Unter den Gästen dominieren die Fußballer
Der Göttliche bittet zum Tänzchen

Diego Maradona hat sich nach Kokainsucht und Fettleibigkeit neu erfunden: Er ist in Argentinien ein Fernsehstar.

BUENOS AIRES. Still stehen ist nicht Diego Maradonas Sache. Auf der Linie, die im Studio für den frischgebackenen Moderator der neuen Show „Die Nacht der Nummer Zehn“ eingezeichnet ist, tänzelt der ehemalige Starstürmer vor und zurück, ist permanent in Bewegung, während er von den Tafeln der Assistenten seinen Text aufsagt. Es gibt viele Tafeln, jeder Satz ist voll ausgeschrieben. Denn Maradona ist neu im Showbusiness. Aber er bricht trotzdem schon wieder Rekorde.

Die legendäre Nummer Zehn des argentinischen Fußballs, die einst den Sprung aus dem Slum zum Weltstar schaffte, bevor Doping-Skandale die Karriere beendeten und Maradona in die Kokainsucht abrutschte, hat sich selbst neu erfunden: Als Quotenstar. Seine Sendungen verzeichnen Rekordratings.

Kaum zu glauben, dass dieser kraftvolle kleine Schwarzhaarige mit den blitzend weißen Zähnen derselbe ist, der vor wenigen Monaten noch in der Intensivstation wegen einer Herzmuskelschwäche um sein Leben rang. Der jahrelang mit verschiedenen Behandlungen in Kuba und Argentinien immer wieder vergeblich versucht hatte, seiner Kokainsucht und extremen Fettleibigkeit Herr zu werden und zwischenzeitlich sogar für unmündig erklärt worden war. Nach einer Operation in Kolumbien, bei der sein Magen auf ein Zehntel verkleinert wurde, schrumpfte Maradona innerhalb von fünf Monaten um 50 Kilo auf etwas über 70 Kilo und fand auch geistig wieder zur alten Form zurück.

Keine formale Fernsehshow, sondern einen „Club der Amigos“, der Freunde, hatte sich Maradona gewünscht. Tatsächlich ist das Ganze eine Mischung aus einer Familienfeier und einer mit großem Aufwand und viel Theatralik produzierten Huldigung an den „Gott des Fußballs“, der diese wie ein glückliches Kind entgegennimmt.

Maradonas Eltern und die Geschwister sitzen stets auf ihren Stammplätzen in der ersten Reihe, die blonde Ex-Frau Claudia Villafañe ist Mitproduzentin. Auch Töchter Dalma und Giannina, deren Namen als Tätowierung Diegos Unterarme zieren, arbeiten in der Produktion. Die meisten Gäste, die auf den weißen Sesseln mit dem Portrait von Maradona auf der Rückenlehne Platz nehmen, sind Freunde oder gute Bekannte des Fußballidols.

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