Nationalstürmer in der Krise
Genervter Gomez geht durch ein tiefes Tal

Das hatte sich Mario Gomez anders vorgestellt. Anstatt das DFB-Team mit Toren zum Titel zu schießen, sitzt der VfB-Angreifer auf der Bank - und wird zum Spekulationsobjekt.

Die Europameisterschaft sollte für Mario Gomez die ideale Bühne bieten, um sich international noch stärker ins Rampenlicht zu spielen. Doch bis zum Halbfinale der deutschen Nationalelf am Mittwochabend in Basel gegen die Türkei lief für den 22 Jahre alten Angreifer fast alles schief - auf dem Platz und außerhalb.

Da passte es ins Bild, dass Gomez bei der Pressekonferenz vor der Partie nach nur einer Frage das Podium wieder verlassen musste, weil die Uefa strikt ihren Zeitplan einhalten wollte. So hatte der talentierte Angreifer keine Gelegenheit, sich für seine enttäuschenden EM-Leistungen zu rechtfertigen und sich vor allem zu dem Ärger, den er momentan reichlich hat, zu äußern.

Marktwert soll bei 30 Mill. Euro liegen

Obwohl Gomez beim VfB Stuttgart einen Vertrag bis 2012 hat, wurde während der Euro das Interesse von Bayern München publik. Die ständigen Spekulationen und dazu noch das Theater mit dem VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt sorgten bei der Nationalelf für Verstimmung und brachten Gomez offensichtlich aus dem Tritt.

Anstatt während der EM seinen Marktwert, der angeblich bei 30 Mill. Euro liegt, zu steigern und sich auch für ausländische Spitzenklubs wie den FC Barcelona weiter zu positionieren, rutschte der 13-malige Nationalspieler (6 Tore) immer mehr ins Abseits und zuletzt von der Startelf auf die Ersatzbank. Er selbst wollte aber keinen Zusammenhang zwischen seinen dürftigen Darbietungen und den Problemen im Hintergrund herstellen.

Die ganze Unruhe ging in den vergangenen Tagen jedoch so weit, dass sich VfB-Präsident Erwin Staudt und selbst DFB-Kapitän Michael Ballack öffentlich einschalteten. Die Verhandlungen seien nicht gut und störten die Konzentration, schrieb Ballack seinem jungen Kollegen ins Stammbuch.

Löw und Bierhoff suchen das Gespräch

Ballack sowie Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff sahen sich sogar veranlasst, mit Gomez ein Gespräch zu führen. Dabei hatte der Torjäger jedoch versichert, mit der Situation umgehen zu können. Sie belaste ihn nicht. Doch Ballack wusste aus eigener Erfahrung zu berichten, "dass es dennoch beeinflusst, wenn hinter den Kulissen etwas abläuft und dein Name die ganze Zeit in den Medien steht".

Dass es so weit kam, lag nicht nur an den Bayern, sondern vor allem an Hundt, der die Gespräche mit den Münchnern öffentlich gemacht und seinen eigenen Spieler vorgeführt hatte. "So wie er bei der EM spielt, müssen wir einen dreistelligen Millionenbetrag für ihn bekommen", hatte Hundt gelästert. Dies wiederum rief Gomez und seinen Berater Uli Ferber auf den Plan. Von "Ungeheuerlichkeiten" war die Rede.

Hoeneß gibt keine Ruhe

VfB-Boss Staudt will nun die beiden Streithähne nach der EM zu einem Friedensgespräch zusammenführen. Bis dahin solle sich Gomez auf die Europameisterschaft konzentrieren: "Es muss Ruhe hinein - und das werde ich auch erreichen."

Dass Ruhe in die Geschichte kommt, ist aber wohl eher Staudts Wunschgedanke. Zwar hat VfB-Manager Horst Heldt nach einer ersten Kontaktaufnahme mit den Bayern erklärt, dass Gomez bei den Schwaben bleiben werde. Doch dies hielt Bayern-Manager Uli Hoeneß nicht davon ab, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass dies "unser großes Interesse nicht beenden wird".

Laut Staudt habe der VfB aber weiter "das Heft des Handelns in der Hand. Mario Gomez gehört zu unserer Familie - und wir kämpfen um jedes Familienmitglied", sagte er und bezeichnete Spekulationen, wonach der VfB das Geld aus dem möglichen Gomez-Transfer dringend benötige, als "absoluten Blödsinn".

Allerdings weiß auch Staudt, dass jeder Spieler seinen Preis hat - auch wenn der von Gomez während der EM nicht gestiegen sein dürfte.

© SID

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