Fußball
Klinsmanns erschwerte Suche nach der Bestbesetzung

Jürgen Klinsmann hinkt dem Zeitplan für die WM 2006 ein wenig hinterher. Der Bundestrainer befindet sich wie gehabt auf der Suche nach seiner Startelf und muss wegen vieler Ausfälle länger als geplant experimentieren.

Höchste Priorität hat bei Jürgen Klinsmann weiterhin die Suche nach der Bestbesetzung für die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Doch acht Monate vor dem Auftaktspiel am 9. Juni in München kann der Bundestrainer die Phase des Experimentierens nicht wie geplant beenden. Auch beim Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstag in Istanbul gegen die Türkei (20.00 Uhr/live im ZDF) wird der Bundestrainer seine Wunschformation nicht einem WM-TÜV unterziehen können. Neben Michael Ballack fallen auch Miroslav Klose, Robert Huth und womöglich Lukas Podolski aus.

An der Bedeutung der Begegnung gegen den WM-Dritten lässt die sportliche Leitung dennoch keinen Zweifel. "Das wird ein wichtiges Testspiel für unsere Mannschaft", betonte Assistenztrainer Joachim Löw nach dem dreistündigen Charterflug an den Bosporus. Klinsmanns "Co" sieht den sportlichen Wert auch nicht gefährdet, weil für die Gastgeber ihr Spiel in der WM-Qualifikation am Mittwoch in Albanien wichtiger sein könnte. "Die Türken stehen unter großem Druck. Man kann davon ausgehen, dass sie gegen uns konzentriert zu Werke gehen werden, um sich gut auf das Qualifikationsspiel vorzubereiten."

Löw: "Wir müssen den Schalter nicht umlegen"

Die mäßigen Auftritte der deutsche Auswahl in den beiden letzten Auswärtsspielen in den Niederlanden (2:2) und der Slowakei (0:2) sieht Löw derweil nicht als richtungweisend an. "Wir müssen den Schalter nicht umlegen. Für uns war diese Entwicklung auch irgendwo vorhersehbar", versicherte er und ergänzte: "Generell muss man sagen, dass wir unsere Etappenziele erreicht haben." Ihm und Klinsmann sei bewusst gewesen, dass es nach dem Confederations Cup für einige Spieler "schwierig wird, in die Saison reinzukommen". Grund zur Besorgnis bestehe nicht: "Wir haben noch Zeit bis zur WM, um Verbesserungen zu erzielen."

Nach den durchaus anspruchsvollen Fitness-Tests in Hamburg gönnte Klinsmann seiner Mannschaft nach der Landung im sonnigen Istanbul erst einmal eine Verschnaufpause. Das für Donnerstagabend angesetzte Training im Stadion Ali Sami Yen wurde abgesagt, dafür wurde in den ausladenden Räumen des majestätischen Hotels "Cirigan Palace" im Stadtteil Besiktas im so genannten regenerativen Bereich gearbeitet, sprich: Die Spieler durften sich erholen. Für Freitag war für die gesamte Mannschaft zudem eine einstündige Bootsfahrt auf dem Bosporus geplant.

Ballack und Klose mussten absagen

Zwei Spieler, die in den Planspielen von Klinsmanns wichtige Figuren sind, bezogen im dem ehemaligen Sultanspalast direkt an der rund 30 Kilometer breiten Meerenge zwischen den Erdteilen Europa und Asien nicht einmal ein Zimmer: Kapitän Ballack und Klose mussten für das Spiel am Samstag absagen. "Sie stehen uns eventuell ab Sonntag in Hamburg wieder zur Verfügung", sagte Löw mit Blick auf das Spiel am Mittwoch (20.30 Uhr/live in der ARD) gegen China. Gegen die Türkei nicht einsetzbar ist wegen muskulärer Probleme zudem Verteidiger Huth, Podolskis Teilnahme entscheidet sich am Freitag.

Podolski absolvierte wegen Muskelproblemen die Tests in Hamburg nur eingeschränkt, am Mittwoch trainierte er individuell mit Reha-Trainer Oliver Schmidtlein. "Er ist bislang noch nicht an seine Belastungsgrenze gegangen", erklärte Löw, "wir hoffen, dass er beim Abschlusstraining absolut belastbar ist. Wenn das der Fall ist, wird er am Samstag auch spielen." Das "Double" für Ballack wird gegen den WM-Dritten wohl der aufstrebende Bremer Tim Borowski geben, für Klose wurde derweil der Wolfsburger Mike Hanke von der U21 abgezogen.

Baustelle in der Abwehr

Nicht aus den Augen verloren wird dabei jener Teil der Mannschaft, in dem der von Löw angestrebte Raum für Verbesserungen ganz besonders groß erscheint: die Abwehr. "Es ist klar, dass wir da noch eine Baustelle haben und noch nicht so kompakt sind", sagte der Assistenztrainer, der noch in Hamburg Übungen für das Defensivverhalten auf den Trainingsplan gesetzt hatte: "Das wird immer wieder eingestreut. Es ist wichtig, eine stabile Defensive zu haben und auch mal zu null zu spielen. Aber generell werden wir nicht von unserer offensiven Grundeinstellung weggehen."

Immerhin hat Klinsmann für die Abwehr nun eine Alternative mehr. Huth fällt aus, auch der neuerdings schmollende Christian Wörns fehlt in beiden Länderspielen, dafür gehört erstmals seit der WM 2002 in Südkorea und Japan Christoph Metzelder wieder zum Kader der DFB-Auswahl. Die Erwartungen an ihn sind hoch - im Idealfall soll er schnellstmöglich zum Abwehrstabilisator werden. "Ich weiß, was man sich perspektivisch von mir erwartet", sagt der 23-Jährige, geht aber erst mal nicht davon aus, "dass ich gleich von Anfang an spiele". Die Zeit der Experimente ist also längst nicht vorbei.

© SID

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