Kein Titel zum Klopp-Abschied
Wolfsburg holt den DFB-Pokal

Der VfL Wolfsburg ist erstmals DFB-Pokalsieger. Die Niedersachsen feiern ihren größten Erfolg seit der Meisterschaft vor sechs Jahren. Der BVB bleibt ohne Titel – der so ersehnte Cup-Coup zum Klopp-Abschied klappt nicht.
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BerlinDa war aber jemand ungeduldig. Diego Benaglio konnte es kaum erwarten, den Pokal von Bundespräsident Joachim Gauck entgegenzunehmen. Als er ihn allerdings endlich in den Händen hielt und in den Berliner Nachthimmel emporhob, gab es kein Halten mehr. Jeder wollte ihn einmal anfassen, diese Trophäe, die sie so herbeigesehnt hatten. Denn sie wussten: Dieser Cup ist ein historischer.

Die Niedersachsen besiegten am Samstagabend Borussia Dortmund mit 3:1 (3:1) und gewannen zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den DFB-Pokal. Ein Erfolg, der vor allem beim Volkswagen-Konzern für Zufriedenheit und Genugtuung gesorgt haben dürfte. Schließlich hat der Autobauer seit mehr als einem Jahrzehnt sehr viel Geld in den Verein und dessen Entwicklung investiert. Für VW-Chef Martin Winterkorn ist der DFB-Pokal-Sieg auch ein persönlicher Triumph.

BVB-Trainer Jürgen Klopp indes verabschiedete sich nach sieben Jahren ohne Titel aus Dortmund – seiner großen sportlichen Liebe. Schwarz-gelbe Enttäuschung allenthalten, der Korso um den Borsigplatz mit dem Pokal bleibt ihm verwehrt.

Die Voraussetzungen für einen gelungenen Fußball-Abend hatten mehr als 100.000 Fußball-Anhänger am Nachmittag geschaffen. Schwarz-Gelbe (auf dem Bretscheidplatz) und Grün-Weiße (vor dem Hauptbahnhof) feierten in der Hauptstadt und intonierten allerorten das Finale. Später, im Stadion, begrüßte der harte Kern der BVB-Anhänger die Endspiel-Teams mit reichlich Pyrotechnik, während die etwa 25.000 Wolfsburger mit einer sehenswerten Choreographie in die 90 Minuten überleitete. Beachtlich: Die Fans der Niedersachsen waren mithin lauter als das Gros der Dortmunder.

Gleichwohl wurden die Westfalen bereits in der frühen Phase des Spiels etwas lauter: Aubameyang erzielte nach fünf Minuten das 1:0 und bestätigte den starken Eindruck der vergangenen Wochen. Doch nach 22 Minuten war alles dahin. Luiz Gustavo nutzte einen Patzer des BVB-Schlussmanns Mitch Langerak und glich zum 1:1 aus. Doch mehr noch: Kevin de Bruyne bestätigte seine Weltklasse-Form der vergangenen Monate mit dem 2:1 nach mehr als einer halben Stunde. Allein, die Wolfsburger hatten noch nicht genug, allen voran Bas Dost. Wolfsburgs Stürmer hatte sieben Minuten vor der Pause derart viel Platz im Fünf-Meter-Raum, das er das 3:1 köpfen konnte – die Vorentscheidung.

Für den VfL ist es der größte Erfolg seit dem Meisterschaftstriumph 2009, für Dieter Hecking der erste Titel in seiner Trainer-Laufbahn. Kollege Klopp muss dagegen den BVB ohne die erhoffte Sieger-Party auf dem Borsigplatz in Dortmund verlassen. Wie vor einem Jahr gegen Rekordchampion FC Bayern verlor seine Mannschaft das Finale bei der insgesamt siebten Teilnahme.

Dabei wirkten die Wolfsburger nach dem frühen Rückstand geschockt, spielten zu verhalten. Nur mit Glück gerieten sie nach 18 Minuten nicht weiter in Rückstand: Marco Reus zielte nach erneuter Kagawa-Vorlage aber weit übers Tor.

Nach einem Ausgleich der Wolfsburger sah es eigentlich nicht aus. Dann aber holte Naldo aus und wuchtete einen Freistoß aus rund 25 Metern aufs BVB-Tor. Mitch Langerak, der sich in der siebten Minute noch bei einem Flachschuss von Ivan Perisic hatte auszeichnen können, ließ den Aufsetzer nach vorn abprallen - vor die Füße von Gustavo. Der zog direkt ab und glich mit seinem vierten Tor im DFB-Pokal aus.

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