt Doll dennoch.

Während auch die Hamburger Fans voll hinter ihrem Team stehen, „die Leute sehen, dass gut gearbeitet wird“, sagt Doll, kochte bei Schalke zwischenzeitlich an allen Ecken und Ecken Unruhe auf. Und das, obwohl der Revierklub bei einem Punkt im letzten Ligaspiel gegen Bayer Leverkusen alleiniger Tabellenführer hätte werden können. Stattdessen hagelte es eine desaströse 1:3-Niederlage, nachdem Schalke bereits in der Vorwoche im Uefa-Pokal ausgeschieden war. Mirko Slomka stand plötzlich im Kreuzfeuer der Kritik.

„Hier geht es um externe Interessen, nicht um die Sache“, stärkte Sportdirektor Andreas Müller zwar jüngst ein wenig kryptisch seinem Trainer den Rücken. Doch auch Müller kann nicht verhindern, dass die mächtige Journaille im Revier gegen den Trainer, der nie wirkliche Rückendeckung der kompletten Vereinsführung besaß, mobil macht. Immer wieder schwebt der Name Christoph Daum wie ein Geist durch den einstigen Kohlenpott.

Druck aufgrund mangelnder Erfolge versus Probleme wegen fehlender innerbetrieblicher Rückendeckung. So lassen sich die Unterschiede in der Bewertung beider Personalien auf den Punkt bringen. Deutlich wird dabei, dass Doll, der zwei Jahre auf dem Hamburger Chefsessel sitzt, den absoluten Stallgeruch besitzt und somit auch als Wunschtrainer bezeichnet werden kann. Während „Dolli“ als Aushängeschild der Hanseaten gilt, wirkt Slomka, der in der Winterpause 2005/2006 Ralf Rangnick ablöste, wie ein Fremdkörper, dessen smartes Lächeln stets eine traurige Aura ummäntelt. „Ich muss seit meinem ersten Arbeitstag dagegen ankämpfen, dass niemand so richtig damit klarkommt, dass ich auf Schalke der Trainer bin“, monierte er jüngst im „Kicker.“

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