Nationalteam
Brasilianer beziehen Quartier in der Schweiz

Das brasilianische Nationalteam verfügt in den kommenden zwei Wochen über jeden erdenklichen Komfort. Im schweizerischen Weggis hat man keine Mühen gescheut, um ein perfektes WM-Vorbereitungsquartier bereitzustellen.

In der beschaulichen Schweiz scheut man nichts, um den prominenten Gästen aus Brasilien einen angenehmen Aufenthalt zu garantieren. So wurden extra 300 Schweine von einem Bauernhof im schweizerischen Weggis für die kommenden zwei Wochen ausquartiert, damit die Südamerikaner ab Montag ihr Vorbereitungs-Trainingslager auf die Endrunde in Deutschland frei von Geruchsbelästigungen abhalten können.

Und auch sonst hat sich der 4 000-Seelen-Ort am Vierwaldstättersee große Mühe gegeben, damit es dem WM-Favoriten bis zum 4. Juni behagt. So wurden unter anderem ein 5 000 Zuschauer fassendes Stadion für Ronaldinho und Co. mit dem original WM-Rasen, eine überdachte Trainingshalle, ein Fitnessstudio und ein Medienzentrum errichtet. Zum guten Schluss erfolgte nun die Ausquartierung der Schweine.

"Gestank kann ziemlich penetrant sein"

"Ich weiß, dass ihr Gestank ziemlich penetrant sein kann, wenn der Wind ungünstig steht", sagt Bauer Alfred Stöckli, der selbst den Vorschlag unterbreitete, die Tiere vorübergehend umzusiedeln und dafür von der Gemeinde eine Ausgleichszahlung in Höhe von 5 800 Euro erhielt. "Ich wollte verhindern, dass die Boulevardzeitungen schreiben, der Gestank meiner Schweine störe die brasilianischen WM-Vorbereitungen."

Rund 40 Orte hatten sich ursprünglich ernsthaft um den Trainingslageraufenthalt Brasiliens bemüht. "Ich denke, unsere einmalige Lage hat uns geholfen, den Zuschlag zu bekommen", meint Philippe Huber von der Wiler Attaro AG, die den Deal einfädelte. Der See, die Berge, ein erstklassiges Fünf-Sterne-Hotel und nur eine Zufahrtsstraße, die das Thema Sicherheit erleicherte, seien gute Argumente gewesen.

Ein weiteres dürften die 940 000 Euro gewesen sein, die an den brasilianischen Verband geflossen sind, weitere 1,02 Mill. Euro wurden in den Bau des Stadion investiert, die allerdings fast komplett von einem Sponsor übernommen wurden. Gleiches gilt für die Übernachtungs-, Transport- und Sicherheitskosten. "Wir mussten als Gemeinde nur einige 10 000 Franken investieren", berichtet Bürgermeister Josef Odermatt und reibt sich die Hände.

Medienpräsenz sicher

Im Gegenzug ist Weggis in den kommenden zwei Wochen eine enorme Medienpräsenz sicher. Fernsehstationen aus mehr als 100 Ländern haben sich die Rechte zur Übertragung der 14 öffentlichen Trainingseinheiten gesichert. 800 Medienvertreter sind akkreditiert, 55 000 Karten für die Trainingseinheiten zum Preis von 12,50 Euro verkauft, wobei der Schwarzmarktpreis mittlerweile das Sechsfache beträgt.

Das Hotel, in dem die Brasilianer residieren, versteigerte im Internet gerade eine Übernachtung im kurz zuvor von Ronaldinho verlassenen Doppelzimmer. Nur wenige Stunden nach der Abreise steht das Zimmer für den Meistbietenden mit Autogrammkarte und einem signierten Trikot des Vorgängers zur Verfügung.

"Es waren in der Vergangenheit schon viele Würdenträger hier, von Königin Victoria bis hin zu Mark Twain. Aber das wird das größte Ereignis in der Geschichte unseres Ortes", glaubt Odermatt. "Das Tourismus-Geschäft wird davon lange profitieren. Außerdem haben wir jetzt einen Fußball-Platz, der internationalen Ansprüchen genügt, was andere Fußball-Klubs anziehen wird."

So hat sich Frankreichs Meister Olympique Lyon schon für Ende Juli angesagt. Dann ist bei ungünstigen Winden allerdings wieder mit Geruchsbelästigung zu rechnen. Denn die Schweine kehren nach Brasiliens Abreise in ihren Stall zurück.

© SID

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