Podolski bei Bayern
Hau den Lukas!

Nach seiner dreimonatigen Verletzungspause sitzt Lukas Podolski bei den Bayern immer noch auf der Bank. Viele in München werfen dem Stürmer fehlenden Ernst vor. Dennoch will sich der Kölner Straßenfußballer beim Rekordmeister durchsetzen. Nur, was will er da?

MÜNCHEN. Der DFB hat einen neuen Werbefilm drehen lassen, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat das am gestrigen Dienstag auf einer Presskonferenz in München verkündet. Und als Bierhoff gerade erzählte, dass er in dem Spot einen Busfahrer spiele, wurde es plötzlich unruhig an seiner Seite. Dort saßen der Medien-Direktor des DFB, Harald Stenger, und Lukas Podolski, der Stenger etwas ins Ohr flüsterte, worauf beide ein feines Lächeln aufsetzten. Bierhoff schaute herüber und Stenger rapportierte: „Der Lukas lässt fragen, ob du auch deine Promillezahl angegeben hast.“

Ein Scherz, der Lukas eben. Bierhoff lachte ein wenig, die anwesenden Journalisten lachten ein wenig, und auch Podolski lachte. Aber dessen Lachen war jünger und freier. Lukas Podolski fand seinen Scherz durchaus gelungen.

Er kann jetzt nur noch hoffen, dass sie beim FC Bayern davon nichts mitbekommen haben. Bei seinem Klub verdächtigen sie Podolski, den Bundestrainer Joachim Löw heute gegen Tschechien (20.45 Uhr) in München wie zum Trotz von Beginn an stürmen lassen wird, zu viele solcher Scherze im Kopf zu haben. Sie halten das für einen Ausdruck fehlenden Ernstes. Schließlich sitzt Podolski nach seiner dreimonatigen Verletzungspause (Knorpelschaden im Knie) ja immer noch auf der Bank, von wo aus er Ausblick hat auf den Sturm-„Kloni“ („Bild“-Zeitung), bestehend aus Miroslav Klose und Luca Toni, der allwochenendlich sein Wunderwerk aufführt und trifft wie niemand sonst: 16 Mal schon.

Daran wird Podolski gemessen, schließlich haben sie für ihn im Sommer 2006 zehn Millionen Euro an den 1. FC Köln überwiesen. 25 Mal ist er seitdem für den FCB aufgelaufen, er hat aber nur vier Mal getroffen, und lacht und scherzt trotzdem, und will einfach nicht aussehen wie Oliver Kahn. Ende September hat Bayerns Manager Uli Hoeneß in der „SZ“ orakelt: „Wenn er seine Einstellung nicht ändert, wird er es hier nicht schaffen. Lukas muss jetzt böse werden.“

Das mit dem Böse-Werden ist das größte Missverständnis in Bezug auf Lukas Podolski. Auch wenn Uli Hoeneß den Kölner Straßenfußballer mag, („ein lieber, netter Kerl“), so hat er ihm doch keinen Gefallen getan. Jetzt dürfen alle: Hau’ den Lukas!

Karl-Heinz Rummenigge etwa, der Vorstandschef, sagte, „dass wir sicherlich mehr erwartet haben.“ Oder Podolskis Trainer Ottmar Hitzfeld. Offenbar aufgewühlt von der Frage, ob er in München bleiben oder wie zuletzt erwogen bei der Schweizer „Nati“ anheuern soll, rief er Podolski bei dessen Abreise zur DFB-Auswahl zerstreut hinterher: „Ich bin froh, dass Lukas jetzt bei der Nationalelf ist. Dort hat er Kredit.“

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