Trotz 15 Millionen Euro Ablöse
Chelsea trennt sich von Trainer Villas-Boas

Vor acht Monate für eine Rekordablöse gekommen, sollte André Villas-Boas bei Chelsea eine neue „Ära“ einleiten. Nach Misserfolgen in allen Wettbewerben ist seine Zeit bereits nach weniger als einer Saison abgelaufen.
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André Villas-Boas war der absolute Wunschtrainer von Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch - nach nur acht Monaten muss der junge Portugiese wegen Erfolglosigkeit gehen. „Unglücklicherweise sind die Resultate und die Leistungen des Teams nicht gut genug gewesen und zeigten keine Zeichen von Verbesserung in diesem Schlüsselmoment der Saison“, begründete der englische Fußball-Club am Sonntag auf seiner Homepage die Entlassung.

Tags zuvor hatte der Tabellenfünfte 0:1 bei West Bromwich Albion verloren. Interimscoach wird bis zum Ende der Saison Chelsea-Co-Trainer Roberto Di Matteo. Villas-Boas ist der siebte Trainer in acht Jahren, der von Abramowitsch geschasst wurde. Dabei hatte Chelsea im Sommer 15 Millionen Euro Ablöse für den 34-Jährigen an den FC Porto gezahlt, der mit dem Trainertalent vergangene Saison vier Titel, darunter die Europa League gewonnen hatte.

„RIP AVB“, hatte „The Sun“ am Sonntag bereits vor der absehbaren Entwicklung makaber getitelt („Ruhe in Frieden André Villas-Boas“), „Pack deine Taschen“, spottete der „Sunday Mirror“. Als heißesten Kandidaten handelten die Boulevard-Blätter Barcelonas Erfolgstrainer Pep Guardiola. Auch der Name des früheren Liverpool-Coaches Rafael Benitez fällt auf der Insel immer wieder. Chelsea-Legende José Mourinho, bei Real Madrid vermeintlich unzufrieden, soll in der Vorwoche nach einer Immobilie in Chelsea Ausschau gehalten haben.

Villas-Boas wollte bei Chelsea einen Umbruch und eine Verjüngung umsetzen. Bis zuletzt versicherte er, die Rückendeckung von Abramowitsch für das „gemeinsame Drei-Jahres-Projekt“ zu haben. Am Samstag nach der bereits siebten Saisonpleite bei West Brom hatte er zwar schon resigniert gewirkt, aber noch gesagt: „Jeder Trainer, der mit einem Top-Club eine Niederlage kassiert, hat Druck. Und heute ist es akzeptabel, dass sich der Druck noch ein bisschen verschärft.“

Er hatte auch bei Chelseas starken, älteren Spieler-Persönlichkeiten keinen leichten Stand: Erst kürzlich nannte Frank Lampard, unter Villas-Boas nicht immer erste Wahl, das Verhältnis „nicht ideal“. Der Verein teilte am Sonntag weiter mit: „Der Club ist immer noch in den letzten Phasen der Champions League und im FA-Cup dabei, außerdem spielt er noch um einen Top-Vier-Platz in der Premier League.“ Man wolle „an allen Fronten so wettbewerbsfähig wie möglich bleiben. Vor diesem Hintergrund hatten wir das Gefühl, dass dieser Wechsel unsere einzige Option war.“

Im der Champions League stehen die „Blues“ in der Runde der besten 16 nach dem 1:3 beim SSC Neapel vor dem Aus. Im FA-Cup treten sie ebenfalls im Achtelfinale am Dienstag im Wiederholungsspiel beim Zweitligisten Birmingham City an. Vom abermaligen Ausrutscher Chelseas profitierte vor allem der FC Arsenal: Dank des 2:1-Siegs beim FC Liverpool konnten die „Gunners“ den vierten Platz mit drei Punkten Vorsprung auf den Stadt-Rivalen festigen. Tabellenführer Manchester City hatte beim 2:0 gegen die Bolton Wanderers keine Mühe und feierte im 14. Heimspiel der Saison den 14. Sieg.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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