Porträt
Clemens Tönnies: Der Schalker Strippenzieher

GELSENKIRCHEN. Zum DFB-Pokalfinale im Sommer 2005 charterte der FC Schalke einen Sonderzug. Die Rückreise nach der 1:2-Niederlage gegen Bayern München führte von Berlin-Spandau nach Gelsenkirchen. Nur einen zusätzlichen Stopp legte der Zug ein: in Rheda-Wiedenbrück, etwa 100 km vor Gelsenkirchen in Ostwestfalen gelegen. Eine Gruppe von 60 Schalke-Fans stieg dort aus, fast alle in irgendeiner Form mit Clemens Tönnies verbunden.

Tönnies ist der Vorsitzende des Schalke-Aufsichtsrats. In Rheda-Wiedenbrück liegt das zweite Entscheidungszentrum des Klubs. Genauer gesagt: in der B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH & Co. KG. Denn das Geschäft des Schalker Oberaufsehers ist die Fleischbranche. Tönnies Unternehmen gehört mit 2,6 Milliarden Euro Jahresumsatz zu den größten Fleischbetrieben Europas.

Zwischen Schlachthof und Fußballverein erkennt Tönnies eine Menge Parallelen. Eine hoch professionelle Führung brauchen beide, meint der 50-Jährige. Über acht Millionen Schweine im Jahr lässt er in seiner Firmengruppe schlachten, zerlegen und verkaufen. Der Handel mit Discountläden wie Aldi, Lidl und Rewe floriert. Tönnies ist einer der größten seiner Branche. Und in der Fußball-Szene ist der gelernte Fleischtechniker zu einem der einflussreichsten Mitglieder gewachsen. Die gestern besiegelte Kooperation zwischen Gazprom und Schalke soll er für den Verein eingefädelt haben, doch dazu schweigt Tönnies.

Der Einfluss des jovial auftretenden Unternehmers aus der Provinz, der sich nicht unbedingt in den Vordergrund drängt, hat bei den Königsblauen stetig zugenommen. Als einziger wagte es Tönnies, dem langjährigen Vereinsherrscher Rudi Assauer die Stirn zu zeigen, das Wort „Alkoholproblem“ in Verbindung mit dem Manager auszusprechen und ihn schließlich im Frühjahr aus dem Amt zu drängen („Unser Rudi ist voll in jedes Fettnäpfchen reingetappt“). Kurz vorher hatte Tönnies dem mit Verbindlichkeiten von rund 250 Millionen Euro belasteten Verein über eine Liquiditätslücke hinweg geholfen. Schalke erhielt 4,7 Millionen Euro Kredit aus seinem Privatvermögen, ohne Sicherheit. Tönnies besitzt den Ruf eines harten Geschäftsmanns mit radikalem Kostenmanagement. Er selbst sagt von sich, er habe in seiner Branche gelernt, mit „Zehntelcents“ zu kalkulieren und schnell zu reagieren.

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