Relegation Fortuna vs. Hertha
Das Spiel um alles oder nichts

Beim Relegationsduell zwischen Düsseldorf und Berlin entscheidet sich heute, wer den freien Platz in der 1. Liga einnehmen darf. Hertha drohen beim Abstieg wirtschaftliche Einbußen, Fortuna hofft auf einen Umsatzschub.
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DüsseldorfWenn heute die Düsseldorfer Fortuna um 20.30 Uhr gegen die Hertha aus Berlin auf den Platz tritt, geht es aus Sicht der Vereinsanhänger um alles oder nichts: Kommen die Fortunen nach 15 Jahren wieder in die Fußball-Eliteliga - und stoßen sie damit die alte Dame Hertha zum sechsten Mal in die Zweitklassigkeit? „Es geht eben ums Ganze“, sagt Herthas Verteidiger Christian Lell, der sich beim Sonntagstraining mit einem Mitspieler fast geprügelt hätte. Hertha muss einen 2:1-Rückstand aus dem Hinspiel wettmachen, um weiter erstklassig spielen zu dürfen. Die Esprit Arena wird ihr bisher heißestes Spiel erleben: einen Hexenkessel.

Blanke Nerven sind eine garantierte Begleiterscheinung – denn auch finanziell steht für jeden beteiligen Spieler, Klubfunktionär und Sponsor viel auf dem Spiel. Zwischen der ersten und zweiten Bundesliga klafft eine gewaltige Lücke. „Im Schnitt gehen mit dem Aufstieg in die Eliteliga Umsatzverbesserungen von 75 Prozent einher, während ein Abstieg Einbußen von rund 40 Prozent bedeutet“, sagt Andreas Ullmann, Senior-Berater der Kölner Sponsoringberatung Sport+Markt.

Zwar ist die zweite Bundesliga rein umsatztechnisch die siebtstärkste Liga im europäischen Fußball. Doch dort mitmischen möchte niemand: Der Umsatzrückgang im Abstiegsfall betrifft alle Einnahmekategorien. So sinken nach Sport+Markt-Beobachtungen die Sponsoringeinnahmen um 40 Prozent, der Zuschauerschnitt bröckelt erfahrungsgemäß um 20 Prozent – und das, obwohl die Tickets um zwölf Prozent billiger werden. Am meisten schmerzen allerdings die abschmelzenden TV-Einnahmen: Sie sinken um rund 55 Prozent.

Bei der Hertha führt das Abstiegsszenario zu ersten Auflösungserscheinungen. Der Fahrstuhlklub könnte einen neuerlichen Abstieg womöglich nicht gut wegstecken, mutmaßte unlängst Andreas Schmidt, Vize-Aufsichtsratschef bei Hertha: „Im Zweifel muss man sich auf mehrere Jahre in der zweiten Liga einstellen. Sicherlich kann man Glück haben, aber bei diesem Etat könnte man im Abstiegsfall ein grauer Zweitligist bleiben“, sagte er dem TV-Sender Sky. Den Klub drückt ein Schuldenberg von 37,5 Millionen Euro.

Die Gretchenfrage ist stets: Welches Risiko geht ein Absteiger ein, um sofort wieder hochzukommen? „Die finanziellen Möglichkeiten, um den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen, sind nicht vorhanden“, sagt der Herthaner Schmidt – und dämpft damit die Hoffnungen der Hauptstadtfans. Anders Köln und Kaiserslautern: Von beiden Klubs, die bereits sicher abgestiegen sind, sind deutliche Signale zu hören, die Brechstange rauszuholen. Wenigstens einmal. So sagt der Sprecher des 1. FC Kaiserslautern Christian Gruber: „Unser Ziel lautet Wiederaufstieg, wir werden aber nicht die Zukunft des Vereins aufs Spiel setzen und überhöhte oder unkalkulierbare Risiken gehen.“

Kommentare zu " Relegation Fortuna vs. Hertha: Das Spiel um alles oder nichts"

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  • "Steigt Düsseldorf auf oder Berlin ab?"

    Keines von beidem oder aber beides.

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