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Arme Klubs fordern mehr Geld

Die Dritte Liga gilt als Erfolgsmodell mit ordentlichen Zuschauerzahlen. Doch auf den Plätzen der dritten und vierten Liga macht sich Unbehagen breit. Viele Vereine klagen über hohe Kosten und einen zu geringen Anteil an den Fernseheinnahmen, einige Regionalligisten sind sogar von der Insolvenz bedroht.

HAMBURG. In Helmut Sandrocks Büro in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat alles seine Ordnung. Die Unterlagen auf dem Schreibtisch sind sortiert, auf dem Besuchertisch steht eine Keksmischung und an der Wand hängt ein Trikot von Red Bull Salzburg, wo der heute 52-Jährige vor seiner Zeit beim DFB Geschäftsführer war. Das Jersey trägt neben Sandrocks Namen die Nummer Zehn, die für Kreativität, Durchsetzungskraft und Führungsstärke steht.

Diese Qualitäten kann Sandrock derzeit bestens gebrauchen. Denn außerhalb seines Büros, draußen auf den Plätzen der 3. und 4. Liga, für die Sandrock als DFB-Direktor verantwortlich ist, hat sich Unbehagen breitgemacht. Großes Unbehagen. Zwar gilt die neue 3. Liga als Erfolgsmodell mit ordentlichen Zuschauerzahlen (Hinrunde 2008/09: 1,1 Millionen) und sehr guter Fernsehpräsenz (436 Millionen TV-Zuschauer). Ein Umsatz von 94 Mio. Euro macht sie, an den Finanzen gemessen, zur drittstärksten Liga Deutschlands - noch vor Handball und Eishockey.

Am Unmut der meisten Klubvertreter ändert das jedoch nichts. "Wir können mit dieser Situation nicht zufrieden sein. Der Abstieg von der zweiten in die dritte Liga ist wie ein Höllenritt", sagt der Präsident der SpVgg Unterhaching, Engelbert Kupka. Er wirft dem DFB vor, die Drittligisten mit "einem Glas Wasser in die Wüste geschickt" zu haben.

Den 54 Regionalligisten, die seit der Ligareform im vergangenen Sommer in drei Staffeln aufgeteilt sind, ergeht es kaum besser. Ganz im Gegenteil: Die Vereine sehen sich in ihrer Existenz bedroht. "Insolvenzfalle Regionalliga" stand jüngst in der "Süddeutschen Zeitung".

Der Klagegrund ist überall identisch: Der DFB stelle zu hohe Anforderungen und zahle zu wenig Geld aus seinen Fernseheinnahmen. "Alleine die Kosten für Infrastruktur, Schiedsrichter, Reisen zu Auswärtsspielen und Sicherheit verschlingen einen großen Teil unseres Budgets", sagt Wolfgang Knöß, Geschäftsführer des Traditionsklubs SV Darmstadt 98, dessen Etat mit rund 1,7 Mio. Euro pro Saison etwa dem Regionalliga-Durchschnitt entspricht.

Zur Seite springt ihm sein Liga- und Manager-Kollege Manfred Vobiller vom SC Pfullendorf: "Ich habe den Eindruck, dass die beim DFB gar nicht wissen, was die Regionalliga kostet. Es wäre wohl besser, sie zu streichen."

Dass die Regionalligisten in der nächsten Saison statt bis zu 160 000 Euro nur noch 90 000 Euro aus dem Fernsehtopf des DFB kassieren, was auf den neuen Fernsehvertrag mit ARD/ZDF und Premiere zurückzuführen ist, trägt nicht zur Entspannung der Lage bei.

Der DFB kann die Klagen der Klubs nachvollziehen, weist die harschen Vorwürfe jedoch zurück. "Wir sind höchstens für drei bis vier Prozent der Abgaben der Klubs verantwortlich. Die größten Stellschrauben sind die Spielergehälter, und daran können die Klubs nur selbst drehen", sagt DFB-Direktor Sandrock.

Er ist sich dennoch bewusst, dass Handlungsbedarf besteht. "Wir müssen uns natürlich fragen, ob die Strukturen passen. Der Kompromiss mit einem dreiteiligen Unterbau unterhalb der 3. Liga ist sicherlich nicht in Stein gemeißelt", sagt er. Gleichzeitig fordert er von den Klubvertretern aber eine "Versachlichung der Diskussion".

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