Interview mit Moritz Volz
„Viele Fußballer können nicht mit Geld umgehen“

Muss sich ein Profifußballer Gedanken um Geld machen? Das kommt immer auf den Einzelfall an, erklärt St.-Pauli-Spieler Moritz Volz. Der Profi, der auch schon für Arsenal London und Fulham auflief, empfindet Spitzensportler als privilegiert – aber viele wüssten schlicht nichts mit diesen Privilegien anzufangen.
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Zeit Online: Herr Volz, Hand aufs Herz. Wie viel Geld haben Sie gestern ausgegeben?

Moritz Volz: Na ja, ich lebe im Moment noch im Hotel und muss deshalb zugeben, dass ich sehr viel auswärts esse. Mittags nach dem Training oder manchmal auch abends, einfach weil ich keine Küche zur Verfügung habe. Und da ist man zu zweit schnell mal bei 50 Euro.

Außer dem Essen hatten Sie keine Ausgaben?

Nein, ich kann mich nicht erinnern. Ich muss natürlich auch ehrlich sagen, dass ich froh darüber bin, weder bei Lebensmitteln noch bei Kleidung jeden Cent umdrehen zu müssen. Mir ist klar, dass ich da in einer privilegierten Lage bin. Das ist natürlich bei Hartz-IV-Empfängern nicht der Fall. Da muss ganz sorgfältig gewirtschaftet werden.

Kennen Sie als Profi-Fußballer den aktuellen, nun erhöhten Hartz-IV-Satz?

Ich meine, dass es für Erwachsene 387 Euro im Monat sind?

Fast. Es sind doch nur 364 Euro. Das ist nicht viel. Wie viel Geld braucht man, um menschenwürdig zu leben?

Ich glaube, dass es gerade so ausreicht, sich zu ernähren. Man ist dann natürlich auf Discounter und Billigprodukte angewiesen, kann also keine Rücksicht auf Bio nehmen oder darauf achten, woher die Lebensmittel kommen. Man kommt über die Runden, aber nicht viel mehr. Ich finde es auch ein bisschen problematisch, wenn sich einer wie ich dazu äußert, der es nicht selbst durchlebt. Ich kann mir vorstellen, das einige sagen: Der ist Fußballer, der hat gut reden, dem steht es nicht zu, darüber zu urteilen. Ich weiß nicht, wie schwierig es tatsächlich ist, in dieser Notlage zu sein. Demnach ist meine Meinung überhaupt nicht das Nonplusultra.

Vesuchen wir es trotzdem. Alkohol und Zigaretten wurden jüngst aus dem Betrag herausgerechnet. Ist das in Ordnung?

Ja, ich halte das für richtig. Im gewissen Sinne sind das Luxusgüter. Die sollte der Staat nicht zahlen. Vor allem, weil es Produkte sind, die die Gesundheit gefährden können und dann auch wieder das Gesundheitssystem belasten.

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  • Sehr gutes interview. Vorallem sehr kompetenter Auftritt von Herr Volz. Gibt wohl doch noch intelligente Fußballer ;-)

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