Fußball
„Klinsmänner“ zahlen bitteres Lehrgeld

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat in einem mitreißenden Halbfinale des Confederation Cups Brasilien alles abverlangt. Der Weltmeister wankte, aber er fiel nicht: Die am Rande einer Niederlage wandelnden Ballzauberer vom Zuckerhut gewannen im mit knapp 42 000 Zuschauern ausverkauften Nürnberger Frankenstadion am Ende etwas glücklich mit 3:2 (2:2), während die deutsche Mannschaft bitteres Lehrgeld zahlte.

NÜRNBERG. Das entscheidende Tor erzielte nach 76 Minuten der überragende Adriano, den die trotz der drei Gegentore insgesamt gut stehende deutsche Abwehr nie ganz auszuschalten wusste. Zuvor hatte die Klinsmann-Elf in der ersten Halbzeit gleich zweimal die Führung der Brasilianer durch Podolski und Ballack ausgleichen können. Während der Weltmeister nun am Mittwoch (20.45 Uhr) zum Finale nach Frankfurt reisen darf, muss sich die deutsche Mannschaft am gleichen Tag um 18 Uhr in Leipzig mit dem Spiel um Platz drei begnügen. Die Gegner dort ermitteln am Sonntagabend (18 Uhr) in Hannover im zweiten Semifinale Argentinien und Mexiko.

Die erste Überraschung hatte Bundestrainer Jürgen Klinsmann bereits vor dem Anpfiff parat: Thomas Hitzlsperger, der in den ersten Spielen immer wieder Schwächen gezeigt hatte, musste überraschend auf der Bank Platz nehmen. Für ihn rückte Routinier Bernd Schneider, der längst zur Allzweckwaffe geworden ist, von Beginn an auf die linke Abwehrseite - ein Glücksgriff wie sich später herausstellen sollte. Das Pendant des Routiniers auf der rechten Seite war wie erwartet Arne Friedrich, der seine Gelb-Sperre abgesessen hatte. In der Innenverteidigung durften wie gehabt Huth und Mertesacker ran, hinter ihnen stand wie angekündigt erneut Jens Lehmann im Tor. Im Mittelfeld entschied sich Klinsmann zudem für die defensive Variante mit Fabian Ernst und Torsten Frings als Doppelabräumer vor der Abwehr, während Deisler und Ballack die Impulse nach vorne setzen sollten. Im Angriff durfte der von einer Wadenprellung genesene Lukas Podolski neben Kevin Kurnayi ran.

Leidenschaft, Siegeswille, Aggressivität und eine offensive Herangehensweise hatte die Elf mit dem Bundesadler auf der Brust vor der Partie versprochen - und sie hielt sich daran. Allerdings brauchte die Mannschaft die Anfangsviertelstunde, in der die in Bestbesetzung angetretene Samba-Truppe vom Zuckerhut klar den Takt angab, als Anlaufphase. Die bis dahin bemerkenswertesten Szenen spielten sich jedoch eher vor und am Rande der Partie ab: Vor dem Spiel riefen zunächst beide Mannschaften zum Kampf gegen Rassismus auf. DFB-Kapitän Michael Ballack und sein brasilianischer Kollege Ronaldinho verlasen jeweils eine Erklärung, in der sie jeglicher Form von Diskriminierung im Fußball und in der Gesellschaft eine Absage erteilten. Zudem posierten beide Mannschaften vor dem Anpfiff gemeinsam mit einem Spruchband mit der Aufschrift "Nein zu Rassismus".

Die zweite Szene gehörte dann wieder einmal einem "Flitzer": Er stürmte nach sechs Minuten jubelnd auf Jungstar Robinho zu, ehe er von Ordner nach kurzer Verfolgungsjagd eingefangen wurde - im Hinblick auf die Barrierefreiheit zum Spielfeld auch bei der WM 2006 sicherlich ein Bärendienst für alle Fans.

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