Jubel vor Africa-Cup-Aus
Südafrika blamiert sich so gut es kann

Der WM-Gastgeber von 2010 feierte schon ausgelassen die Afrika-Cup-Qualifikation - in Unkenntnis der Regeln. Nun will Südafrika gegen das Ausscheiden protestieren. Auch andere große Namen werden beim Turnier fehlen.
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Ist das nur der peinliche Versuch eines Verlierers, sein Gesicht zu wahren, oder macht Südafrika tatsächlich auf eine Ungerechtigkeit in den Regeln aufmerksam? Am Montag legte der südafrikanische Fußball-Verband offiziell Protest dagegen ein, dass er nicht für den Afrika-Cup im kommenden Januar qualifiziert ist. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass der kontinentale Verband Niger zum Gruppensieger erklärt hat, obwohl die Tordifferenz das übliche Verfahren bei der Platzierung punktgleicher Teams ist“, heißt es dort. „Die Tordifferenz ist weltweit das allgemein anerkannte Mittel, um punktgleiche Teams zu trennen. Wir glauben, dass wir der Gruppensieger sind.“

Die Teams aus Sierra Leone, Niger und Südafrika hatten ihre Qualifikationsgruppe alle mit neun Punkten beendet, das beste Torverhältnis sprach für Südafrika. Doch nach Regel 14.1, die der afrikanische Verband vor dem Beginn der Qualifikationsspiele bekannt gab, zählt bei Punktgleichheit der direkte Vergleich. So wurde Niger zum Gruppensieger, weil es in den Duellen der drei Mannschaften die meisten Punkte erzielte.

Das hätte man wissen können. „Ich habe die Regeln am Abend vor dem Spiel noch einmal studiert, aber missinterpretiert“, sagt Südafrikas Nationaltrainer Pitso Mosimane. Er hatte beim 0:0 im entscheidenden Spiel gegen Sierra Leone in dem Glauben, es würde reichen, auf Halten spielen lassen. Torhüter Itumeleng Khune spielte ständig auf Zeit und deutete auf eine imaginäre Uhr an seinem Handgelenk.

Die Spieler lagen sich nach dem Abpfiff in den Armen, 35.000 Zuschauer in Nelspruit jubelten, der Fernsehkommentator kriegte sich gar nicht mehr ein, der Verbandspräsident gratulierte offiziell. Erst mit der Zeit sprach sich die im internationalen Fußball nicht unübliche Regel, die beispielsweise auch in der EM-Qualifikation entscheidet, mit dem direkten Vergleich herum. Man stelle sich diese Unkenntnis bei der deutschen Nationalmannschaft vor und was ihr folgen würde.

So wird der Afrika-Cup in Gabun und Äquatorial-Guinea ein Turnier ohne viele Favoriten. Denn auch Nigeria, Ägypten und Kamerun haben die Qualifikation verpasst. Nur zwei Sieger der letzten 14 Turnier – die Elfenbeinküste und Tunesien – konnten sich für die Endrunde qualifizieren, das ist durchaus vergleichbar mit dem Scheitern von Frankreich, Spanien und den Niederlande in der EM-Qualifikation. Stattdessen ist das von der Revolution erschütterte Libyen überraschend beim Afrika-Cup dabei.

Souverän als Gruppenerster hatte sich auch Sambia qualifiziert. Dennoch wurde Nationaltrainer Dario Bonetti entlassen. „Das Team ist zu noch besseren Leistungen imstande“, sagte Verbandspräsident Kalusha Bwalya. „Wir glauben, dass die Mannschaft noch viel mehr Potenzial hat.“ So wie alle Teams, auch oder gerade Südafrika.

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