Sexismus-Vorwürfe
Adidas nimmt WM-Shirts vom Markt

Ein T-Shirt von Adidas sorgt in Brasilien für Aufruhr und bringt dem deutschen Unternehmen Sexismus-Vorwürfe ein. Abgebildet ist eine Bikini-Schönheit – inklusive einer leicht zweideutig zu verstehenden Aufschrift.
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Adidas hat sich gut drei Monate vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft am 12. Juni ein peinliches Eigentor geleistet. Der Sportartikelhersteller, der auch die deutsche Fußballnationalmannschaft ausstattet und einer der größten Sponsoren des Mega-Events in Brasilien ist, stoppte den Verkauf von zwei T-Shirts, nachdem sich das brasilianische Fremdenverkehrsamt Embratur über sexistische Motive beschwert hatte.

Auf dem Shirt, um das es hauptsächlich geht, greifen die Adidas-Designer tief in die Klischeekiste: Abgebildet ist der Zuckerhut in grün, eine strahlend gelbe Sonne und eine Frau in knappem, grünen Bikini. Wäre noch irgendwo ein Strand mit „Copacabana“-Schild und würde die brasilianische Shirt-Schönheit noch eine Caipirinha in der Hand halten, wäre die Liste der brasilianischen Stereotypen, alle untergebracht auf einem T-Shirt, komplett.

Problematisch wird das Shirt allerdings erst in Kombination mit der Aufschrift: „Lookin' to score“ (in etwa: „Ich will punkten“ oder „Ich will ihn reinmachen“). Trotz des Os, das von einem Fußball dargestellt wird, war den brasilianischen Behörden diese in Kombination mit der weiblichen Figur leicht auch anders zu verstehende Botschaft zu viel.

Embratur reagierte empört: Man weise „die Kommerzialisierung von Produkten vehement zurück, die das Bild von Brasilien mit sexuellen Aufrufen verbindet“, hieß es in einer Erklärung. Kurz vor der WM versucht Brasilien mit allen Mitteln, das Sextourismus-Image loszuwerden.

„Wir akzeptieren nicht, dass die Weltmeisterschaft für illegale Praktiken wie Sextourismus benutzt wird“, sagte Flavio Dino, Chef des Fremdenverkehrsamts der BBC. „Wir ersuchen Adidas, diese Produkte nicht mehr zu verkaufen.“ Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff schaltete sich via Twitter ein und teilte mit, Brasilien sei bereit, alle Gäste zur WM zu empfangen aber gleichzeitig rigoros gegen Sextourismus vorzugehen.

Der deutsche Dax-Konzern Adidas reagierte prompt und nahm das Shirt, sowie ein zweites mit der Aufschrift „I love Brazil“, bei dem das O in „love“ mit einem tangatragenden, üppigen Frauenpo dargestellt wird, vom Markt.

„Da wir immer aufmerksam auf das Feedback unserer Kunden und Partner achten, haben wir uns dazu entschieden, diese Produktlinie vom Markt zu nehmen. Bei der Kollektion handelte es sich um eine limitierte Auflage, die nur in den USA zum Kauf erhältlich war“, teilte das Unternehmen gegenüber Handelsblatt Online mit.

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