Fußball
Niersbach zieht kritisches Zwischenfazit

Noch "Schwächen in allen Bereichen" sieht OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach zehn Monate vor der WM in Deutschland. Gerade bei der Ticketvergabe werde es noch "mehr Frust als Freude" geben.

Durchaus kritisch hat sich Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des WM-Organisationskomitee (OK), zum Stand der Vorbereitungen für die in zehn Monaten beginnende Weltmeisterschaft in Deutschland geäußert. "Wir haben Schwächen in allen Bereichen entdeckt", resümierte Niersbach in einem Interview mit der Tageszeitung Westdeutsche Allgemeine Zeitung die Erfahrungen des Confed-Cup im vergangenen Juni in vier WM-Städten: "Wir haben noch einiges dazugelernt."

Neuer Ärger bei Ticketauslosung erwartet

Vor allem monierte der frühere Journalist nach dem "Härtestest" die aufgetretenen Sicherheitslücken in den Arenen. "Die vier Flitzer sind bekannt von Hongkong bis Südafrika. Überall heißt es: Alles hätten wir von den Deutschen gedacht, nur nicht, dass sie diese Problematik nicht in den Griff bekommen würden. Wir finden das auch alles andere als lustig. Wenn einer von denen ein Messer in der Hand gehabt hätte..."

In der Frage der Verteilung der drei Mill. frei verfügbaren Eintrittskarten für die insgesamt 64 WM-Spiele stellt sich das OK Niersbachs Angaben zufolge für die nähere Zukunft auf ein erneutes Kreuzfeuer der Kritik ein: "Das Problem ist definitiv nicht lösbar. Es wäre auch noch schwierig, wenn wir die doppelte Anzahl zur Verfügung hätten. Es wird noch einmal einen gewaltigen Protest nach der Auslosung im Dezember geben, wenn dann auch die Ausländer kapieren, wie wenige Karten sie bekommen. Wir werden mehr Frust als Freude verbreiten müssen."

DFB-Auswahl soll für Stimmung sorgen

Um drohenden Unmut über unbesetzte Plätze in den Stadien während der WM gering zu halten, setzen die WM-Macher auf rechtzeitige Informationen über nicht benötigte Tickets bei Verbänden oder Sponsoren: "Wir machen schon alles, was möglich ist. Wir sind auf Rückmeldungen angewiesen."

Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der WM und zur gewünschten Atmosphäre in Deutschland soll die deutsche Nationalmannschaft leisten. "Es ist zwar keine Bedingung für die Ausrichter der WM, dass Deutschland Weltmeister wird, und trotzdem wird die Gesamtbewertung unserer Arbeit auch davon abhängen, wie unsere Mannschaft spielt", meinte Niersbach und fügte hinzu: "Wenn sie in der Vorrunde ausscheidet, wird es sicherlich nicht weltweit heißen, dass in Deutschland die Stimmung überragend ist."

Kein Vergleich zur WM 1974

Dass die WM aus organisatorischer Sicht schon beginnen könnte, wies Niersbach zurück: "Das könnte sie nicht. Die Stadien müssen noch ganz anders ausgestattet werden. Sobald das letzte Bundesliga-Spiel abgepfiffen ist, bekommt jedes Stadion ein WM-Gesicht."

Den allgemeinen Organisations-Aufwand für das bevorstehende Spektakel hält der ehemalige Presse-Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht mit den Bemühungen von 1974 bei der bislang einzigen WM in Deutschland vergleichbar: "Das war Puppentheater. Wenn ich die DFB-Dokumentation über 1974 lese, lache ich mich schlapp. Damals waren 4 600 Journalisten akkreditiert, diesmal werden es bis zu 20 000 sein. Schon bei der Auslosung ist mit 300 Mill. Zuschauern zu rechnen. Diese gigantischen Dimensionen sind nicht zu toppen."

© SID

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