Stürmer mit Humor
Crouch hat sich mit seinem Image angefreundet

Nicht nur mit seinem "Roboter"-Tanz, auch mit seinen Toren und Vorlagen hat sich Englands Peter Crouch den Respekt der Kollegen erarbeitet. Dass der lange Angreifer dennoch einigen Spott abbekommt, nimmt er mit Humor.

Vom Gespött der Kollegen zur Kultfigur - der Sprung, den Peter Crouch im letzten halben Jahr in der Beliebtheitsskala gemacht hat, ist kaum zu glauben. Denn die Meinungen über die Fähigkeiten der "Bohnenstange" im englischen Team gehen weit auseinander. "Ich bin ein offensichtliches Ziel, ich habe mich vor vielen Jahren daran gewöhnt. Man kann ja nur darüber lachen. Sonst müsste man weinen", sagte der 25 Jahre alte Stürmer vom FC Liverpool, der bei seinem WM-Debüt gegen Paraguay am vergangenen Samstag (1:0) eher noch als der lange verletzte und frühzeitig ausgewechselte Sturmpartner Michael Owen zu überzeugen wusste.

"Freak, Freak, Freak", schallte es bis zuletzt wöchentlich in der Premiere League und auch bis zuletzt bei den Spielen der "Three Lions" von den Rängen. Seine 2,04m Körpergröße und seine stakeligen Beine sind auf der Insel ein beliebtes Angriffsziel für hämische Bemerkungen. Auch bei seinem zweiten Einsatz für den Weltmeister von 1966 beim 1:0 gegen Österreich am 8. Oktober des vergangenen Jahres in Old Trafford brüllten 60 000 Menschen den "Roboter" nieder.

Shaquille O´Neal des Fußballs

Kurz zuvor war Crouch nach einer mit insgesamt 16 Treffern starken Saison beim FC Southampton für zehn Mill. Euro zum englischen Rekordmeister FC Liverpool gewechselt. Die Konkurrenz lachte sich über den tollkühnen Transfer von Liverpools Teammanager Rafael Benitez zu Beginn der vergangenen Spielzeit durchweg schlapp. Arsene Wenger vom Lehmann-Klub FC Arsenal und Jose Mourinho vom Meister FC Chelsea verspotteten Crouch als Shaquille O´Neal des Fußballs, für viele galt Crouch noch bis zum Jahreswechsel als der größte Witz im englischen Fußball.

Doch kurz vor Weihnachten platzte bei Crouch auch im Dress der Reds urplötzlich der Knoten. In der zweiten Saisonhälfte folgten noch neun Tore für Liverpool, zudem arbeitete er beinahe täglich an seinem Kopfballspiel und avancierte so bis kurz vor WM-Beginn zu einem der besten Vorlagengeber der Liga. Aus diesem Grund und weil er den Gegnern alleine durch seine Präsenz schon Angst und Schrecken einjagt, rückte Nationalcoach Sven-Göran Eriksson trotz aller Kritik nicht von Crouch ab und nominierte ihn in den 23-köpfigen WM-Kader des Mitfavoriten.

"Roboter"-Tanz nur bei Finalsieg

Die Berufung zahlte Crouch beim letzten WM-Test gegen Jamaika mit drei Toren zurück. Selbst ein verschossener Elfmeter wurde ihm von den Anhängern nach seiner Tor-Gala verziehen. Und seit kurzem ist der sympathische Lulatsch auch innerhalb des Teams die abolute Kultfigur. Bei David und Victoria Beckhams überdimensionaler WM-Feier vor wenigen Wochen hatte Crouch dort vor laufender Kamera wie ein Roboter getanzt. Rio Ferdinand und Beckham selbst kringelten sich vor Lachen. Doch Crouch kannte keine Gnade und zeigte den "Roboter"-Tanz auch nach seinem Treffer gegen Ungarn.

Der Hype um Crouch eskalierte anschließend derart, dass kurz darauf auch Prinz William bei einem Besuch im Trainingslager auf eine Vorführung bestand. Doch das hat offenbar selbst Crouch ins Grübeln gebracht.

Denn der Angreifer will bei der WM zunächst auf den schrägen Jubel verzichten. "Es war eigentlich ein harmloser Spaß, der offenbar eskalierte. Hier geht es um eine ernsthafte Sache, um Tore und Siege, aber nicht um einen Roboter-Tanz. Wenn wir Weltmeister werden, wird jeder im Team feiern, aber bis dahin werde ich es wohl nicht mehr tun", meinte Crouch.

© SID

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