Superstar steht in der Kritik
Ronaldinhos WM zum Vergessen

Nach dem WM-Aus der Brasilianer gegen Frankreich steht vor allem Superstar Ronaldinho in der Kritik. Für den 26-Jährigen lief die WM-Endrunde nicht nach Maß. Der Spielmacher blieb ohne Torerfolg.

Brasiliens Superstar Ronaldinho wird die WM wohl am liebsten schnell vergessen wollen. Als der 26-Jährige mit seinem letzten Freistoß das Tor der Franzosen um einige Meter verfehlte, verkam sein weltberühmtes Lachen zu einer Geste purer Verzweiflung. Die verkorkste WM des Weltfußballers war perfekt. Für einen wie ihn, der sich schon "als Zweiter wie der Letzte fühlt", hätte der vorzeitige Abgang von der WM-Bühne kaum bitterer sein können.

Eine gute halbe Stunde nach dem Viertelfinal-K.o. von Titelverteidiger Brasilien gegen Frankreich (0:1) schlurfte der 26-jährige Ronaldinho mit hängendem Kopf durch die Katakomben der Frankfurter WM-Arena und murmelte nur kurz im Vorbeigehen: "Wir sind alle niedergeschlagen. Kein Spieler der Welt mag es, wenn er bei so einem großen Turnier verliert."

"Erst sparte Ronaldinho mit Leistung, dann mit klärenden Worten"

Schon gar nicht der vermeintlich beste und mit am besten bezahlte Kicker auf dem Planeten, der auch in der Heimat harsche Kritik für seine fünf WM-Auftritte erntete. "Ronaldinhos Leistung war eine Null links vom Komma", stichelte der ehemaliger brasilianische Meistercoach Nelsinho Baptista gegen Brasiliens Nummer 10, während die Sportzeitung Lance titelte: "Erst sparte Ronaldinho mit Leistung, dann mit klärenden Worten."

Auf der Rückfahrt ins Hotel rührte der begnadete Techniker, der den Ball gerne als "Geliebte" bezeichnet, seine im Bus bereitstehenden Handtrommeln gar nicht erst an. Beim überragenden Erfolg beim Confederations Cup vor Jahresfrist ebenfalls in Frankfurt/Main gegen Argentinien hatte Ronaldinho noch die brasilianische Mannschaft per Handtrommeln zu Gesangseinlagen animiert - am Samstag war den Ballzauberern die Lust dazu gründlich vergangen.

Auch auf den berühmten Surfergruß warteten die Fans des stets lächelnden Fußball-Magiers, der im Jahr auf geschätzte Einnahmen von rund 23 Mill. Euro kommt, in den vergangenen drei Wochen vergeblich. Als Einziger aus dem magischen Viereck blieb Ronaldo de Assis Moeira, wie Ronaldinho eigentlich heißt, ohne Treffer.

Schlechte Passquote gegen Zidane und Co.

Eine Entschuldigung für seine schwache Quote hatte der Champions-League-Sieger vom FC Barcelona spätestens nach dem Aus im Viertelfinale und der ersten Niederlage nach zuvor elf siegreichen WM-Partien nicht mehr. Anstatt seiner durchschnittlich 51 Pässe spielte Ronaldinho gegen Zinedine Zidane & Co. lediglich 27 erfolgreiche Pässe.

Wie bereits im Champions-League-Finale Mitte Mai gegen den FC Arsenal (2:1) in Paris blieb der Kultige, der seine lange Mähne mit einem "R"-Stirnband bändigt, im Spiel fast alles schuldig. Frankreichs Trainer Raymond Domenech jedenfalls sah sich bestätigt: "Natürlich ist Ronaldinho ein toller Spieler. Aber wir hatten eine Strategie, um Brasilien zu schlagen - und nicht Ronaldinho", sagte der französische Nationaltrainer nach dem Triumph.

Die Analyse seines Landsmanns Pele dürfte Ronaldinho wie Häme in den Ohren klingen. "Zidane war der Meister des Spiels", schwärmte Jahrhundertfußballer Pele im ZDF vom Franzosen, während auch Franz Beckenbauer von Ronaldinho enttäuscht war: "Bei all den Namen erwartet man Besonderes, aber da war nichts." Der verhinderte WM-Star verließ am Sonntag Deutschland. Bezeichnend, dass UN-Botschafter Ronaldinho die Heimreise auf eigene Faust antrat - enttäuscht und ohne das gewohnte Lächeln im Gesicht.

© SID

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