Investoren im Fußball
Jogis Glanz überstrahlt Misere der Bundesliga

Spanien hat die besten und England die reichsten Klubs. Wenn die Bundesliga vorne mitspielen will, muss sie sich für Investoren öffnen. Die Erfolge der DFB-Teams verdecken die Probleme im Vereinsfußball. Ein Kommentar.
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DüsseldorfSeit der katastrophalen Europameisterschaft 2004 in Portugal hat sich viel getan im deutschen Fußball. Die Nachwuchsarbeit ist auf vielen Ebenen wesentlich professioneller geworden und hat dazu geführt, dass aktuell so viele junge deutsche Talente wie wohl nie zuvor bereits sehr früh die internationale Reife erreicht haben.

Davon profitieren viele deutsche Profi-Vereine, aber vor allem die Auswahlteams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der vorläufige Höhepunkt der neuen deutschen Fußballwelle wurde am Wochenende erreicht: Die blutjungen Kicker der U21 wurden gegen eine spielstärkere Mannschaft aus Spanien Europameister, eine ebenfalls junge Nationalelf gewann ohne zahlreiche Stammkräfte ein Turnier in Russland, den Confed Cup.

Bundestrainer Jogi Löw kann für die kommende Weltmeisterschaft in Russland damit aus einem großartigen Pool von mehr als 50 Spielern schöpfen: jeweils rund 20 aus den beiden Siegerkadern sowie ein Dutzend Top-Kicker, die daheim geblieben sind. Solch eine Luxussituation hatte der deutsche Fußball auf nationaler Ebene seit Jahrzehnten nicht mehr.


Zur Euphorie besteht allerdings kein Grund. Denn auf Vereinsebene steht der deutsche Fußball längst nicht so glänzend dar. Sportlich dominieren seit vielen Jahren die spanischen Teams die europäischen Wettbewerbe. Wirtschaftlich enteilen die englischen Klubs dem Rest der Fußballwelt immer mehr. Nur Real Madrid, FC Barcelona, Bayern München und Juventus Turin können da noch mithalten.

Der Bundesliga bleibt – je nach Sichtweise – Platz zwei oder drei. Und daran dürfte sich in den nächsten Jahren kaum etwas ändern. Der Grund: Insgesamt kann die deutsche Liga weder mit England noch mit Spanien mithalten. Das liegt nicht nur an TV- und Sponsorendeals, sondern auch am leicht erschließbaren Fanpotential. Englisch und Spanisch sind Weltsprachen, Deutsch nicht.

Umso wichtiger ist es, den Vorsprung der Premier League insbesondere in Asien nicht zu groß werden zu lassen. Der deutsche Vereinsfußball muss darüber hinaus aber auch zusätzliche Geldquellen anzapfen. Dazu zählt auch ein ungeliebtes Thema: Wie groß darf künftig der Einfluss von Investoren auf den deutschen Klub-Fußball sein?

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