Investoren
Araber übernehmen den englischen Fußball

Anfang des Jahres soll Al Fahim als Mitglied einer Investorengruppe bereits beim FC Chelsea London wegen eines möglichen Kaufs vorgefühlt haben, berichten Insider. Das Angebot von 812 Mio. Euro sei dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, dem derzeitigen Eigentümer, jedoch zu wenig gewesen.

Ebenfalls in der vergangenen Woche stieg das Nahost-Konsortium Munto Finance beim britischen Viertligisten Notts County ein, dem ältesten Fußballverein der Welt. Die neuen Besitzer, die die Investment-Gesellschaft Al Thani aus Dubai im Rücken haben, übernehmen die Schulden des Klubs in Höhe von 1,2 Mio. Euro. Als Vereinsdirektor verpflichteten sie Sven-Göran Eriksson, den ehemaligen Trainer der englischen Nationalmannschaft. Dessen Jahresbezüge werden auf rund 2,3 Mio. Euro geschätzt.

Gut möglich, dass sich die neuen Eigentümer bei Notts County an dem Geschäftsmodell des FC Fulham orientieren: billig einkaufen und Wert generieren. 1997 erwarb der ägyptische Einzelhandelskönig Mohammed Al Fayed den damaligen Zweitligisten für 42 Mio. Euro. Heute spielt der FC Fulham in der Premier League, wo er in der vergangenen Saison einen respektablen siebten Platz belegte. Bei einem Verkauf könnte der Verein rund 116 Mio. Euro abwerfen, schätzen Analysten. Al Fayed, dem auch das berühmte Londoner Kaufhaus Harrods gehört, war der erste arabische Investor im britischen Fußball.

Der bislang spektakulärste Deal wurde allerdings im Öl-Emirat Abu Dhabi eingefädelt. Im Sommer des vergangenen Jahres übernahm Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan den Erstligisten Manchester City für 230 Mio. Euro. Der 39-Jährige, ein Bruder des Herrschers von Abu Dhabi, ist Minister für präsidentielle Angelegenheiten. Nebenbei steuert der schwerreiche Fußball- und Pferdenarr eine Investmentfirma und sitzt noch dem Staatsfonds International Petroleum Investment Company vor. Der Fonds ist zu 70 Prozent an dem Essener Industrie-Dienstleister MAN Ferrostaal und über ein Tochter-Unternehmen zu 9,1 Prozent an Daimler beteiligt.

Das Teuerste ist für Scheich Mansour gerade gut genug. So warb er den brasilianischen Nationalspieler Robinho für 40 Mio. Euro von Chelsea ab. Mittlerweile schmücken das Team auch andere illustre Namen wie der Argentinier Carlos Tevez, Emmanuel Adebayor aus Togo oder der Paraguayer und Ex-Bayer Roque Santa Cruz. Der nächste auf der Wunschliste von Mansour ist Chelsea-Star Michael Ballack. Ein Wunsch, den sich der Scheich mit Sicherheit erfüllen könnte.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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