Immer Ärger mit Katar
„Für eine Fußball-WM ungeeignet“

Der Austragungsort der Weltmeisterschaft 2022 war von Anfang an umstritten. Die Katar-Krise lockt nun alte und neue Kritiker aus der Reserve. Dabei hat der Fußball-Weltverband Fifa eigentlich schon genug Probleme.
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DüsseldorfDas Interview, das der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Reinhard Grindel, der Verbandseigenen Webseite gab, hatte nur drei Fragen. Doch in jeder Antwort steckte fußball-politischer Zündstoff. Grindel, der seit Mai auch im Fifa-Rat sitzt, brachte einen Boykott der Weltmeisterschaft (WM) als letzten Ausweg ins Spiel.

„Es sind noch fünf Jahre bis zum Anpfiff der WM. In dieser Zeit müssen politische Lösungen vor Boykott-Androhungen den Vorrang haben. Aber eines steht unabhängig davon fest: Grundsätzlich sollte sich die Fußballgemeinschaft weltweit darauf verständigen, dass große Turniere nicht in Ländern gespielt werden können, die aktiv den Terror unterstützen“, sagte Grindel, der auch der FIFA-Kommission für Good Governance angehört.

Nach dem Vorwurf der Terrorunterstützung wird Katar auch von deutschen Spitzenpolitikern als WM-Gastgeber mehr denn je infrage gestellt. „Die Vorwürfe wiegen zu schwer. Die Diskussion über die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in Katar muss ernsthaft geführt werden“, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder der „Passauer Neuen Presse“. Es sei kaum vorstellbar, dass in einem Land, aus dem der Terrorismus massiv unterstützt wird, ein WM-Turnier ausgetragen werden kann, so der CDU-Politiker.

„Die aktuelle Entwicklung ist nur ein weiterer trauriger Beleg dafür, dass Katar als Austragungsort für eine Fußball-WM denkbar ungeeignet ist“, sagte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) der Zeitung „Die Welt“. In der „Saarbrücker Zeitung“ forderte Roth DFB-Präsident Reinhard Grindel auf, sich als Mitglied des FIFA-Councils für klare Kriterien bei WM-Vergaben einzusetzen.

Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, fordert, Katar die Ausrichtung der Fußball-WM 2022 zu entziehen, Nouripour sagte der „Heilbronner Stimme“: „Es fällt DFB-Chef Grindel etwas spät ein, dass Katar als Austragungsort einer WM mehr als zweifelhaft ist. Die WM hätte man niemals nach Katar vergeben dürfen. Sie wird auf dem Rücken vieler ausländischer Bauarbeitern ausgetragen, die unter unwürdigen Bedingungen die Stadien errichten und ausgebeutet werden. Deren Situation ist verheerend.“

Die Partei Die Linke warnt derweil vor den Konsequenzen, die eine Absage der Fußball-WM 2022 in Katar nach sich ziehen würde. Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der sportpolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, André Hahn: Angesichts des Baufortschritts bei Stadien, Straßen und Hotels „würde es bei einer Absage des WM-Turniers milliardenschwere Klagen gegen die Fifa und gegebenenfalls auch gegen jene Mitgliederverbände geben, die sich für den Entzug der WM besonders stark gemacht haben.“ Außerdem stelle sich die Frage, welches Land kurzfristig einspringen könnte.

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  • Der Fußball muss wieder Sauber und Transparent werden und Russland und Katar die WM entzogen werden. Da 2006 die letzte saubere WM war, sollte der Austragungsort nicht mehr rotieren sondern nur noch in Deutschland gespielt werden. Beckenbauer wird Organisationskomitee Leiter auf Lebenszeit. Niersbach FIFA Präsident, Blatter, Leiter der Ethikkommission, Dr. Armin Klümper Physio in Gesamtverantwortung und Jan Ulrich und Boris Becker Pressesprecher. Die WM wird reduziert auf 4 Mannschaften mit fixiertem Startrecht für Deutschland und Österreich. Offizielle Amtssprache wird Deutsch.

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