Legendäre Fußballer
„Dieser Streich ist ein Phänomen“

Er war der erfolgreichste Torschütze und am häufigsten eingesetzte Spieler der DDR-Nationalmannschaft: Joachim Streich. Am 13. April wird er 65 Jahre alt. Eine große Feier ist nicht geplant.

MöckernMit 55 Länderspieltoren und 229 Treffern in der DDR-Oberliga fielen ihm große Sprüche nicht schwer. „Ich habe im Fernsehen einmal gesagt, dass ich der beste Stürmer bin“, erinnert sich Joachim Streich in seinem schmucken Einfamilienhaus in Möckern in Sachsen-Anhalt an einmalige Rekorde zu DDR-Zeiten. Alle, die er mit einem solchen Spruch gegen sich aufgebracht hatte, stellte der Ex-Stürmer schnell wieder ruhig. „In den - ich glaube - sechs folgenden Länderspielen habe ich sieben Tore gemacht.“ Am Mittwoch feiert er seinen 65. Geburtstag.

Streichs Leistungen auf dem Fußballplatz wurden auch über die Grenzen der DDR hinaus registriert. Nicht umsonst wurde er als der „Gerd Müller des Ostens“ bezeichnet. Die britische Fachzeitschrift „World Soccer“ schwärmte: „Dieser Streich ist ein Phänomen. Seit mehr als einem dutzend Jahren behauptet er sich gegen härteste Konkurrenz, schießt trotz Sonderbewachung seine Tore, ist weiter erfolgreich, obwohl das Spiel immer schneller, die Räume stetig enger wurden.“

Wobei die Schnelligkeit nicht unbedingt zu Streichs Qualitäten gehörte. „Ich hatte immer das Manko, dass ich lauffaul war“, sagt er. Allerdings sollte er ja auch Stürmer, und nicht Dauerläufer sein, fügt er verschmitzt hinzu. Das brachte ihm nach einem Spiel gegen Bulgarien scharfe Kritik ein. Klaus Schlegel, Chefredakteur der DDR-„Fußballwoche“, schrieb: „Sein Aufwärmen war schon eine Frechheit.“ Darüber kann er heute nur noch lachen.

Die internationalen Einsätze - nicht nur mit der Nationalmannschaft - bedeuteten für Streich eine gewisse Reisefreiheit. Spielte er jemals mit dem Gedanken, nicht in die DDR zurückzukehren? „Als ich 1969 mit dem FC Hansa Rostock im Messecup in Athen war, habe ich mit zwei Mannschaftskameraden darüber nachgedacht, ob wir in die deutsche Botschaft gehen sollen“, berichtet Streich. „Wir haben uns dagegen entschieden und spätestens 1970, als ich meine Frau kennengelernt hatte, waren solche Überlegungen Geschichte.“

Als er dann doch in den Westen ging, war die DDR bereits im Zustand der Auflösung. Streich war 1990 der erste Trainer aus der DDR-Oberliga, der offiziell ein Profiteam in der Bundesrepublik übernahm. Der Wechsel vom 1. FC Magdeburg, den er fünf Jahre lang trainiert hatte, zu Eintracht Braunschweig war eine Art Kulturschock. „Zweimal Training am Tag, das konnten die Spieler nicht ab“, erinnerte sich Streich. Die Spieler der DDR-Oberliga waren seiner Auffassung nach denen der 2. Bundesliga vom Leistungsvermögen weit überlegen.

Mit großem Interesse verfolgt Streich den ostdeutschen Fußball. „Die 3. Liga lebt vom Osten“, ist für ihn klar. Mit Dresdnern habe er immer gern in der Nationalelf gekickt, die Mannschaft des 1. FC Magdeburg sei über sich hinausgewachsen, vieles sei dabei Trainer Jens Härtel zu verdanken - den hatte er einst beim FSV Zwickau selbst trainiert. Auch die Ambitionen von RasenBallsport Leipzig, in der 1. Bundesliga mitzumischen, sieht Streich positiv. „Die Zuschauerzahlen bei RB zeigen: Leipzig will Fußball sehen.“

Selbst zieht er die Fußballschuhe nur noch selten an. „Mein Hauptaugenmerk liegt auf Golf.“ Sein derzeitiges Handicap ist 34, das will er in diesem Jahr verbessern. Aber das eine oder andere Mal wird er auch mit den „Alten“ vom 1. FC Magdeburg spielen, zumindest ein paar Minuten. „Als Rentner habe ich jetzt ja Zeit.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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