Razzia bei der Fifa
Schweizer ermitteln gegen Blatter wegen Untreue

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen Untreue gegen Fifa-Präsident Blatter eröffnet und bei der Fifa eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Auch Uefa-Boss Platini wurde von den Ermittlern befragt.

ZürichEs lag etwas in der Luft. Zunächst wurde die Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung des Exekutiv-Komitees am Freitag von 14 auf 15 Uhr verschoben. Kurz vor 15 Uhr wurde die Pressekonferenz dann ganz abgeblasen. Um kurz vor halb fünf platzte dann die Bombe: Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen Untreue gegen Fifa-Präsident Sepp Blatter eröffnet und bei der Fifa eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Auch Michel Platini, der Blatter Nachfolger werden will, wurde von den Ermittlern befragt.

Bei den Ermittlungen geht es um den umstrittenen TV-Rechte-Vertrag, den Blatter mit Jack Warner, den mittlerweile angeklagten Ex-Präsidenten des karibischen Fußballverbandes im September 2005 abgeschlossen hatte. Dabei hatte Blatter TV-Rechte für die WM in Südafrika für 250.000 Dollar und die Rechte für die WM in Brasilien für 350.000 Dollar an Warner verkauft – weit unter Marktwert. Warner hatte im Jahr 2007 dann die Rechte an den TV-Sender Sportsmax verkauft. Experten schätzen das Volumen auf 15 bis 20 Millionen Dollar.

„Es besteht einerseits der Verdachts, dass Joseph Blatter am 12. September mit der Caribbean Football Union (deren Präsident Jack Warner war) einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat“, erklärte die Bundesanwaltschaft. Zudem bestehe der Verdacht, dass Blatter bei der Umsetzung des Vertrages seine Treuepflichten verletzt habe.

Das ist noch nicht alles: Laut Bundesanwaltschaft wird Blatter eine „treuewidrige Zahlung von zwei Millionen Franken im Februar 2011 an Michel Platini (den Uefa-Präsidenten, d. Red) zulasten der Fifa vorgeworfen, angeblich für die zwischen 1999 und Juni 2002 geleisteten Dienste.“ Was genau hinter dieser Zahlung steckt, ist im Moment unklar.

Blatter wurde unmittelbar nach der Sitzung des Exekutiv-Komitees „als Beschuldigter“ vernommen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Zudem haben Beamte Blatters Büro durchsucht, dabei wurde „Datenmaterial“ sichergestellt. Uefa-Präsident Michel Platini wurde gleichzeitig „als Auskunftsperson“ ebenfalls befragt; das heißt, dass Platini, der Blatters Nachfolger sein will, derzeit den Status eines Zeugen hat. Für seine Kandidatur für die Fifa-Spitze dürfte die Tatsache in dem Ermittlungsverfahren involviert zu sein, aber gewiss keine Hilfe sein.

Der Fußball-Weltverband hat der Bundesanwaltschaft in der Schweiz bei den strafrechtlichen Ermittlungen die volle Unterstützung zugesichert. Man habe bislang alle Forderungen nach Dokumenten, Daten und anderen Informationen erfüllt, teilte die FIFA am Freitag mit. „Wir werden dieses Level der Kooperation während der Ermittlungen fortsetzen“, hieß es in einer Presseerklärung.

Ein Anwalt von Joseph Blatter ist Vorwürfen der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen den Präsidenten des Weltfußballverbands entgegengetreten. „Herr Blatter kooperiert“, sagte Richard Cullen, der Blatter in den USA vertritt. Er sei zuversichtlich, dass sich herausstellen werde, dass der von den Behörden überprüfte Vertrag ordnungsgemäß vorbereitet und von den geeigneten Fifa-Mitarbeitern ausgehandelt wurde, erklärte Cullen. „Es hat sicherlich kein Missmanagement stattgefunden.“

Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, hat sich nach der Aufnahme des Ermittlungsverfahrens der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen FIFA-Chef Joseph Blatter „fassungslos“ gezeigt. „In der heutigen Exko-Sitzung ist das mit keiner Silbe erwähnt worden. Ich habe das FIFA-Gebäude in dem Glauben verlassen, dass sich Sepp Blatter in der angesetzten Pressekonferenz zur aktuellen Lage äußern wird. Erst später habe ich erfahren, dass durch die Schweizer Behörden ein Verfahren gegen ihn eröffnet worden ist. Die Nachricht macht mich fassungslos“, erklärte Niersbach am Freitagabend in einer schriftlich übermittelten Stellungnahme.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%