Türkische Fußball-Clubs
National verbannt, international toleriert

Wegen Bestechungsvorwürfen geraten etliche griechische und türkische Klubs ins Visier der Ermittler. Einige wurden bereits bestraft - doch in Europa dürfen sie aktuell noch starten.
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HamburgZwangsabstiege, Verhaftungen von Trainern und Präsidenten, lebenslange Sperren, drakonische Geldstrafen, Absage des Supercups, Verlegung des Ligastarts. Im griechischen und türkischen Fußball wird derzeit aufgeräumt - ohne Rücksicht auf große Namen. In Europa hingegen treten die verdächtigen und teils bereits bestraften Klubs an und kassieren kräftig ab - zumindest vorerst.

Es war eine kleine Sensation: Mit dem 3:2-Sieg gegen Vizemeister Panathinaikos Athen sicherte sich Olympiakos Volos am letzten Spieltag der griechischen Super League Platz fünf und die Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League. Doch die Freude währte nur kurz: Inzwischen wurde der Klub mit einer Geldstrafe von 300.000 Euro und dem Zwangsabstieg bestraft. Der Klub-Präsident Achileas Beos wurde gar auf Lebenszeit gesperrt. Grund für die drakonischen Strafen ist die erwiesene Verstrickung des Vereins in einen aktuellen Wettskandal. 

In der Europa League läuft es für die Griechen hingegen blendend: Das Urteil vom griechischen Fußballverband wurde erst am 28. Juli gefällt - und so trat der Klub am gleichen Abend in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League in Luxemburg beim FC Differdange 03 an, gewann 3:0 und steht damit fast sicher in der Playoff-Runde. Noch hat der europäische Fußballverband (UEFA) das Urteil nicht anerkannt, zudem hat Volos Einspruch gegen das Urteil in erster Instanz eingelegt. 

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd heißt es in einer Stellungnahme des europäischen Verbandes: „Der UEFA sind die Entscheidungen des griechischen Verbandes in erster Instanz bezüglich des Vereins Olympiakos Volos und seines Präsidenten bekannt. Die UEFA hat umgehend einen Bericht und sämtliche Details zu der Entscheidung angefordert. Sie werden geprüft und die UEFA wird nicht zögern, notwendige disziplinarische Maßnahmen zu ergreifen - einschließlich des möglichen Ausschlusses von Olympiakos Volos aus der Europa League.“ Dennoch werden die Griechen bei der Auslosung der Playoff-Runde im Lostopf sein. 

Noch größeres Aufsehen erregt der aktuelle Bestechungsskandal in der Türkei. Die Klubs aus Istanbul, Meister Fenerbahce, Pokalsieger Besiktas und Vizemeister Trabzonspor, stehen im Fokus der landesweiten Ermittlungen. Dutzende Offizielle, darunter Fenerbahce-Präsident Aziz Yildirim und Besiktas-Trainer Tayfur Havutcu, wurden bereits verhaftet, der Supercup ausgesetzt, der Ligastart verschoben und der Pokal präventiv zurückgegeben. Grund dafür: Spieler von gegnerischen Mannschaften sollen bestochen worden sein, schlecht zu spielen oder gar nicht erst anzutreten. 

An Champions- und Europa League nehmen die drei Klubs voraussichtlich dennoch teil. „Die UEFA beobachtet die Situation täglich und ist in engem Kontakt mit dem türkischen Verband“, heißt es seitens der UEFA. Die UEFA habe volles Vertrauen in den türkischen Verband, dass sich deren Europapokal-Teilnehmer „ausschließlich durch sportliche Leistungen qualifiziert haben“. 

Jeder Verein, der an einem UEFA-Wettbewerb teilnimmt, habe zudem eine schriftliche Garantie abgegeben, dass er nichts mit Spielmanipulationen zu tun habe. Des weiteren unterstreicht der europäische Verband, dass er in dieser Frage eine „Null-Toleranz-Politik“ verfolge. Und: „Die UEFA betont, dass auch nach der Aufnahme in einen europäischen Wettbewerb ein Verein jederzeit ausgeschlossen werden kann, wenn sich herausstellen sollte, dass die Qualifikation durch Manipulation und Absprachen erreicht wurde.“ 

Noch aber laufen die Untersuchungen in der Türkei. Fast täglich kommen neue Details ans Licht und werden weitere Verdächtige verhört oder verhaftet. Da der Fall noch nicht abgeschlossen ist, gibt es auch noch kein Urteil und so darf sich besonders Fenerbahce vorerst auf die Millionen-Einnahmen in der Königsklasse freuen - die sie, sollten sich die Verdächtigungen bewahrheiten, nur aufgrund von Bestechungen erreicht haben.

 

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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