Spielervermittler Kroth
„Kann verstehen, dass mancher Verein sauer ist“

Er vertritt unter anderem Manuel Neuer und ist Vize-Präsident der Spieler-Vermittler-Vereinigung DFVV. Thomas Kroth über astronomische Transfersummen, den schlechten Ruf seiner Branche und zwielichtige Deals.
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Herr Kroth, die Bundesliga eilt beim Umsatz von Rekord zu Rekord. Zwei deutsche Klubs haben zuletzt das Champions-League-Finale erreicht und jeweils rund 70 Millionen Euro an Prämien eingestrichen. Steigen nun die Gehälter und damit auch Ihre Provisionen in neue Dimensionen?

So lange wie ich diese Tätigkeit ausübe, sind die Gehälter immer gestiegen. Es gab mal eine schwächere Phase Mitte bis Ende der 90er-Jahre. Ansonsten war nie ein Ende der Fahnenstange zu sehen.
Es geht also weiter aufwärts?

Ich glaube nicht. Bei den Ablösesummen sind wir jetzt in Dimensionen von bis zu 50 oder 100 Millionen Euro angekommen. Es gibt Bestrebungen, das in den Griff zu bekommen. Mit den Financial-Fair-Play-Regeln der Uefa wird das Augenmerk darauf gelenkt, dass es nicht in noch höhere Dimensionen geht. Das gilt auch für die Gehälter.

Die Klubmanager sehen das anders. Ab der kommenden Saison erhöhen sich dank neuem Vertag allein die TV-Erlöse um 50 Prozent. Die Vereine sagen, man müsse aufpassen, dass nicht Spieler und Berater das ganze Geld einsacken. Eine berechtigte Sorge?

Zum Teil ist es populistisch. Es ist ein Trugschluss, dass wir viel verdienen, wenn für einen Spieler eine hohe Ablöse gezahlt wird. Unser Honorar hängt immer am Gehalt des Spielers. Tatsächlich gab es in den letzten Jahren die Entwicklung, dass die Spieler in der zweiten oder dritten Reihe zu viel Geld verdient haben. Das gilt aber nicht für die Top-Stars. Fans wollen Top-Stars sehen, die sollen auch ihr Geld verdienen, das ist nur gerecht.

Sie betreuen neben Top-Stars wie Manuel Neuer auch viele junge Fußballer und Spieler aus der zweiten oder dritten Reihe. Wie vermitteln Sie denen, dass sie finanziell zurückstecken sollen?

Meine Tätigkeit konzentriert sich seit vielen Jahren überwiegend auf den Nachwuchsbereich. Es ist die Ausnahme, dass ich einen Spieler übernehme, der schon 24 oder 26 Jahre alt ist. Es geht darum, diese Spieler mit zu entwickeln. Und die Gehälter von Nachwuchsspielern hat man zunehmend wieder im Griff. Denn in Deutschland ist das Gehaltsmodell überwiegend leistungsabhängig. In vielen anderen Ländern ist das nicht üblich. Da kennt man nur ein Festgehalt. Damit gehen die Klubs ein hohes Risiko ein.

Es finden sich auf den offiziellen Seiten Ihrer Agentur nur Spieler ab 18 Jahren. Arbeiten Sie generell nur mit volljährigen Sportlern zusammen?

Wenn ich das machen würde, hätte ich bald keine Spieler mehr. Als ich angefangen habe, gab es in Deutschland 30 Spielerberater, heute sind es über 500. Viele nicht Lizenzierte drängen in den Markt. Oft haben heute schon 12- oder 13-Jährige einen Berater. Das geht überwiegend von den Eltern aus und ist eine bedenkliche Entwicklung. Das mache ich in dieser Form nicht mit. Einen echten Bedarf an einem Berater gibt es aus unserer Sicht erst ab 16 Jahren. Unter 16 nehmen wir keinen Spieler an.

Wie kommen Sie dann an die Spieler, wenn die alle schon mit 13 Jahren einen Berater haben? Müssen Sie mit Konkurrenten verhandeln und denen Angebote machen?

Der Entwicklungsweg eines 12- oder 14-Jährigen ist lang, das sind viele Jahre. Man muss in der Lage sein zu erkennen, dass ein Spieler Talent hat und es in die Bundesliga schaffen kann. Der Großteil des Geschäfts läuft deshalb weiter über die etablieren Agenturen und Berater. Es wird eine Marktbereinigung kommen.

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