Kronzeuge Hoyzer
Wiedersehen mit Wettpaten

272 Tage nach ersten Hinweisen auf einen Wett- und Schiedsrichter-Skandal im deutschen Fußball stehen die vermeintlichen Haupttäter vor Gericht.

dpa BERLIN. Im Saal 500 des Berliner Landgerichts kommt es dabei im spektakulärsten Fußball-Prozess seit über 30 Jahren zum ersten Aufeinandertreffen des geständigen Schiedsrichters Robert Hoyzer mit seinen Auftragebern aus der kroatischen Wettmafia. Neben dem Berliner Ex-Referee sowie den Brüdern Ante, Filip und Milan Sapina sind in dem am 18. Oktober beginnenden Verhandlungsmarathon Schiedsrichter Dominik Marks und Ex-Profi Steffen Karl wegen „gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs“ angeklagt und müssen bei einem Schuldspruch mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren rechnen.

„Es ist ein seltsames Gefühl, sie wiederzusehen. Ich habe denen eingeschenkt, die können ja das Gleiche tun“, erklärte Hoyzer einen Tag vor dem Auftakt der Hauptverhandlung vor der 12. Großen Strafkammer dem „Tagesspiegel“. Hoyzer ist nicht nur Beschuldigter, sondern auf Grund der Geständnisse gegenüber der 40-köpfigen Sonderermittlungsgruppe „Fußball“ bei der Berliner Staatsanwaltschaft auch Kronzeuge in dem Prozess. „Die Anklageschrift fußt zu größten Teilen auf Aussagen meines Mandanten“, bekannte der Essener Anwalt Thomas Hermes, der wegen der Kooperation Hoyzers mit den Ermittlungsbehörden darauf hofft, dass sein Mandant mit einer zweijährige Bewährungsstrafe davon kommt.

Am ersten Prozesstag werden unter Leitung der Vorsitzenden Richterin Gerti Kramer nach Aufnahme aller Personalien der sechs Beschuldigten 32 Seiten der insgesamt 289-seitigen Anklageschrift verlesen. Danach dürfen sich die Angeklagten bereits zu den Anschuldigungen äußern, so dass schon zum Auftakt zumindest das Statement von Hoyzer erwartet werden darf. Der 26-Jährige wird weiterhin die Strategie verfolgen, durch Aufdeckung aller Details ein mildes Urteil zu erwirken. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der durch den Skandal schweren Schaden erlitt, hat Hoyzer auf Lebenszeit gesperrt.

„Ich habe sehr lange gebraucht, bis mir vieles klar war“, sagte Hoyzer, der sich in den zurückliegenden Monaten vom arrogant wirkenden Karriere-Typ zum reuigen Sünder gewandelt hat. Erst sehr spät sei ihm die ganze Dimension seiner Verfehlungen bewusst geworden: „Der Ballast wird vielleicht nie ganz abfallen“. Durch seine Manipulationen in ihm vorgeworfenen neun Fällen - darunter das verschobene DFB-Pokalspiel SC Paderborn gegen Hamburger SV (4:2) - hatte Hoyzer letztlich sein gesamtes berufliches und privates Leben zerstört: Jetzt lebt er von Arbeitslosengeld II.

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